Die künftige Netzregulierung soll nach den Vorstellungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) verschlankt werden und von Standardisierungen und der Digitalisierung profitieren. „Das ganze System muss einfacher, gängiger, flüssiger werden, sagte BNetzA-Vizepräsidentin Barbie Kornelia Haller am Dienstag auf einer Regulierungskonferenz in Berlin. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir mit immer weiteren Verkomplizierungen wirklich weiterkommen“, erklärte Haller weiter. So solle bei den Vorgaben für Netzbetreiber verstärkt mit Pauschalen und nicht mit passgenauen Berechnungen gearbeitet werden.
Es gehe dabei auch um mehr Transparenz gegenüber der gesamten Branche und der Politik. „Wir müssen das, was wir tun, vom Anfang bis zum Ende erklären können“, betonte die Vize-Chefin der Bonner Regulierungsbehörde. Am Ende müsse ein Effizienzvergleich mit einer logischen Begründung nachvollziehbar sein. Dennoch werde es im Einzelfall Abweichungen von pauschalen Vorgaben geben müssen. „Die Regulierung ist ein anspruchsvolles und komplexes System mit 800 Verteilnetzbetreibern. Wir sind umzingelt von Realitäten“, so Haller.
Standardisierte, digitale Prozesse für mehr Effizienz
Ausgehend von dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 komme dem Stromnetz eine ganz neue Funktion zu. Es werde künftig auch die Rolle des Gas- und des Tankstellennetzes übernehmen. Darauf müsse die Regulierung reagieren, es gebe einen großen Informationsbedarf der Netzbetreiber, sagte Haller. Ohne standardisierte, digitale Prozesse werde der immens Ausbaubedarf bei den der Verteilnetzen nicht zu schaffen sein.
Dennoch werde die Bundesnetzagentur weiterhin die Frage beantworten müssen, wie Kostenersparnisse im Netzbetrieb organisiert werden können. „Die effiziente Aufstellung eines Netzbetreibers ist für die Akzeptanz der Energiewende entscheidend“, betonte die Vize-Behördenchefin. Der Argumentation von Netzbetreiberseite, der Effizienzvergleich sei angesichts der politisch vorangetriebenen Netzausbauanforderungen und des daraus resultierenden hohen Investitions- und Kapitalbedarfs an sein Ende gekommen, könne sie nicht folgen. „Das sehe ich genau umgekehrt.“
Netzausbau als ein wichtiger Standortfaktor
Mit Blick auf die jüngsten Vorfälle bei den Stadtwerken Oranienburg betonte Haller, der vorausschauende Netzausbau bleibe nach wie vor eine „Grundkompetenz der Netzbetreiber“. „Neu ist, dass die Folgen bei einer Vernachlässigung der Pflichten jetzt sichtbarer werden“, so die Regulierungsexpertin. Für die Verteilnetzbetreiber sei eine Abstimmung mit den kommunalen Behörden und den vor- und nachgelagerten Netzbetreibern deshalb künftig noch wichtiger. Die Bonner Regulierungsbehörde werde dies verstärkt in den Blick nehmen. „Der Netzausbau wird auch zu einem wichtigen Standortfaktor“, ergänzte Haller.
Ende Mai soll in einem Expertenworkshop die intensive Konsultation mit der Branche zur künftigen Netzregulierung starten. Laut Haller wird es künftig eine große Beschlusskammer Energie geben. Diese werde nicht alle Beschlüsse fassen, aber für die Kosten- und Anreizregulierung und bundesweite Regulierungen zuständig sein.
„Relevante Zahl“ der Festlegungen sollen 2025 stehen
Geplant sind Rahmenfestlegungen zur abstrakten Vorgabe und Ausgestaltung zentraler Elemente des Regulierungssystems wie etwa die Dauer der Regulierungsperiode. Daneben kommen Methodenfestlegungen zur konkreten Ausgestaltung der wesentlichen Elemente wie etwa die Methodik der Effizienzwertermittlung und der Eigenkapitalverzinsung. Dazu kommen Einzelfestlegungen durch zuständige Beschlusskammern wie z.B. die Bestimmung individueller Erlösobergrenzen. Im kommenden Jahr solle eine „relevante Zahl“ der Festlegungen abgeschlossen sein, erklärte Haller. (hil)



