Bis zum 1. November müssen die Gasspeicher in Deutschland einen Füllstand von mindestens 76 Prozent erreichen. Technisch sei dies zwar weiterhin möglich. Tatsächlich fehlten jedoch die Marktanreize, um dieses Ziel zu erreichen und die Versorgung im Winter 2026/2027 zuverlässig abzusichern.
Darauf weist die Initiative Energien Speichern (Ines) in ihrer aktuellen Marktanalyse hin. Zum 1. Juli waren die deutschen Gasspeicher zu 41 Prozent gefüllt, am 7. Juli lag der Wert bei 42,88 Prozent. Damit wurde der niedrigste Füllstand seit dem Krisenwinter 2021/2022 verzeichnet.
Diskussion über die Resilienzreserve
Im November 2025 erreichte der Gasspeicherstand rund 75 Prozent. Bereits da, aber auch zum Ende der Heizperiode im März, wurden die Forderungen nach einer nationalen Resilienzreserve lauter. Ines nannte dabei einen konkreten Wert von 78 Terawattstunden – das würde reichen, um einen theoretischen Ausfall der norwegischen Pipelinelieferungen über 90 Tage zu überbrücken. Aktuell prüft das Bundeswirtschaftsministerium verschiedene Modelle. Im Mittelpunkt der Diskussionen steht erwartungsgemäß die Frage der Finanzierung der nationalen Gasreserve.
Als Ursachen für den aktuell niedrigen Speicherstand nennt Ines vor allem die hohen Ausspeicherungen zum Ende des Winters 2025/2026 sowie die deutlich gestiegenen Gaspreise. Diese hätten die Wiederbefüllung der Speicher bislang erheblich erschwert.
Die Initiative modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Versorgungssicherheit zu bewerten. Für das Juli-Update wurden die Szenarien auf Grundlage der tatsächlichen Speicherfüllstände zum 1. Juli 2026 sowie aktualisierter Temperatur- und Verbrauchsdaten neu berechnet.
"Unsere Modellrechnungen zeigen, dass die Infrastruktur grundsätzlich in der Lage ist, die Gasspeicher bis zum Winter weiter zu befüllen", sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Entscheidend sei jedoch, dass ausreichende Speicherkapazitäten gebucht und die gebuchten Kapazitäten anschließend auch tatsächlich genutzt würden. Andernfalls steige das Risiko für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter erheblich.
Nach Einschätzung Heinermanns würde der gesetzlich vorgeschriebene Mindestfüllstand von 76 Prozent allerdings nur bei normalen oder milden Temperaturen ausreichen. Bei einem sehr kalten Winter sei dieses Niveau nicht ausreichend.
Den Modellrechnungen von Ines zufolge könnten im Februar und März 2027 Unterdeckungen von bis zu neun Terawattstunden pro Monat auftreten. An einzelnen Tagen könnte der Gasmangel sogar bis zu zwei Terawattstunden betragen.
Marktanreize für stärkere Speicherbefüllung fehlen
Aus Sicht der Initiative fehlen derzeit die wirtschaftlichen Anreize, um die Gasspeicher ausreichend zu befüllen. Der weiterhin negative Sommer-Winter-Spread erschwere wirtschaftliche Einspeicherungen erheblich und biete kaum Anreize, gebuchte Speicherkapazitäten tatsächlich zu nutzen.
Ein negativer Sommer-Winter-Spread bedeutet, dass Gas für die Lieferung im Sommer teurer gehandelt wird als für die Lieferung im Winter. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Speicherung fehlt damit die wirtschaftliche Grundlage, Gas im Sommer einzuspeichern und im Winter wieder auszuspeichern.
Ines fordert deshalb, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Gasspeicherbefüllung zu verbessern. Nur so lasse sich die Gasversorgung auch bei extremen Wetterlagen langfristig zuverlässig absichern.



