Norwegen nutzt blauen und grünen Wasserstoff und will diesen auch exportieren.

Norwegen nutzt blauen und grünen Wasserstoff und will diesen auch exportieren.

Bild: © Innovation Norway

"Wir wollen die Jugend nicht verlieren", betonte der schwedische Botschafter Per Thöresson bei der Nordischen Klimarunde in den Nordischen Botschaften am Donnerstag in Berlin. Es müsse darum gehen, der jungen Generation durch entschiedenes und konkretes Handeln Mut zu machen, dass die Klimakrise bewältigt werden kann.

Hierbei sei es auch sehr wichtig, dass man Kinder und Jugendliche schon sehr frühzeitig für den Klimaschutz sensibilisiere und damit schon im Kindergarten beginne, sagte Anne Sipiläinen, Botschafterin von Finnland. Als einen zentralen Ansatz für einen erfolgreichen Klimaschutz in Finnland sieht sie das Vorantreiben einer Kreislaufwirtschaft und der Ressourcenschonung sowie eine "Wirtschaft des Teilens", sprich, den Sharing-Gedanken. Man müsse nicht alles selbst besitzen, sondern auch Geräte und Fahrzeuge teilen oder Textilien wiederverwenden. Hierbei eröffneten sich auch viele neue Geschäftsmodelle, so Sipiläinen.

Praktisches Zeichen mit "Klimaposten" – Chance auch für die Industrie

Mit neu geschaffenen "Klimaposten" in seinen weltweiten Botschaften möchte Dänemark ein praktisches Zeichen setzen, wie Botschafterin Susanne Hyldelund berichtete. Hierbei gehe es zum einen darum, Klimaschutzmaßnahmen wie nachhaltiges Essen oder energieeffiziente Technik einzusetzen und auch die zuständigen dänischen Ministerien mit entsprechenden Informationen zu versorgen, damit sie sich noch besser für Klimaschutz einsetzen könnten.

Ausdrücklich unterstrich Sipiläinen, wie auch die anderen nordischen Botschafterinnen und Botschafter, die Chancen des Klimaschutzes für die Industrie. Die Ziele und klimapolitischen Regularien in Finnland seien gemeinsam mit der Industrie entwickelt worden. Doch sei es eine strikte staatliche Regulierung, die jedoch langfristig angelegt sein müsse, auch im Sinne der Industrie, sagte Thöresson.

Hohe Klimaambitionen und Handlungsdruck

Insgesamt gehen die nordischen Länder mit ihren Klimaschutzzielen und -ambitionen meist über den Green Deal der EU hinaus. So möchte Norwegen schon bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein, wie Botschafter Petter Øl­berg berichtete. Er sieht ebenso wie seine nordischen Kolleginnen und Kollegen enormen Handlungsdruck, sei doch die Durchschnittstemperatur in Spitzbergen im vergangenen Winter schon um 3,3 Grad Celsius angestiegen. Finnland möchte bis zum Jahr 2035 Klimaneutralität erreicht haben und danach klimanegativ sein. Botschafterin Sipiläinen verwies auch auf die vielfältigen negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Biodiversität.

Als wichtige beispielhafte klimapolitische Ansätze und Maßnahmen nannte die dänische Botschafterin die Errichtung von zwei Energieinseln in der Nord- und Ostsee mit Offshore-Windparks mit einer Leistung von bis zu 12 Gigawatt, die u.a. grünen Wasserstoff produzieren und nach Deutschland exportieren sollen.

Preise von 130 Euo pro Tonne CO2 in Schweden

Island setzt in seinem aktuellen – ausschließlich erneuerbaren – Energiemix neben der Wasserkraft (70 Prozent) stark auf Geothermie (30 Prozent), wie Botschafterin María Erla Marelsdóttir berichtete. Ab 2030 sind neue Verbrenner tabu. Daneben treibt der nordische Inselstaat im Carbfix-Projekt die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von CO2 im Gestein des Erdbodens als chemisch stabile Mineralien voran. Ähnliche Carbon-Capture-and-Storage(CCS)-Vorhaben fördert Norwegen im großen Stil.

Als Anreiz zur CO2-Vermeidung setzen Norwegen und Schweden schon seit Jahren auf eine hohe CO2-Bepreisung. In Schweden liegen die CO2-Preise derzeit schon bei 130 Euro pro Tonne. Zum sozialen Ausgleich gibt es – wie auch in Norwegen – finanzielle Kompensationsregelungen. Als bahnbrechend sieht der schwedische Botschafter Thöresson auch die jüngste Inbetriebnahme einer Mine in Nordschweden für die Herstellung von CO2-freiem Stahl.

Breite Verankerung der E-Mobilität

Breit verankert ist in allen nordischen Ländern zudem die E-Mobilität. An der Spitze liegt hierbei Norwegen mit einem über 50-prozentigen Anteil von rein batterieelektrischen Neuwagen. In Schweden sind aktuell 54 Prozent aller neu zugelassenen Autos rein elektrisch oder mit Hybridantrieb. Ab 2025 wollen schwedische Autobauer aus den Verbrennern aussteigen, berichtete Thöresson.

Und wie sieht es mit der Atomkraftnutzung aus? Thöresson zeigte sich hier skeptisch und verwies auf die sehr hohen Kosten. Die bestehenden Atomkraftwerke in Schweden würden zwar vorerst weiterbetrieben, doch aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit habe der Betreiber Vattenfall kein Interesse an Neuinvestitionen.

Skeptische Einschätzung der Atomkraft aufgrund der hohen Kosten

Auch die finnische Botschafterin Sipiläinen äußerte sich zurückhaltend. Sie verwies ebenfalls darauf, dass Kernkraft sehr teuer sei. Beim fünften AKW in Finnland, das in Bälde fertiggestellt werden soll, sei es deshalb zu Bauverzögerungen von mehr als zehn Jahren gekommen; weiterdiskutiert wurde dieser Aspekt bei dem einstündigen Panel unter der Leitung von Julia-Niharika Sen, Moderatorin der ARD-Tagesschau, allerdings nicht.

Unisono gaben sich die nordischen Botschafterinnen und Botschafter optimistisch, dass die Pariser Klimaziele auch weltweit erreicht werden können. Hierbei wolle man als kleine Länder mit gutem Beispiel vorangehen und auch entsprechendes Know-how anbieten. Allerdings müsse den Entwicklungsländern bei der Finanzierung für klimaneutrales Wirtschaften unter die Arme gegriffen werden, betonte die dänische Botschafterin Hyldelund.

Enge Kooperation als Erfolgsfaktor

Ein zentraler Erfolgsfaktor für mehr Klimaschutz sei eine enge internationale, europäische und regionale Zusammenarbeit, so auch in der Strombörse Nordpool, lautete eine weitere Botschaft der Nordischen Klimarunde. (hcn)

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