Gestiegene Großhandelspreise dürften Gas und Strom in den nächsten Monaten eher teurer als billiger machen.

Gestiegene Großhandelspreise dürften Gas und Strom in den nächsten Monaten eher teurer als billiger machen.

Bild: © Nikola Johnny Mirkovic/Unsplash

Der Energiekonzern Vattenfall will das EU-Strommarktdesign investitionsfreundlicher gestalten. "Die Energiekrise werden wir langfristig nur mit Investitionen überwinden", erklärte der Leiter der Vattenfall-Handelssparte Frank van Doorn. Der EU-Strommarkt müsse entsprechend weiterentwickelt werden. "So sichern wir Klimaschutz und Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Strompreisen", erklärte van Doorn mit Blick auf die Ankündigung der EU-Kommission, Mitte März einen Gesetzentwurf zur EU-Strommarktreform vorzulegen.

Unter anderem sollten sich die EU-Reformvorschläge weniger auf Energiepreise denn auf Investitionen konzentrieren. Staatliche Obergrenzen bei Energiepreisen oder Erlösen von Stromerzeugern beeinträchtigten die freie Preisbildung und sorgten für Unsicherheit.

Preisspitzen zulassen

"Je größer der Anteil fossilfreien Stroms im Netz, desto dringlicher wird es, auch die Abnahme dieses Stroms aufseiten der Unternehmen und Konsumenten flexibler auf das jeweils vorhandene Stromangebot abzustimmen", erklärte van Doorn. Praktisch könne dies bedeuten, dass die Industrie ihre Produktion stärker auf das vorhandene Stromangebot abstimmt oder Verbraucher E-Autos dann laden, wenn die allgemeine Stromnachfrage gering und die erneuerbare Erzeugung hoch sei.

Doch auch auf Seiten der Energieerzeuger sollte die Herausforderung eines immer volatiler werdenden Stromangebots adressiert und abgefedert werden – etwa durch die Bereitstellung von Speicherlösungen wie Pumpspeicherkraftwerke. "Diese finanzieren sich erst über die kurzfristigen Preisschwankungen am Strommarkt", erklärt van Doorn. "Deshalb ist es auch in dieser Hinsicht so wichtig, dass Preisspitzen im
Strommarkt zugelassen und nicht künstlich gedrückt werden."

Vielfalt an Instrumenten

Aus Sicht von Vattenfall ist es für die Integration erneuerbarer Energie in das künftige Strommarktdesign am effektivsten, wenn die Erzeuger frei über die Vermarktungsinstrumente verfügen können, etwa, indem sie ihren Strom zu an den Strombörsen verkaufen, Termingeschäfte oder Langfristverträge (PPAs) mit industriellen Abnehmern schließen, oder aber an staatlichen Ausschreibungen – sogenannten Differenzverträgen oder Contracts for Difference (CfDs) – teilnehmen.

"Jedes der Stromvermarktungsinstrumente hat für Energieerzeuger unterschiedliche Vor- und Nachteile – in Summe jedoch die Eigenschaft, Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken und Marktrisiken optimal auszubalancieren", so van Doorn weiter. "Davon profitieren am Ende auch Kunden in Form wettbewerbsfähiger Preise."

Staatliche Bürgschaften

Richtig konzipiert, könnten etwa staatliche Differenzverträge für kalkulierbare Einnahmen sorgen, andererseits jedoch Innnovationen hemmen. Langfristverträge hingegen seien oft mit erheblichen Kreditausfallrisiken verbunden.

"In diesem Fall könnte der Staat mit Kreditbürgschaften dafür sorgen, dass Verträge über direkte Energielieferungen attraktiver werden", so van Doorn.

(jk mit dpa)

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