Mitarbeiter arbeiten am Uniper-Gasspeicher Etzel in Deutschland. (Symbolbild)

Mitarbeiter arbeiten am Uniper-Gasspeicher Etzel in Deutschland. (Symbolbild)

Bild: © Uniper

Gasspeicher sind zentral für die Versorgungssicherheit – wirtschaftlich geraten sie jedoch zunehmend ins Wanken. Thomas W. Thomas, Executive Vice President Market Analysis bei Uniper, sieht Reformbedarf und diskutiert im Interview mit der ZFK neue Modelle wie Differenzverträge.

Herr Thomas, warum ist es momentan so schwer, Geld mit Gasspeichern zu verdienen?

Nun, die kurze Antwort ist die fehlende Wirtschaftlichkeit der Speicher. Der Sommer-Winter-Spread, also die Differenz zwischen dem Gaspreis im Winter und dem Gaspreis im Sommer, ist zu gering oder sogar negativ, sodass marktlich kaum Anreize bestehen, Gas einzuspeichern. Wenn wir über die Wirtschaftlichkeit von Gasspeichern sprechen, muss man allerdings differenzieren. Es gibt Poren- und Kavernenspeicher und nicht alle haben die gleichen Kostenstrukturen.

Porenspeicher sind stark auf die saisonale Ein- und Ausspeicherung ausgelegt, weil sie aufgrund ihrer Beschaffenheit langsam arbeiten. Kavernenspeicher sind auch stärker kurzfristig für den Handel nutzbar und können daher zusätzliche Erlöse jenseits des Sommer-Winter-Spreads heben, die sich aus kurzfristiger Flexibilität ergeben.

Aktuell sehen wir seit etwa einem Jahr, dass Speicher insgesamt massiv wirtschaftlich unter Druck geraten. Der während der Energiekrise 2022 eingeführte Regulierungsrahmen für Gasspeicher ist für die heutigen Marktbedingungen nicht geeignet und muss daher angepasst werden. Die Vorgaben haben zu Marktverzerrungen geführt und es kommt hinzu, dass Marktteilnehmer teilweise spekuliert haben, wie sich Vorgaben zur Versorgungssicherheit auswirken. Das hat teilweise die Preise beeinflusst und Speicherbetreiber zusätzlich belastet.

Thomas W. Thomas, EVP Market Analysis bei Uniper: "Aktuell sehen wir seit etwa einem Jahr, dass Speicher insgesamt massiv wirtschaftlich unter Druck geraten."Bild: © Uniper

Uniper hat einen Antrag auf die Stilllegung seines Porenspeichers eingereicht. Warum?

Unser Antrag auf Stilllegung des Speichers Breitbrunn befindet sich derzeit in der Prüfung durch die Bundesnetzagentur; eine Entscheidung darüber liegt nicht vor. In einem komplexen Verfahren wird geprüft, ob die Versorgungssicherheit auch nach Stilllegung des Speichers gewährleistet ist und durch andere Standorte kompensiert werden kann. Das Vorgehen zeigt, dass der Betrieb unter den aktuellen Marktbedingungen kostendeckend nicht darstellbar ist.

Wenn sich die Situation nicht verbessert, gibt es Überlegungen, sich von weiteren Speichern zu trennen?

Über diesen Standort hinaus sind keine weiteren Stilllegungen geplant. Speicher sind ein zentrales Asset im Portfolio von Uniper. Für Versorgungssicherheit setzen wir auf ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Speichern, diversifizierten Importquellen, wie LNG und Pipelinegas, sowie leistungsfähigen Netzen. 

Der Gasspeicherstand ist aktuell historisch niedrig. War die Lockerung der Füllvorgaben am Ende ein Fehler?

Ich halte das nicht für einen Fehler, aber die Situation ist komplex. Grundsätzlich gilt: Wir benötigen verlässliche und zukunftsfähige Rahmenbedingungen, die eine wirtschaftliche und sichere Gasversorgung langfristig gewährleisten. Gerade jetzt, beeinflusst die Situation im Nahen und Mittleren Osten Preise und Spreads besonders am kurzen Ende des Marktes. Der Markt erwartet aktuell, dass sich die Lage in den kommenden Monaten beruhigt.

Also hängt vieles davon ab, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln. Aus marktlicher Sicht ist regulatorische Stabilität an dieser Stelle entscheidend. Nur dann können Marktteilnehmer wirtschaftlich fundierte Entscheidungen treffen und Speicher befüllen. Häufige oder kurzfristige Anpassungen erhöhen dagegen die Unsicherheit. Deshalb hoffe ich, dass sich die aktuelle Situation beruhigt – nicht nur wegen der Gasspeicher, sondern insbesondere wegen der humanitären Katastrophe dahinter.

Gerade mit Blick auf die kommende Befüllungsphase ist entscheidend, dass wirtschaftliche Anreize funktionieren.

Der niedrige Speicherstand könnte die Befüllung für die nächste Heizperiode gefährden.

Ja, das stimmt. Gerade mit Blick auf die kommende Befüllungsphase ist entscheidend, dass wirtschaftliche Anreize funktionieren. Dafür lohnt sich ein Blick nach Frankreich. Dort gibt es ein Modell, bei dem Speicherbetreiber eine Art Absicherung über einen Erlösausgleich zwischen erzielten Marktpreisen und Kosten für den Betrieb der Speicher. Dies könnte auf Deutschland in Form eines Contract for Difference-Konzeptes übertragen werden.

Die für die Versorgungssicherheit erforderlichen Kapazitäten werden ausgeschrieben und wenn die Einnahmen aus dem Markt nicht ausreichen, um Kosten für Betrieb und Re-Investitionen zu decken, werden die Mindererlöse über einen Zuschlag zum Netzentgelt ausgeglichen. Wenn mehr verdient wird als erwartet, müssen die Betreiber entsprechende Rückzahlungen leisten. So wird die Grundlage dafür gelegt, dass Speicher zuverlässig befüllt werden, vor allem im Winter und Speicherkapazitäten im Wettbewerb vermarket werden können.

Für uns ist das grundsätzlich ein interessantes Modell. Es könnte helfen, Unsicherheiten am Markt zu reduzieren, wirtschaftliche Risiken abzufedern und Speicher marktbasiert zu befüllen.

Was halten Sie von der nationalen Gasreserve als Lösung?

Wir begrüßen die aktuelle Diskussion darüber, wie Gasspeicher dauerhaft einen verlässlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten können. Bei diesem Ansatz gibt es allerdings noch viele offene Fragen: Welches Niveau an Versorgungssicherheit ist gewünscht? Welche Größe hat eine Gasreserve? Wer stellt sie bereit? Wie kann sie finanziert werden?

Wie stellen Sie sich als Speicherbetreiber auf die Situation im Nahen Osten ein?

Unsere Speichergesellschaft stellt allen Marktteilnehmern Speicherkapazität am Markt zur Verfügung. Die Einspeicherung erfolgt aktuell leicht im Plus und wird vor allem durch die physische Systembalance getrieben: Wenn die Nachfrage etwas sinkt, muss das Gas physisch irgendwo bleiben – dafür dienen die Speicher. Außerdem gibt es behördliche Vorgaben, die bestimmte Mindestfüllstände vorschreiben. Diese technischen Anforderungen beeinflussen, wie Speicher genutzt werden können, und wirken sich auf Handelsstrategien aus.

Wie ist Uniper heute im Vergleich zu früher aufgestellt?

Uniper ist heute deutlich breiter und flexibler aufgestellt. Wir haben ein diversifiziertes Beschaffungsportfolio mit unterschiedlichen Bezugsquellen und Lieferwegen – über mehrere Herkunftsregionen, verschiedene Anbieter und zusätzliche Handelskorridore, über langfristige Verträge und flexible Marktoptionen. Und Speicher spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Risikomanagement, auch bei kurzfristigen Schwankungen. In dieser Kombination ist Uniper robust aufgestellt.

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