Ines: Die strategische Gasreserve könnte für die nötige Stabilität der Versorgungssicherheit sorgen.

Ines: Die strategische Gasreserve könnte für die nötige Stabilität der Versorgungssicherheit sorgen.

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die strategische Resilienzreserve würde die Versorgungssicherheit stärken, ohne den Markt auszuhebeln, so die "Initiative Energien Speichern" (Ines). Angesichts steigender Gaspreise infolge des Iran-Kriegs und eines historisch niedrigen Gasspeicherfüllstands werden die Rufe nach einer strategischen nationalen Gasreserve lauter.

Auch Russland sendet Signale, die für eine Gasknappheit sorgen könnten. Der russische Präsident Putin kündigte an, prüfen zu lassen, ob die russischen LNG-Importe nach Europa bereits jetzt gestoppt werden – und nicht erst, wenn das EU-Verbot offiziell greift. Aktuell bezieht Europa knapp 20 Milliarden Kubikmeter LNG aus Russland. Das entspricht etwa 15 Prozent des gesamten europäischen LNG-Marktes.

Mit einem Gutachten von Frontier Economics hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die Diskussion auf die Einrichtung einer strategischen Gasreserve in Deutschland ausgerichtet.

Ines nennt konkrete Zahlen

Ines spricht sich für eine strategische Resilienzreserve aus. Ein solches Reservevolumen würde die Versorgungssicherheit nachhaltig stärken, ohne die Marktmechanismen außer Kraft zu setzen, so die Argumentation. Die Initiative der Gasspeicherbetreiber bringt die Zahl 78 Terawattstunden ins Spiel. Bei einer Gesamtkapazität von rund 251 TWh entspräche das Volumen rechnerisch rund 31 Prozent der Kapazität. Gleichzeitig würden weiterhin etwa 69 Prozent der Speicherkapazitäten im Markt verbleiben.

"Die Szenarioanalysen zeigen, dass mit einer Reserve dieser Größenordnung beispielsweise ein vollständiger Ausfall norwegischer Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage überbrückt werden könnte", hieß es. Die theoretischen Kosten einer solchen Reserve lägen im ersten Jahr schätzungsweise zwischen zwei und vier Milliarden Euro. Diese Kosten entstehen vor allem durch die einmalige Befüllung und den damit verbundenen Gaseinkauf.

Kosten perspektivisch rückläufig

In den Folgejahren fallen Haltekosten an, die deutlich unter den anfänglichen Einrichtungskosten liegen, argumentiert Ines. Damit konzentriere sich der finanzielle Aufwand auf das erste Jahr. Die Gesamtkosten würden sich im Zeitverlauf reduzieren, wenn Reservemengen im Zuge der Transformation des Energiesystems abgesenkt und marktwertig veräußert werden.

"Die normalen Wintertemperaturen haben uns in diesem Jahr vor einer ernsthaften Belastungsprobe bewahrt. Doch die niedrigen Speicherfüllstände in Kombination mit der aktuellen geopolitischen Situation haben gezeigt, wie verwundbar unser Gassystem ist", warnt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Ines.

Keine Einigkeit über das Instrument

Netzagentur-Präsident Klaus Müller hält eine strategische Gasreserve für sinnvoll, weil sie die bisherigen Füllstandsvorgaben für die Gasspeicher ablösen könnte. Auch Mark Helfrich, energiepolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, sieht Handlungsbedarf. Im Februar kündigte er an, Gaslieferanten verpflichten zu wollen, einen Teil ihrer Lieferverpflichtungen vertraglich und physisch so abzusichern, dass die Speicher zu Beginn der Heizsaison maximal gefüllt sind.

Zukunft-Gas-Geschäftsführer Timm Kehler hat sich hingegen gegen eine strategische Gasreserve ausgesprochen, wie es sie in Deutschland für Erdöl gibt. "Ich warne vor zu tiefen Eingriffen in das etablierte Marktsystem", sagte er.

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