Wie geht eigentlich Frankreich die Wärmewende an? Zumindest weniger hitzig als zuletzt Deutschland, möchte man meinen. Jedenfalls nimmt die Wärmewendedebatte bei weitem nicht den Raum ein, den das Heizungsgesetz hierzulande bekam. Nun aber äußerte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem halbstündigen Interview mit den zwei der größten Sender des Landes zu seinen Plänen.
Vorneweg: Auch Frankreichs Wohnungen werden überwiegend mit Gas beheizt. Nach Angaben des Energiewende-Ministeriums waren es im Jahr 2018 noch 41 Prozent, die den fossilen Brennstoff nutzten – ein Wert, der sich seitdem nicht groß veränderte.
Elektroheizungen auf Platz zwei
Mit 37 Prozent folgten elektrisch betriebene Heizungen, darunter auch Wärmepumpen, auf Platz zwei – Tendenz seitdem steigend.
Heizöl setzten lediglich zehn Prozent ein – Tendenz hier rückläufig.
Kein generelles Gasheizungsverbot
Neue Heizkessel sollen künftig gar nicht mehr eingebaut werden, sagte Macron nun, dessen Partei Renaissance in Europa der liberalen Parteienfamilie Renew Europe angehört. Daraus werde Frankreich aussteigen.
Neue Gaskessel in Bestandsgebäuden dagegen will der Präsident offenbar fürs Erste nicht verbieten. "Wir können unsere Mitbürger, die insbesondere auf dem Land leben, nicht ohne Lösung lassen", sagte er.
Macron preist Wärmepumpen
Tatsächlich ist der Einbau von Gasheizungen in einzeln stehenden Neubauten bereits seit 2022 verboten. 2025 gilt dies auch für Neubauwohnungen. Unklar war dagegen bis zuletzt, wie die Regierung mit Gaskesseln im Bestand umgehen würde.
Als "intelligente", "energiesparende" und treibhausgassenkende Zukunftstechnologie pries Macron hingegen einmal mehr Wärmepumpen. Er kündigte an, die heimische Produktion dieser Heizungsart zu verdreifachen. Am Montag wurde die Regierung konkreter. Bis 2027 soll eine Million neue Wärmepumpen jährlich im deutschen Nachbarland hergestellt werden.
Wasserstoff ausgelassen
Nach Ministeriumsangaben heizten im Jahr 2021 rund 2,3 Millionen französische Haushalte mit Wärmepumpen. Im Folgejahr wurden weitere 460.000 Wärmepumpen verkauft, wie Zahlen des europäischen Wärmepumpen-Verbands Ehpa zeigen. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Keine Erwähnung fand übrigens die Option Wasserstoff in Macrons Vortrag. Inwiefern das Gas in Deutschlands Haushalten eine Alternative zu Wärmepumpen sein kann, ist auch in Deutschland umstritten.
Kohleausstieg bis 2027
Neuigkeiten hatte Macron überdies zu den beiden noch laufenden französischen Kohlekraftwerken in Cordemais im Westen Frankreichs und Saint-Avold nahe der deutschen Grenze. Diese sollen bis 2027 durch Biomasse befeuert werden. Damit würde Frankreich pünktlich zum Ende von Macrons zweiter Amtszeit als Präsident aus der Kohle aussteigen.
Kritisch äußerte sich prompt die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Sie erinnerte daran, dass der Präsident einst versprochen hatte, noch vor dem Jahr 2022 die Kohleverstromung zu beenden. Aus ihrer Sicht hätte Frankreich schon vor Jahren aussteigen müssen. (aba)



