Schon lange in Brüssel tätig: Klaus-Dieter Borchardt ist stellv. Generaldirektor der EU-Kommission und Koordinator der Energiepolitik.

Schon lange in Brüssel tätig: Klaus-Dieter Borchardt ist stellv. Generaldirektor der EU-Kommission und Koordinator der Energiepolitik.

Bild: © Europäische Kommission

"Wir werden Vorschläge zur Entwicklung erneuerbarer und dekarbonisierter Gase vorbereiten, die vor allem ab 2030 Erdgas nach und nach ersetzen werden", sagte Borchardt der ZfK auf die Frage, ob die nächste EU-Kommission vor allem eine neue Gas-Strategie in den Blick nehmen muss. Gleichzeitig arbeite Brüssel an einem regulatorischen Rahmen für die Sektorenkoppelung, also die Verbindung von Strom- und Gassektor.

"Dabei spielt auch Power-to-Gas eine wichtige Rolle, womit aus erneuerbaren Quellen Wasserstoff produziert wird. Wasserstoff wird eine zunehmend wichtige Rolle spielen, aber nicht notwendigerweise in allen Mitgliedstaaten in gleichem Maße. Das Potenzial für Wasserstoff ist groß sowohl im Hinblick auf seinen Einsatz in industriellen Prozessen, insbesondere in der Stahl-, Zement- und chemischen Industrie, als auch für den Balancing Markt und zur Speicherung direkt in Wasserstoffspeichern oder indirekt durch Beimischung zum Erdgas in den Pipelines", erklärte der stellvertretende Generaldirektor der EU-Kommission und Koordinator für Energiepolitik der ZfK.

Negative Auswirkungen in Form von Ringflüssen

Kritik übte Borchardt am Stand des Netzausbaus in Deutschland, äußerte sich zu dem Drohszenario einer Teilung in zwei Strompreiszonen jedoch zurückhaltend. "In der Tat ist der schleppende Netzausbau in Deutschland schlecht für den Energiebinnenmarkt, da dies negative Auswirkungen in Form von Ringflüssen in den Nachbarstaaten hat", erklärte Borchardt. Die Trennung einer Strompreiszone sei nicht automatisch, sondern folge einem genau festgelegten Verfahren. "Nach den jüngst beschlossenen Regeln liegt die Entscheidung einer Trennung der Preiszone zunächst beim Mitgliedstaat, der anstelle der Aufspaltung auch einen Aktionsplan zur Beseitigung der Engpässe durch Netzausbau vorlegen kann", so Borchardt.

Die derzeit von der Bundesregierung vorangetriebenen Pläne für den deutschen Kohleausstieg beurteilt Borchardt grundsätzlich positiv. "Auswirkungen auf den europäischen Strommarkt erwarte ich nicht, Deutschland wird vielleicht mehr Strom aus den Nachbarländern importieren müssen, was aber nicht schlecht ist. Für die deutsche und europäische Energiewende wäre der deutsche Kohleausstieg aber sehr positiv."

"Projekte sollten vereinen und nicht spalten"

Auch bezüglich der europäischen und deutschen Energiepolitik der vergangenen Jahre zieht er eine positive Bilanz. "Deutschland hat 2017 eine große Strommarktreform durchgeführt, die in ihren Grundzügen bereits unsere Reform zum Strommarktdesign vorweggenommen hat, die ihrerseits von allen Seiten als großer Erfolg angesehen wird. Deshalb fällt mein Fazit insgesamt sehr positiv aus", betonte Borchardt im ZfK-Gespräch.

Optimismus verbreitet der Brüsseler Spitzenbeamte auch mit Blick auf den EU-internen Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2. "Solche Projekte sollten vereinen und nicht spalten. Mit den jüngsten Klarstellungen in der Gas-Richtlinie sollte jetzt eine Grundlage bestehen, den Streit über diese Pipeline beizulegen." (hil)  

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