Der deutsche Markt: robust aber nicht unverwundbar
Noch vor wenigen Jahren galt Großbritannien als einer der dynamischsten Märkte für Batterien in Europa. Doch die hohen Erlöse ließen nach der Sättigung der Dynamic Containment und anderer Frequency-Response-Dienste rasch nach. Inzwischen spricht man im Falle von UK offen von einem "oversaturated storage market" und der britische Kapazitätsmarkt trägt immer mehr zur Stabilisierung der Einnahmen bei. Auch der deutsche Batteriemarkt gilt inzwischen als einer der interessantesten und dynamischsten innerhalb Europas – droht auch hier ein rasches Erwachen?
Eines vorab, der deutsche Strommarkt unterscheidet sich in mehreren wesentlichen Punkten vom britischen. Um es klar zu sagen: Eine baldige Übersättigung ist unwahrscheinlich. Das liegt vor allem am Brennstoffmix und an deutlich höheren Volumina an attraktiven Batteriemärkten, sodass die marktübergreifende Volatilität nicht so einfach ausgedünnt werden kann. Doch wie viel Zubau verkraftet der deutsche Markt?
Um abzuschätzen, ab wann Renditen unter Druck geraten könnten, hat Montel Analytics zwei Ausbauszenarien für Batterien definiert. Als Standard-Ausbaupfad dienen die Projektionen des Netzentwicklungsplanes. Um nun abzuschätzen, ob es bei höheren Ausbauzahlen einen früheren Wendepunkt geben könnte, wurde ein Vergleichsszenario aufgemacht. Hier wurde der Ausbaupfad um 30 Prozent erhöht. In der Folge wurde eine Batterievermarktung für zwei Standardbatteriekombinationen mit 2h sowie 4h Tiefe und 1,5 Zyklen simuliert.
Der deutsche Strommarkt unterscheidet
sich in mehreren wesentlichen Punkten vom britischen.
Die Erlöse sind für beide Speicherkombinationen in den ersten Jahren nahezu identisch. Erst in den frühen 2030er-Jahren entwickeln sich deutlich sichtbare Unterschiede in den simulierten Erlösen. Die Marktdynamik wird für das 2h-System besonders deutlich. Ab dem Jahr 2033 ist ein klarer Rückgang im Vergleichsszenario erkennbar. Hier erreicht die installierte Batteriekapazität in der Sensitivität die Marke von 13 Gigawatt an marktaktiven Großspeichern. Dies führt vor allem zu einem starken Rückgang auf den Intraday-Märkten, wenngleich auch die freien Gebote auf dem aFRR-Markt einen ähnlichen, wenn auch nicht so starken Rückgang vollziehen. Im Referenzszenario setzt diese Bewegung mit den gleichen Mustern etwa drei Jahre später ein. Hier liegt die installierte Kapazität etwas höher, bei circa 16 Gigawatt. Der scheinbare Sättigungspunkt ist hier etwas verschoben, da die Markttiefe durch einen weiter fortgeschrittenen Erneuerbaren-Ausbau bereits weitergewachsen ist. Die Erlöse der kombinierten aFRR-Gebote tragen weniger zu den Gesamterlösen der 2h-Batterie bei und lassen in beiden Szenarien bereits ab 2027 deutlich nach.
Ähnliche Muster auch bei 4h-Batterie
Für die 4-Stunden-Batterie zeigen sich ähnliche Muster, wenn auch in abgeschwächter Form. Ihre Gesamterlöse bleiben auch bis 2032 deckungsgleich. Erst danach beginnt die Kurve des Vergleichsszenarios nachzugeben. Der entscheidende Unterschied liegt hier in den Einnahmequellen. 4h-Systeme können die kombinierten Gebote auf den aFRR-Märkten deutlich stärker und länger nutzen als die kleineren Systeme. Gleichzeitig bleiben hier die Erlöse aus den Großmärkten robuster als die der kleineren Batterien. Das liegt daran, dass die Höhe der maximalen Spreads pro Tag im Referenzszenario deutlich nachlassen, nicht aber ihre Häufigkeit. Systematische Preiskorridore bleiben weiterhin bestehen. Oder anders ausgedrückt: Einzelne hohe Ausreißer werden durch die gesteigerten Batteriekapazitäten geglättet. Das allgemeine Preismuster bleibt jedoch weiterhin bestehen, sodass Speicher, die mehr Energie über mehrere Stunden pro Tag bewegen können, deutlich weniger vom Erlösverfall betroffen sind.
Auch wenn die Sensitivität zeigt, dass eine deutlich gesteigerte Anzahl an Batterien einen Einfluss auf die Erlöse haben könnten und hierdurch der Sättigungspunkt nach vorn verschoben wird, fallen die Erlöse keinesfalls ins Bodenlose. Des Weiteren ist auch zu beachten, dass eine solche Sensitivität nie der Komplexität des Energiemarktes gerecht wird. Die großen Gewinner bei einem höheren Batterieausbau waren nämlich die Solaranlagen. Hier stieg die Capture-Rate in der Simulation bis Ende der 2030er-Jahre um bis zu zehn Prozent. Die hätte auch einen Rebound-Effekt und würde sowohl die Markttiefe als auch Volatilität treiben und in der Folge sich auch wieder positiv auf die Batterieerlöse auswirken.
Dieser Gastbeitrag ist in einer gekürzten Fassung in der aktuellen ZfK-Printausgabe erschienen. Hier geht es zum E-Paper.



