Die Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr eG (EGRR) aus Dinslaken hat nach gut zwölfjährigem Bestehen Insolvenz angemeldet. Das geht aus einer Bekanntmachung des zuständigen Amtsgerichts Duisburg vom Monatsanfang hervor. Es bestellte den dortigen Anwalt Mark Steh zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Die Strom- und Gaslieferung wurde eingestellt; das Gericht hat der eG verboten, noch irgendwelche Zahlungen zu leisten; das Bankkonto der Genossen wurde gekündigt. Die über Deutschland verteilten Kunden, mit denen die eG laut dem letzten verfügbaren Geschäftsbericht von 2017 gut 17 Mio. Euro Umsatz machten, davon mehr als 14 Mio. Euro mit Strom, werden nahtlos von dem jeweiligen Grundversorger ihres Verbrauchsortes in die Ersatzversorgung überführt, so zum Beispiel von den Stadtwerken Dinslaken. Diese übernahmen von der EGRR eine zweistellige Kundenanzahl und machen ihnen ein attraktiveres Tarifangebot, als es die Ersatzversorgung ist, teilten sie der ZfK mit.
Genossen verlieren ihre Einlagen
Gläubiger müssen jetzt wie immer in solchen Verfahren abwarten, ob die Insolvenzmasse ausreicht, um das eigentliche Insolvenzverfahren zu eröffnen. Erst dann können sie ihre Forderungen geltend machen, indem sie sie zur Insolvenztabelle anmelden. Dies könne mehrere Wochen dauern, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter auf der Website der Genossenschaft mit. Die Energieabrechnungen kündigte er erst für "Anfang 2020" an.
Die Genossen selbst – Ende 2017 waren es gut 2700, Tendenz sinkend – müssen zwar nichts nachschießen, aber sie bekommen auch ihre Einlagen nicht zurück, sondern nur die erfahrungsgemäß prozentual einstellige Insolvenzquote davon – sofern sie sie dereinst überhaupt zur Insolvenztabelle anmelden. Ende 2017 waren die Geschäftseinlagen als Teil des Eigenkapitals auf gut 400.000 Euro angewachsen. Zu weiteren Assets gehören:
- das 2017 bezogene Büro in Dinslaken, für dessen Bau die eG einen Kredit über 1,6 Mio. Euro aufgenommen hatte,
- die damals elf Angestellten mit energiewirtschaftlichem Fachwissen und
- die energiewirtschaftliche Unternehmenssteuerungs-Software Kvasy von SIV.
- Dagegen ist der Stamm von zuletzt 8500 Kunden (Quelle: "Neue Rhein-/Neue Ruhr-Zeitung") erst mal verloren beziehungsweise müsste erst rückgewonnen werden, da die Belieferung wie gesagt eingestellt wurde. 2016 hatte die EGRR laut "Rheinischer Post" noch 20.000 Kunden.
"Vom Tempo überrascht"
Warum die Pleite? "Tatsächlich wurde die EGRR vom Tempo der Entwicklung auch ein wenig überrascht", heißt es auf der Website. Details fehlen. Am Anfang 2007 stand ein klares Geschäftsmodell: Man schließt sich zusammen, um selbst im Großhandel Strom und Gas einzukaufen und so damals noch bestehende Mengenvorteile zu genießen. Zusätzlich war im Geschäftszweck noch von "Dienstleistungen zur Energieeinsparung/Energiewandlung" die Rede, 2015 kam dann unter anderem ein klimaschützerischer und umweltschonender Geschäftszweck hinzu. Die Geschäftsberichte 2016 und 2017 vermitteln das Bild eines seriösen Geschäftsgebarens des Vorstands, einer selbstkritischen Einstellung und einer Detailverliebtheit und möglicherweise auch Verzettelung, die auf eine nur teilweise professionelle Arbeitsweise schließen lässt. So dauerte schon die Anmeldung der eG im Genossenschaftsregister von der Gründung weg etwa ein Jahr. Im 2016 aufgenommenen Energieaudit-Geschäft kam man mit den üblichen Schwankungen in produzierenden Unternehmen nicht immer zurecht und ließ sie monatelang warten. (geo)


