Auf den Social-Media-Kanälen und der Website der Stadtwerke Bochum sind unter dem Slogan "Thank Job it's Monday" mittlerweile drei Videos im Mockumentary-Stil online. Die Kampagne wurde mit Unterstützung von TAS Emotional Marketing aus Essen entwickelt und soll auf humorvolle Weise die Vorteile einer Ausbildung und Beschäftigung bei den Stadtwerken aufzeigen.
Im Interview erklärt Personalleiterin Nicole Misterek, warum mit der neuen Offensive vor allem junge, innovationsfreudige Menschen angesprochen werden sollen. Dass man nicht davon ausgehen kann, dass jeder Jugendliche die Vorzüge der Stadtwerke kennt, erklärt Patrick Kiehl, Industriekaufmann im zweiten Lehrjahr, der seine Ausbildung mit einem Studium in Management & Digitalisierung kombiniert.
Herr Kiehl, welche Rolle spielen Sie in der Serie?
Kiehl: Ich spiele einen Auszubildenden, der keinen Namen hat – das führt immer wieder zu skurrilen Verwechslungen. Mein Name wird bis zum Ende nie erwähnt, was für einige humorvolle Momente sorgt.
In der Ankündigung heißt es, die Serie beruhe auf "fast wahren Begebenheiten". Erkennen Sie sich darin wirklich wieder?
Kiehl, (lacht): Ja, absolut! Zwar ist die Handlung humorvoll überspitzt, aber die gute Atmosphäre im Büro wird schon sehr authentisch eingefangen.
Frau Misterek, was genau ist das Besondere an dieser Mockumentary?
Misterek: Eine Mockumentary ist eine Serie, die den Stil einer Dokumentation nachahmt, allerdings mit einem humoristischen Ansatz. Die bekannteste hierzulande ist wohl "Die Discounter", die inzwischen in der vierten Staffel läuft. Wir zeigen bei uns echte Arbeitsbereiche wie die Ausbildungswerkstatt oder unsere Kantine.
Für die Besetzung haben wir sowohl professionelle Schauspieler:innen als auch Kolleg:innen aus dem Unternehmen ausgewählt. Im Nachhinein denke ich sogar, dass unsere eigenen Leute so talentiert sind, dass man die Schauspieler:innen fast hätte weglassen können.
Woher kamen die Ideen für die Inhalte?
Misterek: Die Ideen stammen aus einem Workshop, den wir mit Kicki Fremmer von der Marketingagentur TAS und dem Drehbuchautor, Fabian Dargatz von Corn+butter, durchgeführt haben. Dabei haben wir gemeinsam Anekdoten gesammelt, die wir selbst erlebt haben. Das sorgt dafür, dass die Handlung sehr nah an der Realität bleibt.
Zum Beispiel gibt es eine Folge, in der ein Kunde ohne ein wirkliches Stromanliegen anruft und vor allem private Geschichten erzählt – inklusive der Idee, sein Enkelkind bei uns unterzubringen. Das sind oft tatsächlich Erlebnisse aus unserem Arbeitsalltag.
Und woher der Titel "Thank Job it’s Monday"?
Misterek: Mit diesem Namen wollen wir vermitteln, dass Montage bei den Stadtwerken Bochum durchaus positive Seiten haben können – zum Beispiel das Treffen mit Kolleg:innen und inspirierende Begegnungen. Ich persönlich freue mich zum Beispiel nach einem Wochenende immer darauf, mein Team wiederzusehen.
Und natürlich spielt der Titel darauf an, dass jeden Montag eine neue Folge erscheint.
Die Kameraführung erinnert an "Stromberg", die Serie, in der über Jahre ein Büroalltag nachgestellt wurde.
Misterek: Genau, das ist der gleiche Stil. Möglichst wenig Filmschnitte, und der Originalton wird direkt genutzt.
Stromberg war allerdings oft in einer Opferrolle.
Misterek: Das war tatsächlich eine Herausforderung. Bei uns gibt es keine "Opfer", über die man lacht – stattdessen wollen wir humorvoll sein und gleichzeitig wichtige Themen vermitteln. Während man bei "Die Discounter" manchmal denkt, dort würde man niemals einkaufen wollen, zeigt unsere Serie ein anderes Bild: Sie präsentiert uns authentisch und nahbar, ohne negativ zu wirken.
Gab es anfangs Vorbehalte bei den Mitarbeitenden?
Misterek: Überhaupt nicht. Wir haben einen Aufruf für Statisten gestartet und hatten sofort viele Interessierte. Einige Szenen wurden sogar während des laufenden Kantinenbetriebs gedreht. Das hat niemanden abgeschreckt – im Gegenteil, die Kantine war besonders voll, und alle freuten sich, eventuell im Hintergrund zu sehen zu sein.
Das zeigt mir, dass unsere Mitarbeitenden stolz darauf sind, bei den Stadtwerken zu arbeiten und das nach außen zeigen möchten. Und das durch alle Altersklassen hindurch – auch die Älteren haben wir begeistern können.
Kiehl: Ich würde sofort wieder mitmachen! So kann ich sogar mein schauspielerisches Talent weiterentwickeln.
Wie sind die Rückmeldungen von außerhalb des Unternehmens?
Misterek: Die Klickzahlen auf unseren Social-Media-Kanälen sind hervorragend, und die positiven Kommentare überwiegen deutlich. Da es vor allem um Recruiting geht, freut uns die Aufmerksamkeit besonders. Wir erhalten viele Likes, unsere Beiträge werden häufig geteilt, und wir gewinnen stetig neue Follower.
Jede Folge endet mit einem "Call to Action", etwa mit dem Hinweis auf einem Plakat: "Jetzt bewerben!" Ich warte jetzt nur noch auf das erste Bewerbungsgespräch, bei dem jemand sagt: "Ich habe mich wegen der Kampagne beworben!"
Warum glauben Sie, dass eine Mockumentary für das Recruiting geeignet ist?
Misterek: Wir haben lange über unsere Arbeitgebermarke nachgedacht und überlegt, was uns von anderen Energieversorgern unterscheidet. "Gute Stimmung" ist ein klares Plus bei uns – aber wie bringt man das auf ein Plakat? Das war fast unmöglich und wirkte so austauschbar. Dann brachte unsere Agentur die Idee der Mockumentary, und von den Auszubildenden bis zur Geschäftsleitung waren alle begeistert.
Für die Transformation unseres Unternehmens brauchen wir junge kreative Köpfe, und diese Art von Projekt zeigt genau, was wir suchen.
Herr Kiehl, wie wurde die Kampagne in Ihrem privaten Umfeld aufgenommen?
Kiehl: Die Plakate überall in Bochum haben schon im Vorfeld für Neugier gesorgt. Als die Folgen erschienen, kamen sie super an – alle haben herzlich gelacht. Das Feedback war durchweg positiv.
Wie attraktiv sind die Stadtwerke für Ihre Freunde als potenzielle Arbeitgeber?
Kiehl: Als ich mich beworben habe, bekam ich oft zu hören, dass die Stadtwerke doch ein "Beamtenimage" hätten. Da musste ich erstmal Aufklärungsarbeit leisten, dass das längst überholt ist. Mittlerweile wissen viele Bekannte, was die Stadtwerke bieten.
Als Auszubildender bekomme ich viele Boni, und sogar ein Studium kann komplett oder teilweise bezahlt werden. Die Weiterbildungsangebote sind enorm, wir organisieren gemeinsame Fahrten, und es gibt eine starke Interessenvertretung. Die Übernahmechancen sind ebenfalls sehr gut. Im Vergleich mit Betrieben von Freunden merkt man: Die Stadtwerke tun wirklich viel für ihre Azubis.
Misterek: Auch wir spüren den Fachkräftemangel und müssen uns immer mehr anstrengen, um gute Leute zu gewinnen. Früher war das ein Selbstläufer. Gerade in den technischen Berufen spüren wir heute eine starke Konkurrenz. Deshalb haben wir vor zwei Jahren in eine neue Ausbildungswerkstatt investiert, um die Qualität weiter zu steigern.
Auch Bürokratie gibt es bei uns nur noch wenig, und unsere Entscheidungswege sind kurz, auch im Vergleich zu anderen Energieversorgern. Junge Menschen wollen heute noch stärker Sinn in ihrer Arbeit sehen. An der Energiewende kann bei uns jeder mitwirken – ob bei Elektromobilität, dezentraler Wärmeerzeugung oder innovativen Projekten wie Geothermie.
Ließen sich die Dreharbeiten gut in den Arbeitsalltag integrieren?
Misterek: Absolut. Die Folgen sind ja sehr kurz, und wir haben an zwei Tagen fast eine ganze Staffel abgedreht.
Und wie geht es jetzt weiter?
Misterek: Die zweite Staffel ist bereits im Kasten. Mal sehen, ob es danach noch eine dritte geben wird. Auf jeden Fall bin ich stolz, dass wir so mutig waren.
Kiehl: Ich hoffe doch sehr, dass es irgendwie weitergeht!
Das Interview führte Boris Schlizio
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