Die tschechische Tochter der MET Group, MET Česká republika, hat einen Erdgasliefervertrag abgeschlossen. Das Besondere daran ist, dass die Preise an den US-amerikanischen Henry-Hub-Index gebunden sind. Ziel dieser Vereinbarung sei es, die Lieferquellen zu diversifizieren, die Kunden von Centropol vor hohen Preisschwankungen auf dem europäischen Markt zu schützen und eine noch höhere Lieferzuverlässigkeit sicherzustellen.
"Es ist einer der transparentesten und liquidesten Indizes der Welt, bei dem der Preis durch das tatsächliche Angebot und die Nachfrage auf einem riesigen und diversifizierten Markt bestimmt wird", argumentierte Pavel Balada, CEO von MET Česká republika. Das spiegele sich langfristig in einem geringeren Ausmaß an Preisschwankungen wider, fügte er hinzu.
Henry Hub in Kombination mit THE
Der Vertragspartner Centropol will nach der Bewertung der Lieferungen zudem prüfen, ob das Produkt direkt gegenüber den Endkunden angeboten werden soll. Das tschechische Unternehmen setzt damit seine strategische Diversifizierung des Einkaufsportfolios fort. "In Kombination mit dem europäischen THE-Index stellt Henry Hub ein qualitativ hochwertiges Preisabsicherungsinstrument dar", so Zdeněk Martinec, Vice Chairman of the Board of Directors bei Centropol Energy.
MET beobachtet zudem ein wachsendes Interesse an ähnlichen Produkten – nicht nur bei Großhandelsanbietern, sondern auch im Retail-Markt. "Wir sehen einen deutlichen Trend zu ausgefeilteren Einkaufsstrategien. Denn Kunden suchen nicht nur nach Versorgungssicherheit, sondern auch nach Preisstabilität, Sicherheit und der Möglichkeit langfristiger Planung."
Vorteile und Risiken
Hat diese Kombination Zukunft? "Für einen deutschen Industriekunden kann es natürlich interessant sein, sich hier zu diversifizieren und vielleicht einen gewissen Anteil seines Gasbedarfs an den US-Gasmarkt zu koppeln", sagte Dennis Warschewitz, Experte bei Enerchase. So würde er die europäische Preisvolatilität zum Teil ausblenden. Letztlich sei das eine Spekulation auf den Spread zwischen den US-Gaspreisen und denen in Europa. "Übernimmt der Lieferant das Basisrisiko, muss er mögliche für ihn nachteilige Spreadbewegungen einpreisen. Das kostet natürlich entsprechende Aufschläge."
Generell liegt der Gaspreis in den USA deutlich niedriger als in Europa. In der aktuellen Krise ist der Preis weniger stark gestiegen, weil die Gasförderung teilweise an der Ölförderung hängt – und diese wurde angesichts der attraktiven Preise zuletzt ausgeweitet. Derzeit beträgt der Gaspreis in den USA umgerechnet etwa 9,40 Euro/MWh (für Lieferung im April).
Gaspreis stabilisiert sich
Der deutsche THE notiert für April bei 64 Euro/MWh (Stand: 20. März). Zu den Kosten für den reinen Gaseinkauf kommen noch Verflüssigungskosten, Transport und Regasifizierung hinzu. Dafür hängt der Kunde dann aber an den Preisbewegungen in den USA. Bei den Winterstürmen im Januar haben die Preise am Henry Hub extreme Ausschläge gezeigt, weil Pipelines eingefroren sind und dergleichen, führte Warschewitz weiter aus.
Nach der Preisexplosion seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten haben sich die Gaspreise stabilisiert – allerdings auf einem sehr hohen Niveau. Der Frontmonat-Kontrakt an der TTF gab nach dem Wochenhoch am vergangenen Donnerstag von 61,85 Euro/MWh auf aktuell 57,40 Euro/MWh (23. März, 13 Uhr) nach. Vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts notierte der April-Kontrakt an der TTF noch bei 31,96 Euro/MWh (27. Februar).



