Die Bundesnetzagentur veröffentlichte im September 2024 die Festlegung Kanu 2.0.

Die Bundesnetzagentur veröffentlichte im September 2024 die Festlegung Kanu 2.0.

Bild: © Wolf von Dewitz/dpa

Die Zahl der Gasnetzbetreiber, die die Abschreibungsoption Kanu 2.0 anwenden, steigt weiter. Im kommenden Jahr würden "nahezu alle" Verteilnetzbetreiber diese Möglichkeit nutzen, teilte die Bundesnetzagentur mit. In diesem Jahr habe der Anteil noch bei rund 88 Prozent gelegen.

Damit ist gut zwei Jahre nach Veröffentlichung der entsprechenden Festlegung Kanu 2.0 bundesweit zum Standard geworden. Mit der Regel können Netzbetreiber Abschreibungsdauern stauchen. Außerdem können sie einen größeren Teil ihrer Kosten nach vorne verlagern, wenn sich diese noch auf vergleichsweise viele Kunden verteilen. So soll verhindert werden, dass immer weniger Gaskunden immer höhere Netzentgelte bezahlen müssen und Gasnetzbetreiber ab 2045 auf Restwerten sitzen bleiben. 2045 soll Deutschland klimaneutral sein.

Die Anwendung war im Sommer von Sepp Müller, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Unions-Bundestagsfraktion, scharf kritisiert worden. Der CDU-Politiker forderte die Bundesnetzagentur im Bundestag auf, Kanu 2.0 abzuschaffen. "Wir wollen grüne Moleküle in den Netzen halten", sagte er. Führende Energieverbände reagierten auf den Vorstoß mit Unverständnis und verteidigten Kanu 2.0.

Entgeltsprünge auch auf Kanu 2.0 zurückzuführen

Die Anwendung von Kanu 2.0 trug in den vergangenen Jahren zu teils deutlichen Gasnetzentgelt-Anstiegen bei. Nach Angaben des Datendienstleisters Enet erhöhten sich die Gebühren für Jahresverbräuche von 7000 und 20.000 Kilowattstunden (kWh) im bundesweiten Durchschnitt um zehn und elf Prozent.

Im kommenden Jahr steigen die Entgelte moderater. Laut Enet erhöhen sich die Gebühren für Jahresverbräuche von 7000 und 20.000 kWh im bundesweiten Durchschnitt um jeweils rund zwei Prozent.

Dabei gibt es spürbare Unterschiede zwischen einzelnen Netzgebieten. Während der ostdeutsche Netzbetreiber Mitnetz Gas seine Gebühren für einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh um vier Prozent senkt, steigen sie bei den Hamburger Energienetzen um sieben Prozent. Grundsätzlich wird die Bildung von Netzentgelten streng reguliert und von der Bundesnetzagentur überwacht.

Gasnetzentgelte: Preissenkende Faktoren

Laut der Regulierungsbehörde wirkt der Rückgang der aus Kanu 2.0 resultierenden Abschreibungskosten im kommenden Jahr im Vergleich zu diesem Jahr insgesamt netzentgeltsenkend. Auch geringere Personalzusatzkosten dämpfen die Preise.

Zudem sei derzeit netzbetreiberübergreifend insgesamt kein spürbarer Mengenrückgang zu verzeichnen, erläutert die Bundesnetzagentur. "Vereinzelt werden allerdings sowohl Mengenrückgänge als auch Mengenzuwächse gemeldet."

Preistreibend wirkt dagegen nach Angaben der Bundesnetzagentur der Anstieg der vorgelagerten Netzkosten, die Anpassung durch den Verbraucherpreisindex und besonders Nachholeffekte aus Mindermengen der Jahre 2023 bis 2025.

Einzelbeispiel Rheinnetz

Zu den frühen Kanu-2.0-Nutzern gehört auch der Kölner Netzbetreiber Rheinnetz. Vor allem deshalb stiegen dort die Preise 2025 gegenüber dem Vorjahr bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh um zwölf Prozent.

Für 2027 erhöhen sich die Preise gegenüber diesem Jahr um sechs Prozent. Als einen wesentlichen Preistreiber nannte der Netzbetreiber eine höhere Erlösobergrenze, bedingt unter anderem durch gestiegene vorgelagerte Netzkosten. Außerdem gebe es einen leichten Mengenrückgang im Vergleich zu 2026. "Beide Effekte führen zu steigenden Preisen", teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper