Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung im Iran-Konflikt schwindet. Nach dem anfänglichen Optimismus stellt sich der Energiemarkt zunehmend auf eine Dauerkrise im Nahen Osten ein. Am Montag ist der Frontmonat-Gaskontrakt an der TTF um bis zu 18 Prozent über dem Vorwochenwert gestiegen und notierte bei 47,7 Euro je Megawattstunde (Montag, 13.04.2026 um 11:40 Uhr). Das TTF-Jahresband 2027 wird aktuell bei 37,3 Euro je Megawattstunde gehandelt und damit um gut zwei Euro teurer als am vergangenen Freitag.
Damit reagiert der Markt auf die zunächst gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie auf die Seeblockade der Straße von Hormus, die diesmal der US-Präsident Donald Trump verkündet hat. "Mir erscheint das ein ziemlich ambitioniertes Unterfangen, und es löst das Problem der Störungen nicht", wird Mona Yacoubian, Direktorin des Nahostprogramms am Zentrum für Strategische und Internationale Studien, von der dpa zitiert. Es sei schwer, den Sinn hinter dem Blockadeplan der USA zu verstehen.
Aktuell würden die Energiemärkte wieder verstärkt geopolitische Risiken einbauen, sagte Stephan Hausl, Handelsexperte bei Syneco, im Gespräch mit der ZFK. Heute geschehe dies jedoch in moderaterem Umfang als noch zu Kriegsausbruch oder Mitte März.
Syneco empfiehlt robuste Portfoliostrukturen
Für Stadtwerke komme es aktuell auf robuste Strukturen im Risiko- und Portfoliomanagement an. "Entscheidend sind klare Regeln, Transparenz über Positionen und Risiken sowie belastbare Prozesse in der Beschaffung, um auch in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben und wirtschaftliche Risiken zu begrenzen", sagte Hausl weiter.
Keine schnelle Deeskalation
Der Markt habe zu früh auf die Deeskalation gesetzt, sagte Haris Khurshid, Chief Investment Officer bei Karobaar Capital in Chicago, ebenfalls zur dpa. Die US-Blockade führe zu langsameren Lieferungen, verspäteten Frachten und höheren Versicherungskosten. "Genau das verengt den Markt und schlägt sich im Preis nieder."
Preisanstieg erreicht Endkunden
Die Krise kommt nun bei den Versorgern in Deutschland und ihren Endkunden an. Nach einer Verivox-Analyse haben die Gaspreise für Neukunden ein 3-Jahres-Hoch erreicht. Nach Angaben des Vergleichsportals liegen die Gaspreise für Neukunden im Durchschnitt bei 10,9 Cent je Kilowattstunde.
Der größte Endkundenversorger Deutschlands Eon erwartet inzwischen ebenfalls kein schnelles Ende beim Anstieg der Gas- und Strompreise. "So schnell wird das generelle Preisniveau, das wir vor dem Iran-Konflikt hatten, nicht zurückkehren", sagte Filip Thon, Vorstandschef von Eon Energie Deutschland, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".
Im Einkauf an den Energiebörsen hätten sich die Preise für das laufende Jahr zwischenzeitlich beim Gas um 75 Prozent und beim Strom um 35 Prozent erhöht, sagte er weiter. Auch im nächsten Jahr hält laut Thon der bullische Trend an: "Für das nächste Jahr haben wir schon Preisanstiege im Energiegroßhandel um 60 Prozent beim Gas und 20 Prozent beim Strom gesehen."
Dauer der Krise entscheidend
"Die Dauer des Konflikts wird entscheidend sein", erläutert Silvia Messa, Head of Analysis Continental Europa & Japan beim Marktanalysehaus Volue, im Gespräch mit der ZFK Ende März. "Die Auswirkungen auf die Preise werden länger anhalten als die eigentliche Unterbrechung."
Zum einen würden die Reparaturen an der beschädigten Infrastruktur noch Jahre andauern, etwa am LNG-Terminal in Ras Laffan (Katar), dessen Kapazität nach dem iranischen Raketenangriff um 17 Prozent zurückgegangen ist. Zum anderen braucht es Zeit, bis sich der globale Markt wieder beruhigt und die Lieferrouten wieder stabil und sicher sind.
"Eine vollständige Marktanpassung an ein Szenario eines dauerhaften Konflikts sehen wir noch nicht – vielmehr reagieren die Märkte derzeit sehr sensibel auf Nachrichtenlagen und bauen entsprechende Risikoprämien auf oder ab", erläuterte Handelsexperte Hausl weiter. Sollte der Markt von einem dauerhaften Konflikt ausgehen, wären aus seiner Sicht noch stärkere Aufwärtsbewegungen zu beobachten, die sich auf der Terminkurve auch immer weiter nach hinten auf die längeren Laufzeiten auswirken würden.
Gaspreise steigen gegen saisonalen Trend
Besonders ungewöhnlich erscheinen die steigenden Preise angesichts der steigenden Temperaturen. Denn diese bedeuten weniger Gasverbrauch im Wärmesektor und weniger Gasverstromung aufgrund steigender PV-Erzeugung, die inzwischen für negative Stundenpreise an den Börsen sorgt.
So produzierte Deutschland am Osterwochenende so viel Solarstrom wie noch nie. Zeitweise speisten über 53 Gigawatt PV-Leistung in das Netz ein.



