Mehr als dreifach überzeichnet: Die Solarausschreibung für Solaranlagen des ersten Segments (Solarparks) im Dezember 2023 schrieb neue Rekorde. Bei einer ausgeschriebenen Menge von 1611 MW erhielt die Bundesnetzagentur (BNetzA) insgesamt 574 Gebote mit einem Volumen von 5485 MW. (Die ZfK berichtete.)
In der Folge sank auch der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert auf 5,17 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das war 1,3 Cent unter dem Wert der Vorrunde (6,47 ct/kWh).
Verschärfte Projektkonkurrenz
Der Ökoenergieanbieter Naturstrom hat nun Kritik an der Ausschreibung geübt. "Damit werden staatlich gelenkt fast 4000 MWp an dringend benötigter Leistung nicht aufgegriffen, die dahinterstehenden Projekte werden zumindest in absehbarere Zeit nicht umgesetzt", wird Thomas E. Banning, Geschäftsführer der Erzeugungstochter von Naturstrom, NaturEnergy, in einer Presseaussendung zitiert.
Auch die im geplanten Solarpaket vorgesehenen zusätzlichen Flächen reichen demnach nicht aus. Zumal die BNetzA bei der nächsten Ausschreibungsrunde, wie auch im Vorjahr, um mehr als 17 Prozent kürzt. "Die Projektkonkurrenz wird so zusätzlich verschärft und vor allem auf dem Rücken der kleinen Marktteilnehmer ausgetragen", warnt Banning.
Skaleneffeke bei Einkauf und Finanzierung
Hintergrund ist, dass große Akteure größere Skaleneffekte beim Einkauf von Modulen und bei der Projektfinanzierung erzielen. Zudem können sie einzelne unprofitable Projekte querfinanzieren und somit die Gebotspreise drücken. Der Solarstrom wird in einigen Fällen außerdem über Power Purchase Agreements (PPAs) vermarktet ‒ ist also von der staatlichen Förderung unabhängig. Dennoch werden ungeförderte Solarparks auf die Ausschreibungsmengen des Folgejahres angerechnet.
Leidtragende dieser Praxis sind kleine und mittelständische Anbieter, zu denen viele Stadtwerke sowie Bürgerenergieprojekte gehören. Sie sind auf die EEG-Förderung stärker angewiesen, gehen in den großen Solarausschreibungen aber immer öfter leer aus.
Vorziehen von Ausschreibungsmengen
Naturstrom schlägt nun drei Hebel vor, um kurzfristig die hohe Marktdynamik bei Solarparks in eine Energiewendebeschleunigung umzusetzen. Zum einen könnten die Solar-Auktionen generell ausgeweitet werden, auch ein Vorziehen späterer Ausschreibungsmengen wäre dazu eine denkbare Option, heißt es.
Zudem sollte die Anrechnung ungeförderter Solarparks auf die Solar-Ausschreibungsmengen des Folgejahres gestrichen werden. Schon in den letzten Runden habe diese Praxis ohne Not zu einer Reduzierung der ausgeschriebenen Leistung geführt, heißt es weiter.
Kopplung an Windausbau
Zudem sollte es eine beidseitige Kopplung vons Solar- und Windenergie-Zubau geben, fordert Naturstorm. So gebe es bereits bei der Windenergie die Möglichkeit, Ausschreibungsmengen zu erhöhen, wenn der Bedarf an Ökostrom oder die Erzeugung aus anderen Technologien sich anders entwickele als geplant. Eine solche Möglichkeit brauche es demnach auch für die Solarenergie, um den bislang schwächelnden Windausbau auszugleichen.
Die relativ geringen Ausschreibungsmengen und der Abzug der PPA-Projekte wirkten wie ein Zubaudeckel, resümiert Banning. Die Bundesregierung solle die Ausschreibungsregeln im Zuge des Solarpakets kurzfristig weiterentwickeln. (jk)



