Enorm hohe und schwankende Gaspreise machen Versorgern bundesweit zu schaffen.

Enorm hohe und schwankende Gaspreise machen Versorgern bundesweit zu schaffen.

Bild: © Attila Volgyi/XinHua/dpa

Der Gasspeichermarkt steuert auf eine herausfordernde Wintersaison 2026/27 zu. Das größte Problem stellen dabei nicht die technischen Kapazitäten zur Einspeicherung oder verfügbare Gasmengen dar, sondern die fehlenden Marktanreize zur Speicherbefüllung.

Sowohl vonseiten der Gasspeicherbetreiber als auch von der Politik werden die Rufe nach neuen Marktanreizen lauter. Ansonsten könnte ein Engpass drohen: "Wir wissen bereits aus dem letzten Winter, dass eine Buchungs- und Befüllungssituation in Höhe von 76 Prozent nur reicht, wenn das Wetter mitspielt", sagte der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Heinermann.

Laut Ines war der deutsche Gasmarkt zwischen Mai 2025 und April 2026 von einem spürbaren Verbrauchsanstieg, einer intensiven Nutzung der Gasspeicher im Winter sowie "schwierigen Rahmenbedingungen für die Wiederbefüllung" geprägt.

Die globalen Einschränkungen bei LNG-Lieferketten sorgen derzeit für ein hohes Gaspreisniveau, so die aktuelle Ines-Analyse. Deshalb dreht der saisonale Sommer-Winter-Spread regelmäßig ins Negative: Gas ist für den kommenden Winter häufig günstiger verfügbar als für den Sommer. Das macht die Einspeicherung wirtschaftlich unattraktiv.

Steigender Gasverbrauch

Mit Blick auf den Winter 2026/27 sorgt dieser Umstand für erhebliche Unsicherheiten im Markt. Denn parallel dazu legte der Gasverbrauch bereits im Sommer vergangenen Jahres deutlich zu. Damals lag der Gasverbrauch mit durchschnittlich rund 1,6 Terawattstunden pro Tag über dem Niveau des Vorjahres.

Mit Beginn der Heizperiode stieg der Verbrauch nochmals deutlich an. Die Folge: Schon im Oktober 2025 überwogen die Ausspeicherungen erstmals die Einspeicherungen. Trotz eines milden Monats Dezember schloss das Jahr 2025 insgesamt mit einem Gasverbrauch von 910 Terawattstunden – ein Anstieg um 6,9 Prozent gegenüber 2024.

Sebastian Heinermann ist Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines).Bild: © Ines

Es fehlen aktuell weitgehend wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung, obwohl die Gasspeicher für die Gasversorgung im kommenden Winter eine zentrale Rolle spielen

Sebastian Heinermann

Geschäftsführer Initiative Energien Speichern (Ines)

Ein Szenario von Ines unter Annahme ungewöhnlich niedriger Temperaturen wie beispielsweise im Jahr 2010 prognostiziert eine Versorgungslücke von rund 20 Terawattstunden zwischen Januar und März. Das würde zu einer Unterdeckung führen, die an einzelnen Tagen mehr als 35 Prozent des Gasverbrauchs erreichen könnte, warnt die Brancheninitiative.

Fehlende Anreize zur Einspeicherung

"Es fehlen aktuell weitgehend wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung, obwohl die Gasspeicher für die Gasversorgung im kommenden Winter eine zentrale Rolle spielen", so Heinermann.

Silvia Messa, Head of Analytics bei Volue, erwartet bei Erdgas keine akute Knappheit wie 2022. Auf EU-Ebene lägen die Speicherstände derzeit zwar auf dem niedrigsten Niveau der vergangenen vier Jahre, sagte die Expertin im Gespräch mit der ZFK. Der Grund seien jedoch die fehlenden wirtschaftlichen Anreize für die Einspeicherung.

"Der Sommer-Winter-Spread ist entweder flach oder in Backwardation, sodass es keinen Anreiz gibt, vor dem Winter Gas in die Speicher einzuspeichern", sagte sie. Das bedeute, dass möglicherweise Marktinterventionen erforderlich werden könnten, um die genannten Zielwerte vor dem Winter zu erreichen, so ihre Analyse.

Bundesrat fordert strategische Reserve

In einer Entschließung mit dem Titel "Gaspreiskrise rechtzeitig abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern" fordert auch der Bundesrat die Bundesregierung auf, unverzüglich eine Strategie zu entwickeln, um die Gasspeicherfüllstände bis zur Heizperiode 2026/2027 "auf ein angemessen sicheres Niveau zu heben".

Damit soll die Gefahr steigender Kosten im kommenden Winter abgewendet werden. Ferner soll die Bundesregierung prüfen, welche Maßnahmen zu Gaseinsparungen führen könnten, um starke Preisanstiege im Winter zu verhindern. Auch sprachen sich die Länder für eine strategische Gasreserve für Versorgungsnotfälle aus.

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