Auch weil der Netzausbau mit dem Solarausbau nicht Schritt hält, haben die Redispatch-Maßnahmen in den vergangenen Monaten zugenommen.

Auch weil der Netzausbau mit dem Solarausbau nicht Schritt hält, haben die Redispatch-Maßnahmen in den vergangenen Monaten zugenommen.

Bild: © Pia Bayer/dpa

Was für ein Juni dieses Jahr, als die Sonne über Deutschland strahlte und die Temperaturen gerade in der zweiten Hälfte auf deutlich mehr als 30 Grad Celsius kletterten. Für Verteilnetzbetreiber bedeutete das viel Stress. Denn an sonnigen Tagen speisen Solaranlagen tagsüber in der Regel kräftig ins Netz ein. 10,5 Terawattstunden (TWh) Solarstrom wurden im vergangenen Juni produziert – bislang ein Allzeithoch.

Die Kehrseite: Um die Netze nicht zu überlasten, mussten zugleich rund 0,5 TWh Solarstrom abgeregelt werden. Ein neuer Rekord, wie frische Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen. Schon im April und Mai war die Menge abgeregelter Solarenergie deutlich gestiegen.

Rückläufige Redispatch-Maßnahmen im Übertragungsnetz

Insgesamt wurden im zweiten Quartal Redispatch-Maßnahmen mit Erneuerbare-Energien-Anlagen im Umfang von knapp 3 TWh eingesetzt, wie die Bundesnetzagentur schreibt. Bemerkenswert dabei: 49 Prozent waren auf Engpässe im Verteilnetz zurückzuführen. Im Vorjahreszeitraum wurden 29 Prozent der Engpässe im Verteilnetz verursacht, im Vergleichszeitraum 2023 lediglich 23 Prozent.

Die Bundesbehörde nennt zwei mögliche Gründe für die Verschiebung: Erstens sind die Redispatch-Maßnahmen im Übertragungsnetz rückläufig. Vor allem Windkraftanlagen auf See mussten seltener abgeregelt werden. Hier zeigt der beschleunigte Netzausbau der vergangenen Monate Wirkung.

Vor allem Bayern im Redispatch-Stress

Gleichzeitig wurde im Verteilnetz kräftig Solarenergie zugebaut. So sehr, dass manche Stadtwerke bereits auf die Bremse drücken mussten. Der Verteilnetzbetreiber Fairnetz, eine Tochter der Stadtwerke Reutlingen (Baden-Württemberg), kündigte zum Beispiel im Sommer an, in Teilen seines Netzgebiets keine neuen Photovoltaik-Anlagen mehr zu genehmigen, sofern diese Strom ins Netz einspeisen möchten.

"Der anhaltende Zubau verstärkt die Einspeisung in den Verteilernetzen und führt dort zunehmend zu Engpässen", bilanziert auch die Bundesnetzagentur. "Dies weist darauf hin, dass der Ausbau der Verteilernetze mit dem kontinuierlich wachsenden Anteil der Solarstrom-Einspeisung noch nicht Schritt hält."

Mit Abstand am stärksten war Bayern im zweiten Quartal dieses Jahres von Abregelungsmaßnahmen betroffen. 55 Prozent aller Abregelungen wurden im Freistaat durchgeführt, schreibt die Bundesnetzagentur. Gegenüber dem Vorjahresquartal habe dies einem Anstieg um 90 Prozent entsprochen, gegenüber dem zweiten Quartal 2023 sogar um 247 Prozent. "Diese Entwicklung verläuft proportional zum starken Zuwachs bei den Abregelungen von Photovoltaik-Anlagen", schreibt die Behörde.

Solarspitzengesetz und Ausklingen des Solarbooms

Die Bundespolitik hat bereits reagiert. Im Frühjahr verschärfte sie im sogenannten Solarspitzengesetz für neue Photovoltaik-Anlagen die Bedingungen. Bis Ende 2026 muss die schwarz-rote Bundesregierung die Förderung erneuerbarer Energien zudem aus europarechtlichen Gründen anpassen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte bereits eine härtere Gangart an.

Auch der Boom auf dem Solarmarkt ist mittlerweile abgeebbt. "Die Goldgräberstimmung der letzten Jahre beim PV-Ausbau in Deutschland ist vorbei", sagte Frank Amend vom schweizerischen Energiekonzern Axpo.

Das heißt allerdings nicht, dass gar keine Solarenergie mehr zugebaut wird. In den ersten neun Monaten wurden allein in Bayern mehr als 3000 Megawatt (MW) Photovoltaik-Anlagen neu installiert. Auch hier lag der Freistaat weit vor den anderen Bundesländern.

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