Interessierte haben bereits 10.000 Euro aus dem ersten Fördertopf des Crowdfundings der Stadtwerke Jena nachgefragt. (Symbolbild)

Interessierte haben bereits 10.000 Euro aus dem ersten Fördertopf des Crowdfundings der Stadtwerke Jena nachgefragt. (Symbolbild)

Bild: © thithawat/AdobeStock

Im Zeichen der Energiekrise stehen die Stadtwerke vor fundamentalen Veränderungen, sagte Anton Berger, Leiter Geschäftsbereich Energie bei Rödl & Partner, beim Strategieforum „Stadtwerkewende“ seiner Kanzlei in Köln. Dazu gehören aus seiner Sicht beispielsweise der Erneuerbarenausbau, Mobilitäts- und Wärmewende sowie die Modernisierung und Umbau der Wärmenetze.

"Diese Projekte erfordern erhebliche finanzielle Mittel, wobei das gestiegene Zinsniveau und ein unzureichender regulatorische Ausgleich ihre Beschaffung zusätzlich erschweren“, sagte Berger weiter. Ein spannendes Geschäftsfeld, das sich später als eine lukrative Säule der kommunalen Wirtschaft etablieren könnten, sahen die Teilnehmer des Forums die Wärmenetze. Hier dürften die Stadtwerke mit der finanziellen Unterstützung der Bundesregierung rechnen.

Steuerlicher Querverbund brüchig

Tatsächlich spiegeln sich die Folgen der Energiekrise deutlich in den Ergebnissen der kommunalen Unternehmen. Laut einer Stadtwerkestudie von EY und BDEW haben 48 Prozent der Stadtwerke im Jahr 2022 ein schwächeres Ergebnis erzielt als im Vorjahr. Auch 2023 dürfte keine Trendwende bringen. So kam Anfang 2023 das Thinktank-Projekt "Zukunft der kommunalen Energieversorger" des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) zu Ergebnis, dass die aktuellen Herausforderungen erhebliche Auswirkungen auf das kommunale Beteiligungs- und Finanzmanagement haben würden. Der steuerliche Querverbund funktioniere aufgrund rückläufiger Versorgungsgewinne nicht mehr. Neue Finanzierungsansätze sind notwendig.

„Wir brauchen mehr Geld“

Das bestätigte auch Andrea Vogt, Geschäftsführerin der Stadtwerke Troisdorf aus Nordrhein-Westfalen. Zwar konnten die Stadtwerke ihr Ergebnis in den vergangenen Jahren stets verbessern. Doch der Investitionsbedarf steige überproportional an. Je nach Szenario bestehe von 2024 von 2033 in Troisdorf ein geschätzter Investitionsbedarf von 191 Mio. Euro, wobei auf Strom 65 Mio. und auf Wärme rund 60 Mio. Euro entfallen. Die Finanzierungen dieser Größenordnung aus eigener Kraft, erst recht, wenn die Gesellschafter auf einer Vollausschüttung bestehen, reiche aber nicht aus, räumte sie auf Anfrage der ZfK ein.

Von 2018 bis 2023 seien in diesem Zusammenhang die Verbindlichkeiten um 124 Prozent gestiegen, während das Eigenkapital lediglich um 14 Prozent zugelegt habe. "Wir brauchen mehr Geld", stellte Vogt fest. So würden die Verbindlichkeiten um über 300 Prozent steigen, während die Eigenkapitalquote rapide abnimmt und 2033 voraussichtlich bei 17,3 Prozent liegen würde. Die kommunal verbürgten Darlehen seien zwar ein bewährtes Mittel, doch sie allein würden nicht reichen. Maßnahmen zur Steigerung der Eigenkapitalquote müssen her.

Struktur der Bankverbindlichkeiten ergänzen

"Auch die Fördermittel, die vor allem bei der kommunalen Wärmeplanung, könnten sehr hilfreich sein“, sagte Vogt. Auf Dauer könnte dieses Segment wirtschaftlich sehr attraktiv werden, ist die Geschäftsführerin überzeugt. Doch zunächst sei es wichtig, grünes Licht für die Projekte zu erhalten und damit eine solide Grundlage dafür zu schaffen. Als nächstes stünde deshalb die Erarbeitung von Finanzierungskonzepten mit konkreten Rahmenbedingungen an, insbesondere im Wärmebereich, so Vogt. Als Lösungsansatz wollen die Stadtwerke Troisdorf in den kommenden Jahren ihre Abhängigkeiten von einzelnen Instrumenten und Kreditgebern reduzieren und die aktuelle Struktur der Bankverbindlichkeiten mit weiteren Instrumenten ergänzen.

Kooperationen als Lösungsansatz

Eine wichtige Rolle im Transformationsprozess der Stadtwerke könnten die Partnerschaften und Kooperationen übernehmen. Eines der vielen Beispiele dafür liefern dabei die Stadtwerke Merseburg mit ihrem Fernwärmeprojekt in Kooperation mit MVV Energie aus Mannheim. Die MVV brachte dabei ihr Know-how aus dem Heizkraftwerk im britischen Plymouth mit ein. Dort arbeitete das Unternehmen an einem innovativen Konzept der Rauchgasreinigung mit dem Ziel, weniger Wasser ins Rauchgas zur Bindung von Reststoffen beizuführen, erläuterte Guido Langer, Geschäftsführer der Stadtwerke Merseburg, bei der Vorstellung seines Projekts in Köln. Dieses Vorhaben habe MVV dann in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken in der thermischen Restabfallbehandlungs- und Energieerzeugungsanlage (Trea) von MVV in Leuna weiterentwickelt.

Durch die Einbindung der erzeugten Abwärme aus der Trea sei es den Stadtwerken dann gelungen, die Fernwärme vor Ort deutlich klimafreundlicher zu gestalten, erläuterte Seit dem Anschluss dieser Quelle an des städtische Wärmenetz im Jahr 2020 liege die CO2-Einsparung bei rund 12 000 Tonnen jährlich. Der spezifische Wert kg/CO2 sank von 0,24 (2019) auf zuletzt 0,137. (am)

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