Die European Energy Exchange (EEX) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihr Ergebnis vor Steuern und Zinsen um 17 Prozent auf 394 Millionen Euro gesteigert. Das Handelsvolumen im Stromhandel stieg auf 13.494 Terawattstunden (TWh) (+9 Prozent) und im Gashandel auf 8823 TWh (+24 Prozent) an. Das teilte die Leipziger Unternehmensgruppe bei der Vorstellung der Bilanzzahlen mit.
Iran-Krise treibt Gashandel
Die Rekordjagd setzt sich wohl auch im laufenden Jahr fort. Denn bereits im ersten Quartal haben die Handelsvolumina deutlich zugelegt. Der Strom-Spothandel in Europa stieg um 14 Prozent auf 264 TWh, der Terminhandel in Europa legte um 29 Prozent auf 3238 TWh zu. Noch deutlicher war der Anstieg der Handelsvolumina im Gashandel: Im Spothandel ging es zwar nur um neun Prozent auf 972 TWh nach oben, dafür legte der europäische Terminhandel um ganze 62 Prozent auf 1721 TWh zu.
Diesen Umstand erklärte Peter Reitz, CEO der EEX-Gruppe, unter anderem mit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und der Blockade der Transportroute, der Straße von Hormus. Im Gashandel setzen die Teilnehmer also vermehrt auf langfristige Beschaffung und wollen damit Risiken abfedern. "Der Markt erwartet Auswirkungen auf die Versorgungslage in diesem und im nächsten Jahr – aber keine langfristigen Effekte", fasste Reitz zusammen.
Die Folgen der aktuellen Krise auf die Energiewirtschaft in Europa seien nicht mit der Situation von 2022 zu vergleichen, sie sei anders gelagert. "Dort hatten wir eine Gasverknappung und eine Stromverknappung. Und deswegen haben wir dann entsprechende Ausschläge in diesen Märkten gesehen", so Reitz. Auch seien seit Ende Februar dieses Jahres Preisausschläge sichtbar, diese fielen aber bei Weitem nicht so stark aus wie 2022.
Batteriespeicher sorgen für neue Impulse
Auch im Jahr 2025 setzte sich der Trend zur Flexibilitätsvermarktung an der Börse fort. Beflügelt werde dieser Trend durch die steigende Anzahl negativer Stundenpreise im Spothandel, die wiederum die wirtschaftliche Basis für Batteriespeicher bilden. Die Folgen des Batteriespeicherbooms an der Börse begrüßt der EEX-CEO ausdrücklich.

Batteriespeichervermarkter sind durchaus eine Bereicherung für den Markt und mittelfristig auch ein Treiber für zusätzliches Handelsvolumen
Peter Reitz
CEO der EEX Group
Mit Speichervermarktern trete eine neue Teilnehmergruppe in den Markt ein – mit anderen Risikoprofilen und Handelsstrategien. "Das ist durchaus eine Bereicherung für den Markt und mittelfristig sicherlich auch ein Treiber für zusätzliches Handelsvolumen." Denn negative Preise "haben oft einen schlechten Ruf, sind aber ein wichtiges Marktsignal", so Reitz. Sie würden Anreize für mehr Flexibilität schaffen – sowohl bei Industrieunternehmen als auch für Investitionen in Speicherlösungen. "Das ist kein Marktversagen oder irgend so was, ganz im Gegenteil, es ist ein gutes Preissignal, weil es Anreize für Flexibilität schafft", stellte Reitz klar.
Steigender Absicherungsbedarf über HKN
Ein weiteres junges Geschäftsfeld bei der EEX ist der Handel mit Herkunftsnachweisen (HKN). "Das ist ja ein noch sehr junger Markt. Wir haben ihn systematisch aufgebaut, indem wir zunächst die Register aufgebaut haben, damit auch der tatsächliche Übertrag dieser Zertifikate gut funktioniert", erläuterte Reitz vor Journalisten.
Der Handel zur Absicherung der "grünen Eigenschaft" von Strom sei mittlerweile bis zu sechs Jahre im Voraus möglich. Wie auch im Energiehandel bewegt sich das Preisniveau für HKN je nach Bedarf. Aufgrund starker Marktbewegungen in den vergangenen Monaten gebe es aktuell einen erhöhten Absicherungsbedarf, so Reitz. Wie bei der Batteriespeicher-Vermarktung stellt er auch bei HKN einen starken Zulauf neuer Marktteilnehmer fest.




