Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben turnusmäßig den ersten Entwurf zum Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045 (NEP 2037/2045) veröffentlicht. Damit ist die Phase der öffentlichen Konsultation eingeläutet. Der aktuelle NEP ist aus dem Jahr 2023.
Bis zum 14. Januar 2026 können schriftliche Stellungnahmen eingereicht werden, die bei der Erstellung des zweiten Entwurfs berücksichtigt werden, wie es von den Übertragungsnetzbetreibern heißt. Der zweite Entwurf wird dann der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Prüfung vorgelegt. Was sich im Vergleich zur Version aus dem Jahr 2023 geändert hat, haben wir für Sie zusammengefasst.
Strombedarf nach unten korrigiert
Der Netzentwicklungsplan bildet verschiedene Szenarien ab. Eine Stellgröße in den verschiedenen Szenarien ist der prognostizierte Strombedarf. In Szenario A wird ein moderater Stromverbrauch zugrunde gelegt. Szenario B ist auf die Energie- und Klimaziele ausgerichtet und geht von einem schnelleren Zubau erneuerbarer Energien aus. Der Szenariorahmen wurde im April von der Bundesnetzagentur bestätigt.
Bedarfsprognosen im Vergleich zum Bruttostromverbrauch:
Szenario A:
- NEP 2023: zirka 895 Terawattstunden (TWh) für 2037, 1068 TWh für 2045
- NEP 2025: 845 bis 865 TWh für 2037, 948 bis 990 TWh für 2045
Szenario B:
- NEP 2023: zirka 1065 TWh für 2037, 1263 TWh für 2045
- NEP 2025: 1000 bis 1065 TWh für 2037, 1180 bis 1200 TWh für 2045
Der prognostizierte Strombedarf liegt im vorliegenden Entwurf im Szenario A für das Jahr 2037 rund drei Prozent unter dem NEP aus dem Jahr 2023. Für das Jahr 2045 wurde er um rund sieben Prozent nach unten korrigiert. Beim Szenario B bleibt er für das Jahr 2037 ähnlich. Für 2045 wurde der prognostizierte Strombedarf etwas über sechs Prozent nach unten korrigiert.
In ihrem Zehn-Punkte-Plan kündigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bereits an, dass sich die Ausbaupfade für die Netzinfrastruktur an realistischen Bedarfsszenarien orientieren sollen. Ihren Plan erstellte die Ministerin nach eigenen Angaben auf Grundlage des Energiewendemonitorings, das ihr Haus beauftragt hatte. Wiederholt sagte Reiche, dass sie davon überzeugt sei, dass der Strombedarf am unteren Ende der im Monitoring prognostizierten Bandbreite liegen wird.
Die Ersteller des Monitoringberichts stellen darin fest, dass die Szenarien des Netzentwicklungsplan (NEP) 2037/2045 (Version 2025) im Korridor des Stromverbrauchs liegen, im Bereich Elektrolyse und Rechenzentren jeweils 50 Terawattstunden über dem Korridor.
Ausbau der Hochspannungs-Gleichstrom-Trassen
Ministerin Reiche stellte in ihrem Punkteplan bereits in Aussicht, dass sich auch die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstrassen (HGÜ) einem realistischen Bedarf anpassen müssten. Der NEP 2037/2045 (2025) rückt nach Angabe der Ersteller das volkswirtschaftliche Optimum in den Mittelpunkt. "Im Vergleich zum vorherigen NEP 2037/2045 (2023) zeigt sich ein deutlich reduzierter Bedarf an Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs(HGÜ)-Verbindungen."
Die Verbindungen DC40, DC40plus und DC41 werden im aktuellen Entwurf nicht mehr als notwendig betrachtet und werden somit gestrichen. Im NEP aus dem Jahr 2023 wurden alle drei Projekte noch als notwendig erachtet und das über alle untersuchten Szenarien hinweg, wie es in dem Dokument der Bundesnetzagentur heißt. Zusätzlich wurden fünf weitere HGÜ-Projekte (DC4X) im NEP 2023 identifiziert: drei Fernleitungen (Ost-West-Link, Nord-West-Link, Sued-West-Link) mit einer Gesamtlänge von etwa 2800 Kilometern und zwei Multiterminal-Hubs. Diese kosten rund 30 Milliarden Euro. Im aktuellen Entwurf werden diese nicht in den Bundesbedarfsplan aufgenommen – ihre Notwendigkeit wird angesichts der niedrigeren Strombedarfsprognosen derzeit wohl infrage gestellt.
- DC40: HGÜ-Verbindung von Niedersachsen nach Sachsen
- DC41: HGÜ-Verbindung von Niedersachsen nach Baden-Württemberg
- DC42: HGÜ-Verbindung von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern
Das Projekt DC42 und seine Erweiterung DC42plus sind im aktuellen Entwurf als Freileitungen einbezogen worden. Im vorherigen NEP lag der Fokus hier noch mehr auf Erdleitungen. Als Grund geben die Ersteller den Koalitionsvertrag und das Energiewendemonitoring an.
Zeitliche Entzerrung
Die Übertragungsnetzbetreiber sehen in dem neuen Entwurf eine Möglichkeit zur zeitlichen Entzerrung der Bauvorhaben. Demnach sind einige Vorhaben erst 2045 notwendig und nicht bereits 2037. Die Maßnahmen sollen bis 2045 gestaffelt erfolgen, heißt es von den Erstellern.
Insgesamt erhöht sich der Gesamtumfang von 6900 Kilometern auf 10.000 Kilometer im Startnetz. 5300 Kilometer entfallen dabei auf Maßnahmen im DC-Bereich und 4700 auf Maßnahmen im AC-Bereich, heißt es in der Zusammenfassung des Dokumentes. Unter das Startnetz fallen neben dem bestehenden Netz auch Maßnahmen, die sich noch in der Umsetzung befinden.
Batteriespeicher
Im aktuellen Entwurf wurden im Offshore-Bereich erstmals Optimierungsmaßnahmen vorgenommen. Konkret wurde der Fokus von der installierten Leistung auf den tatsächlichen Energieertrag gelenkt. Im Vergleich zum NEP (2023) könnten so je nach Szenario vier bis sieben Offshore-Netzanbindungssysteme eingespart werden. "Ein wichtiger Schritt für mehr Effizienz und geringere Kosten beim Offshore-Netzausbau", heißt es von den Übertragungsnetzbetreibern.
Die Ersteller gehen von einer deutlichen Steigerung der Gesamtleistung der Großbatteriespeicher aus. Zwischen den Jahren 2037 und 2045 wird diese zwischen 41 und 94 Gigawatt liegen, heißt es in dem Entwurf. "Eine deutliche Steigerung gegenüber den Annahmen des NEP 2037/2045 (2023)." Zudem gehen die Ersteller davon aus, dass "die Bedeutung von Kleinbatteriespeichern sowie flexiblen Verbrauchern erheblich zunehmen" wird.
Gesamtinvestitionen
Die Kosten für Netzausbauvorhaben seien im Vergleich zu früheren Annahmen erheblich gestiegen. Grund dafür sind laut den Übertragungsnetzbetreibern Marktverknappungen bei technischen Komponenten und Dienstleistungen. "Der neue NEP zielt stärker darauf ab, ein Optimum aus Investitionskosten und verbleibendem Bedarf an Engpassmanagement unter Wahrung der Netzsicherheit zu finden – ein wichtiger Hebel, um volkswirtschaftliche Effizienzen zu heben."
Je nach Szenario werden zwischen 360 und 390 Milliarden Euro an Gesamtinvestitionen bis zum Jahr 2045 anfallen. Im Szenario A könnten knapp 80 Milliarden Euro eingespart werden. Das sei das Ergebnis der Optimierungen im aktuellen Entwurf, heißt es von den Betreibern.



