Die MET Group wächst schnell: steigende Handelsvolumina, neue Märkte und ein Umsatzplus von fast 60 Prozent im Geschäftsjahr 2025 unterstreichen den Expansionskurs. Als integrierter Player in Erdgas, LNG, Strom und Erneuerbaren setzt das Unternehmen gezielt auf Infrastruktur als strategischen Hebel.
Gerade Gasspeicher in Deutschland gewinnen dabei an Bedeutung – als Rückgrat für Handel, Versorgung und Flexibilität. Welche Rolle sie konkret für die Unternehmensstrategie spielen, erklärt Jan Massmann im Gespräch mit ZFK.
Herr Massmann, mit den Zukäufen auf dem Gasspeichermarkt agiert MET Group ein Stück weit gegen den Trend. Warum?
Jan Massmann: Ja, es ist richtig, dass sich das Speichergeschäft in Deutschland derzeit in einem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld befindet. Anders formuliert: Einen neuen Speicher zu bauen lohnt sich aktuell nicht – und das tut auch niemand. Anders ist die Situation bei bestehenden Anlagen. Dort geht es im Wesentlichen darum, wie effizient sie betrieben werden können und wie lange dieser effiziente Betrieb möglich ist.
Das ist allerdings von Speicher zu Speicher unterschiedlich. Es hängt davon ab, wann Investitionen notwendig sind und wie die technischen Charakteristika über und unter Tage aussehen. Was wir aktuell sehen, ist ein sehr ausgeprägter Wettbewerb zwischen den Speicherbetreibern – bis hin zu den variablen Grenzkosten, bei denen sich der Betrieb gerade noch lohnt.
Dabei ist es möglich, dass die ursprünglichen Investitionen nicht mehr vollständig zurückverdient werden. Das ist das Umfeld, in dem wir arbeiten. Ich gehe davon aus, dass sich am Ende die Betreiber durchsetzen, die ihre Speicher am günstigsten betreiben können. Speicher mit ungünstigeren Rahmenbedingungen, höherem Investitionsbedarf oder höheren Betriebskosten könnten perspektivisch vom Markt verschwinden.
Wenn wir konkret auf Ihre Speicher schauen – etwa in Etzel und Reckrod – wie steht es um deren Wirtschaftlichkeit?
Im Detail möchte ich dazu nichts sagen. Aber wir haben alle Speicher in den letzten fünf Jahren erworben, und bislang haben sich die Erwartungen, die wir beim Kauf hatten, erfüllt.
Das klingt danach, dass die Strategie aufgeht und die Anlagen profitabel arbeiten. Spielt bei Ihren Zukäufen eher die Größe eine Rolle oder die Qualität einzelner Projekte?
Wir betrachten jedes Projekt rein wirtschaftlich. Größe an sich ist für uns kein Kriterium. Entscheidend ist allein, ob das jeweilige Projekt für uns wirtschaftlich sinnvoll ist.

Wie bewerten Sie die politischen Eingriffe während der Energiekrise – insbesondere die Füllstandsvorgaben für Gasspeicher und deren spätere Lockerung?
Die Füllstandsvorgaben haben die Nutzung der Speicher durch unsere Kunden eingeschränkt. Das hat es für sie schwieriger gemacht, die Speicher wirtschaftlich zu bewirtschaften, was wiederum Auswirkungen auf uns als Betreiber hat.
Ob diese Vorgaben das richtige Instrument waren, möchte ich nicht bewerten. Fakt ist: Im Ergebnis haben sie funktioniert – wir sind durch die Krise gekommen.
Dass die Vorgaben nun auslaufen, halte ich persönlich für richtig. Man hat gesehen, dass gegen diese Vorgaben spekuliert wurde, was zu unerwünschten Marktentwicklungen geführt hat.
War die Lockerung der Vorgaben auch eine Reaktion auf diese Spekulationen? Und wie bewerten Sie die aktuell niedrigen Füllstände?
Das sind zwei unterschiedliche Themen. Die Füllstandsvorgaben laufen erst zum Jahresende aus. Das aktuelle Problem ist vielmehr, dass es schwierig ist, Kunden für Speicher zu finden – viele Kapazitäten sind noch nicht vermarktet.
Die Vorgaben helfen in dieser Situation nicht. Im Gegenteil: Die durch sie verzerrten Marktpreise führen dazu, dass weniger Speicher gebucht werden – was wiederum dazu führt, dass weniger eingespeichert wird. Das verstärkt sich gewissermaßen selbst.
Die Gasspeicher-Befüllungsvorgaben helfen in dieser Situation nicht.
Welchen Einfluss hat Winter-Sommer-Spread auf Ihr Geschäft?
Für uns spielt er keine direkte Rolle, da wir langfristig vermarktet haben. Generell schwankt der Spread – mal ist er gut, mal schlecht. Das gehört zu einem Handelsmarkt dazu und ist Aufgabe der Händler, damit umzugehen.
Welche politischen Instrumente halten Sie für sinnvoll, um die Speicherbefüllung künftig zu sichern – etwa strategische Reserven oder das französische Modell mit Contracts for Difference?
Nach meinem Verständnis stehen aktuell vor allem zwei Optionen im Raum: das französische Modell und strategische Speicher.
Wenn beide Ansätze geeignet sind, das Ziel zu erreichen, sollte aus meiner Sicht die Variante gewählt werden, die volkswirtschaftlich die geringeren Kosten verursacht. Das ist aber eine politische Entscheidung.
Verlieren Gasspeicher angesichts wachsender LNG-Kapazitäten an Bedeutung?
Das sehe ich nicht unbedingt so. LNG kommt schubweise ins System und muss verstetigt werden. Außerdem zeigt der Blick auf globale Märkte, dass etwa in Asien viel LNG genutzt wird, aber nur wenige Untergrundspeicher vorhanden sind.
Das führt zu stärkeren Preisschwankungen – insbesondere im Winter. Ohne Speicher ist man diesen Schwankungen stärker ausgesetzt. Mit Speichern kann man Preise und Versorgung stabilisieren. Deshalb bin ich nicht überzeugt, dass LNG den Bedarf an Speichern grundsätzlich reduziert.
Merken Sie aktuelle geopolitische Entwicklungen – etwa den Nahostkonflikt – im Verhalten Ihrer Kunden?
Nein, da unsere Kapazitäten langfristig gebucht sind, sehen wir keine kurzfristigen Effekte. Wir haben rund 5,2 Terawattstunden Arbeitsgasvolumen. Unsere Speicher sind zu 100 Prozent langfristig vermarktet. Die Preise stehen fest, sodass sich kurzfristige Krisen nicht auswirken.
Nutzen Sie selbst Kapazitäten für Ihr Mutterunternehmen?
Nein. Alle Kapazitäten wurden transparent am Markt angeboten und vollständig vermietet. Es gibt keine Bevorzugung und keine Zurückhaltung von Kapazitäten.
Sehen Sie weiteres Konsolidierungspotenzial im deutschen Markt?
Wir beobachten den Markt und prüfen weiterhin Wachstumsoptionen. Aber wie gesagt: Es hängt immer vom einzelnen Projekt ab, ob wir eine wirtschaftliche Perspektive sehen.
Setzen Sie strategisch auf Flexibilität im Energiesystem?
Genau. Wir glauben, dass Flexibilität in zunehmend volatilen Energiemärkten an Bedeutung gewinnt – sei es durch Gasspeicher, Batteriespeicher oder Kraftwerke. Trotz des intensiven Wettbewerbs sehen wir darin langfristig einen wichtigen Wert.



