Blick auf die Kühltürme des Kraftwerks im südbrandenburgischen Jänschwalde. Auf diesen Standort entfielen die meisten Gebote.

Blick auf die Kühltürme des Kraftwerks im südbrandenburgischen Jänschwalde. Auf diesen Standort entfielen die meisten Gebote.

Bild: © Frank Hammerschmidt/dpa

Der ostdeutsche Kraftwerksbetreiber Leag ist als großer Gewinner der ersten Ausschreibung von Langzeitkapazitäten im Rahmen des Kraftwerksgesetzes (Strom VKG) hervorgegangen. Sieben seiner neun ins Rennen geschickten Anlagen wurden bezuschlagt – darunter auch die Großvorhaben im brandenburgischen Jänschwalde und im sächsischen Boxberg. Insgesamt setzten sich Gebote mit einer reduzierten Leistung von rund fünf Gigawatt (GW) durch. Das entspricht einer Nettoleistung von etwa 6 GW.

Gerade die Gebote für Jänschwalde und Boxberg hatten in den vergangenen Tagen eine Kontroverse ausgelöst. Denn wie Leag mittlerweile bestätigte, setzt das Unternehmen, das zur tschechischen EPH-Gruppe gehört, auf einen Brennstoffwechsel in bestehenden Anlagen statt auf den Bau neuer, effizienterer Gaskraftwerke. Damit konnte Deutschlands zweitgrößter Stromerzeuger offenbar auch Projekte unterbieten, die durch den sogenannten Südbonus besser gestellt wurden.

Der Südbonus greift laut Gesetz dann, wenn ein Drittel der Gebote außerhalb des sogenannten netztechnischen Südens bezuschlagt wurde. Leag griff mit Jänschwalde und Boxberg 52 Prozent der bezuschlagten Menge ab.

Leag erhält auch für Bayern-Gebot Zuschlag

Der Kraftwerksbetreiber reüssierte auch mit seinem Gebot für den bayerischen Standort Leipheim. Hier betreibt das Unternehmen bereits seit 2023 ein Gasturbinenkraftwerk als sogenanntes besonderes netztechnisches Betriebsmittel, um das Stromnetz zu stabilisieren.

Das neue Kraftwerk mit einer Nettoleistung von 319 MW soll in direkter Nachbarschaft auf einer Industriefläche entstehen. Keinen Zuschlag erhielten die Leag-Projekte Schwarze Pumpe (Brandenburg) und Lippendorf (Sachsen).

RWE kommt nur teilweise zum Zug

Deutschlands größter Stromerzeuger RWE erhielt hinter Leag die zweitmeisten Zuschläge. Der Betreiber kann für seine Gas- und Dampfturbinenkraftwerke an den Kohlestandorten Voerde, Werne und Weisweiler eine Förderung einplanen.

Offenbar nicht zum Zuge kamen RWE-Vorhaben im bayerischen Gundremmingen und im hessischen Biblis, zwei ehemaligen Kernkraftstandorten. Insgesamt registrierte der Essener Konzern in den vergangenen Wochen 4,3 GW Gaskraftwerksvorhaben im Marktstammdatenregister. Bezuschlagt wurden nun rund 2,5 GW.

Stadtwerke Karlsruhe reüssieren mit Heizkraftwerk

Neben den beiden Platzhirschen konnte sich nur ein weiterer Anbieter über einen Zuschlag freuen: die Stadtwerke Karlsruhe. Sie hatten sich mit einem Gasmotorenkraftwerk mit einer Nettoleistung von insgesamt 53 MW beworben. Das Besondere dabei: Die Anlage soll auch Wärme erzeugen. Nach eigenen Angaben ist der Baubeginn für 2027 vorgesehen. Die Anlage soll bereits 2029 in Betrieb gehen.

"Gerade beim Umbau der Wärmeversorgung müssen Klimaschutz und Versorgungssicherheit verlässlich zusammengedacht werden", wurde Michael Homann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Karlsruhe, in einer Presseaussendung zitiert. "Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Menschen in Karlsruhe auch in längeren Phasen mit wenig Wind und Sonne zuverlässig mit Wärme versorgt werden. Das neue Kraftwerk übernimmt diese Absicherungsfunktion und erzeugt dabei gleichzeitig Strom und Wärme."

"Der erhaltene Zuschlag ist ein wichtiger Schritt für die sichere und zukunftsfähige Energieversorgung unserer Stadt", ergänzte Gabriele Luczak-Schwarz, Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Karlsruhe.

Nicht berücksichtigt wurde ein Vorhaben des Elektrizitätswerks Mittelbaden mit einer Gesamtleistung von 10 MW. Andere kommunale Unternehmen wie die Stadtwerke-Kooperation Trianel oder der Regionalversorger Enervie hatten an der ersten Runde nicht teilgenommen.

RWE bot wohl am oberen Rand

Insgesamt wurden laut Bundesnetzagentur 41 Gebote mit einem Gesamtvolumen von fast 12 GW reduzierter Leistung abgegeben. Die Regulierungsbehörde schloss sieben Gebote aus, da beispielsweise gesetzlich vorgeschriebene Angaben nicht gemacht oder erforderliche Nachweise nicht erbracht worden seien.

Die bezuschlagte Leistung von 5,2 GW liegt deutlich über den angestrebten 4,5 GW. Hintergrund ist, dass das letzte noch bezuschlagte Gebot deutlich über jene 4,5 GW hinausging. Mutmaßlich handelt es sich dabei um ein Großkraftwerksvorhaben von RWE.

Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag bei jährlich rund 155.000 Euro je reduzierter MW. Das war deutlich weniger als der gesetzlich festgeschriebene Höchstpreis von 244.000 Euro.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper