Im Dänischen Technologischen Institut in Taastrup wird an einer Carbon-Capture-Anlage geforscht.

Im Dänischen Technologischen Institut in Taastrup wird an einer Carbon-Capture-Anlage geforscht.

Bild: © Julian Korb

Dänemark arbeitet mit Hochdruck daran, eigene Lagerstätten für CO2 aufzubauen. In unterirdischen Reservoirs könnten dänische, aber auch andere europäische Unternehmen dann überschüssiges Kohlendioxid einlagern.

"Unser Ziel ist es, einen funktionierenden Markt für CCS aufzubauen", sagte Anders Hoffmann, stellvertretender ständiger Sekretär im dänischen Energie- und Klimaministerium, vor einer Delegation aus Deutschland. Neben der Speicherung auf See (Offshore) soll es auch sogenannte Onshore-Speicher an Land geben. Erste Lizenzen hat das Ministerium hierfür bereits erteilt.

Geographische Bedingungen

Bei den deutschen Wirtschafts- und Ministeriumsvertretern stießt Hoffmann mit seiner Vision auf offene Ohren. "Wir brauchen CCS und CCU, um unsere Klimaziele zu erreichen", sagte Beate Baron, Leiterin der Unterabteilung Dekarbonisierung im deutschen Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK). Das Bundeskabinett hatte erst im Mai die Eckpunkte für eine Carbon-Management-Strategie beschlossen.

Mittlerweile treibt die Bundesregierung den Ausbau der Technologie in Deutschland auch entschlossen voran. Das Potenzial für Offshore-Speicher ist aber aufgrund von geographischen Bedingungen geringer als in der dänischen Nordsee. Denn es braucht dafür spezielle Sandsteinformationen, die in sogenannten Schlammsteinen eingeschlossen sind. Diese fehlen etwa in der Ostsee. Zudem soll es Onshore-Speicher in Deutschland nur mit Zustimmung der betroffenen Bundesländer geben.

Unvermeidbare Emissionen

Mit CCS (Carbon Capture and Storage) ist die Abscheidung und Speicherung des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid gemeint. Anwendungsbeispiele dafür gibt es etwa in der Zementindustrie oder in der thermischen Behandlung von Klärschlamm und anderen Reststoffen. Die dänische Regierung will die Technologie vor allem bei "nicht vermeidbaren Emissionen" einsetzen.

Im Gespräch ist allerdings auch CCU (Carbon Capture and Utilization), also die Weiterverwendung des abgeschiedenen CO2 in chemischen Prozessen ‒ etwa zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels). CCU ist aufgrund des hohen Energiebedarfs umstritten, gehört aber nach derzeitigem Stand sowohl zur Strategie der dänischen Regierung als auch der Bundesregierung in Deutschland.

Kehrtwende in der Politik

Dabei war lange nicht absehbar, dass es dazu kommt. Wie auch Deutschland stand Dänemark CCS und CCU lange skeptisch gegenüber. Erst 2011 hatte die Regierung CCS und CCU noch gesetzlich verboten. Dem waren Proteste in der Bevölkerung vorangegangen.

Seit 2020 vollzieht das skandinavische Land nun jedoch eine Kehrtwende. Dabei half wohl auch das gesteigerte Bewusstsein für die Energiewende inmitten der Energiekrise. Das neue, ehrgeizige Ziel: Ab 2030 will Dänemark bis zu 13 Mio. Tonnen jährlich einlagern. Und zwar die landeseigenen Emissionen genauso wie die der europäischen Partner.

Speicherung ab 2026

Mittlerweile läuft ein erstes Testprojekt auf See. Der Energiekonzern Wintershall Dea hat 2023 mit dem Projekt Greensand eine erste CO2-Speicherstätte in der dänischen Nordsee aufgebaut. Damit gehen aufwendige seismische Datenerhebungen und Probebohrungen einher. Voraussichtlich ab 2026 will Wintershall dann 1,5 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr unter die Erde bringen.

Und auch bei der Abscheidung gibt es Fortschritte. Der dänische Energiekonzern Ørsted errichtet derzeit zwei CCS-Anlagen an zwei Biomasse-Kraftwerken. Ab Anfang 2026 will das Unternehmen jährlich 430.000 Tonnen biogenes CO2 absondern. Das Besondere: Wird CO2 aus Biogas abgeschieden, kann dies darüber hinaus sogar schädliches Klimagas aus der Atmosphäre entfernen.

Kosten für CO2-Zertifikate

Offen ist bislang noch, ob und wann die Technologie wirtschaftlich wird. Vereinfacht gesagt lohnt sich CCS dann, wenn die Kosten niedriger sind als der Erwerb von CO2-Zertifikaten. In Deutschland hat die Bundesregierung deren Preis für 2024 auf 45 Euro pro Tonne festgesetzt. Er soll aber schrittweise steigen. Ab 2027 kommt zudem ein neuer, EU-weiter Emissionshandel hinzu. Die Tendenz geht also nach oben.

Die Kosten von CCS liegen allerdings, je nach Schätzung, noch deutlich jenseits 100 Euro pro Tonne. Neben der Abscheidung und der Einspeicherung stellt auch der Transport einen Kostenfaktor dar. Dieser erfolgt derzeit noch häufig über teure LKW-Lieferungen. Geplant ist deshalb auch eine Pipeline aus Deutschland, um große Mengen an CO2 kostengünstiger zu befördern.

Pipeline aus Deutschland

Martin Rune Pedersen, Dänemark-Chef beim Öl- und Gasriesen Total Energies, nannte diesen Zeitplan "ambitioniert". Gleichzeitig herrscht jedoch Zeitdruck. Der Manager wies darauf hin, dass es auch aus anderen europäischen Ländern, etwa Polen, großes Interesse an der CO2-Speicherung in Dänemark gebe und dass die Kapazitäten begrenzt seien.

Zu hören war, dass sich mehrere deutsche Unternehmen in der Zementindustrie dazu bereits in Gesprächen befinden. Die Zementindustrie gilt als einer der Branchen, die ohne CCS kaum ihre Emissionen reduzieren könnten. CCS an fossilen Kraftwerken, wie in Deutschland diskutiert, lehnt Dänemark derweil ab. Zu groß ist die Sorge, die Betriebslaufzeit von Gas- und Kohlekraftwerken auf diese Weise weiter zu verlängern. (jk)

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