Im vergangenen Jahr hat der kommunale Versorger sein Direkvermarktungsportfolio auf 223 Megawatt ausgebaut. Anders als die Mehrheit der Unternehmen, die an der ZFK-Umfrage zur Direktvermarktung teilgenommen haben, fokussierte sich das Unternehmen 2025 auf Wasserkraft. Über die Herausforderungen im Feld der Direktvermarktung sprach die ZFK mit Steffen Rasch, Gruppenleiter Energiehandel bei den SWU Energie aus Ulm.
Herr Rasch, welche Kriterien waren entscheidend für den Ausbau des Portfolios?
2025 war für uns ein Jahr des gezielten Ausbaus, vor allem in der Direktvermarktung von Wasserkraft. Wir kennen die besonderen technischen und operativen Anforderungen dieser Technologie sehr genau, da wir selbst Betreiber von neun Wasserkraftwerken sind und um die 100 Gigawattstunden Wasserkraftstrom erzeugen, und konnten genau hier unsere Stärke ausspielen.
Viele Betreiber haben sich bewusst für einen Wechsel zur SWU entschieden, weil andere Direktvermarkter dieses Geschäftsfeld verlassen haben und wir als verlässlicher Partner mit Erfahrung und stabilen Prozessen wahrgenommen werden. So konnten wir unser Portfolio in diesem Segment deutlich erweitern. Aber auch im PV- und Biogassegment haben wir zugelegt.
Was prägt das Portfoliomanagement eines kommunalen Versorgers im Vergleich zu großen überregionalen Marktakteuren?
Bei uns steht weniger die reine Skalierung im Vordergrund.
Bei uns steht weniger die reine Skalierung im Vordergrund als die Nähe zum Kunden. Wir sind bewusst auch Ansprechpartner für kleinere Anlagenbetreiber, nehmen uns Zeit für Beratung und begleiten viele auf dem Weg in die Direktvermarktung individuell.
Im Unterschied zu großen, überregionalen Marktakteuren setzen wir nicht ausschließlich auf anonyme Portale, sondern auf persönliche Erreichbarkeit vor Ort. Das ist manchmal aufwändiger, wird aber geschätzt.
Wie gelingt es Ihren Stadtwerken, die wirtschaftlichen Chancen der Direktvermarktung zu nutzen und gleichzeitig Risiken für den kommunalen Eigentümer zu begrenzen?
Entscheidend ist für uns ein sehr bewusst ausgewogenes Portfolio. Wir setzen gezielt auf gut prognostizierbare Anlagen wie Müllheizkraftwerke, Heizkraftwerke, Wasserkraftwerke und Biogasanlagen, die stabile Erträge liefern und die Volatilität deutlich reduzieren.
Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren viel Know-how aufgebaut. Die Direktvermarktung ist direkt mit unserem eigenen Energiehandel verzahnt. Wir sind damit direkt am Markt, sehen Erzeugung und Vermarktung und können sehr genau abwägen, wann wir Risiken eingehen und wann wir sie bewusst reduzieren.
Diese Kombination aus stabilem Anlagenmix und unmittelbarer Marktnähe ermöglicht es uns, wirtschaftliche Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Risiken für unsere kommunalen Eigentümer wirksam zu begrenzen.
An welche Grenzen stoßen Sie bei IT, Prognosen und Marktzugang?
Kleinere und mittlere Kommunalversorger stoßen bei IT und beim Marktzugang häufig an Grenzen, weil ihnen spezialisierte Ressourcen, eigene Systeme und oft auch Skaleneffekte fehlen. Typische Herausforderungen sind der Aufbau leistungsfähiger Prognosemodelle, die Integration großer Datenmengen sowie der direkte Zugang zu Marktprozessen.
Als SWU haben wir diesen Themen frühzeitig besondere Aufmerksamkeit geschenkt und uns bewusst für einen eigenständigen Aufbau entschieden. Wir haben früh mit der direkten Vermarktung unserer eigenen Wasserkraftwerke begonnen und die entsprechenden Strukturen von Grund auf neu entwickelt. Durch unsere Rolle als Bilanzkreismanager innerhalb der Gruppe waren wir zudem von Anfang an eng in die operativen Marktprozesse eingebunden und entsprechend gut aufgestellt.
Wie helfen Ihnen dabei die externen Dienstleister?
Es ist für uns wichtig, dass wir unsere Prognosen vollständig selbst erstellen und keine externen Leistungsprognosen einkaufen. Lediglich die Wetterdaten beziehen wir extern und veredeln diese anschließend in eigenen Systemen weiter. Dafür haben wir frühzeitig nicht nur Portfoliomanager, sondern auch IT-Spezialisten eingestellt, die uns bei der Programmierung, Datenverarbeitung und Systementwicklung unterstützen.
Diese Kombination aus fachlichem Know-how, eigener IT-Kompetenz und frühzeitigem Strukturaufbau hat es uns ermöglicht, die genannten Grenzen zu überwinden und stabile, leistungsfähige Prozesse zu etablieren. Als Nächstes führen wir dieses Jahr eine neue Handelssoftware ein, die es uns zukünftig ermöglicht, auf und mit Echtzeitdaten zu arbeiten. Damit wollen wir der zunehmenden Bedeutung von Flexibilitäten wie Batteriespeichern, steuerbarer KWK oder Lastmanagement gerecht werden.



