Planungssicherheit, stabile politische Rahmenbedingungen über mehrere Legislaturperioden hinweg – und mehr Optionen bei der Finanzierung: Diese Wünsche an Bund und Land sind in Thüringen wohl die gleichen wie fast überall in Deutschland. Ansonsten aber hat der Freistaat seine Besonderheiten. Das offenbarte die zweite Thüringer Wärmetagung in Erfurt.
Schon die Ausgangsbedingungen sind in Thüringen anders: Von 1,1 Millionen Wohnungen ist ein gutes Viertel bereits an ein Wärmenetz angeschlossen, Städte wie Jena kratzen sogar an der 60-Prozent-Marke. Das setzt den Fokus auf Netzerweiterung, Erzeugung und energetische Sanierung.
Kooperation zeigt Wirkung
2020 haben sich dazu 36 Versorger in der Thüringer Fernwärmekooperation zusammengeschlossen, um gemeinsam Konzepte für grüne Wärme zu entwickeln und zu erproben. Die Zusammenarbeit zeigt Wirkung: Bereits 2023 konnten die Partner eine gemeinsame Strategie vorstellen, um die Planung und Transformation der Wärmeversorgung zu synchronisieren. Teilweise sind nun Netzerweiterungen um bis zu 50 Prozent geplant.
Ohne gesellschaftliche Akzeptanz werden wir das alles nicht schaffen.
André Sack, Stadtwerke Jena-Pößneck
Allein: "Ohne gesellschaftliche Akzeptanz werden wir das alles nicht schaffen", sagte in Erfurt André Sack, Geschäftsführer der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck. Und dafür werde das Preisniveau entscheidend sein, ergänzte Frank Emrich für die Thüringer Wohnungswirtschaft: "Die Wärmewende endet auf dem Konto des Mieters." Dazu trügen nicht nur die Wärmelieferungen bei, sondern auch energetische Sanierungen und die Heizungstechnik im Gebäude.
Bei der ersten Thüringer Wärmetagung vor drei Jahren seien Preissteigerungen um das Zwei- bis Dreifache in der Diskussion gewesen, so Emrich weiter. Inzwischen sehe man, dass es wohl auch anders gehe. Nur: Die grüne Wärme kommt etwas kühler, entsprechend steigt der Anpassungs- und Finanzierungsbedarf in den Gebäuden.
Klare Ansagen gefordert
Sehr dringend brauchen die Akteure der Wärmewende eine klare Ansage aus Berlin, vor allem beim Gebäudeenergiegesetz – das wurde in den Diskussionen und Vorträgen deutlich. Auch Peter Zaiß betonte das in seiner Doppelrolle als Präsident der IHK Erfurt und Geschäftsführer der Stadtwerke: "Wir brauchen Planungssicherheit und stabile politische Rahmenbedingungen."
Zaiß forderte von der Landesregierung übrigens mehr Förderung für Tiefengeothermie – auch für die "petrothermale", die in der Politik weniger akzeptiert ist als die klassische Geothermie aus heißem Wasser. Für ihn bedeutet das, regionale Besonderheiten zu akzeptieren und so für gleiche Lebensbedingungen zu sorgen. In einem weiteren Vortrag an diesem Tag wurde zudem deutlich: Alle neuen Technologien zur Wärmeerzeugung stoßen auch auf Widerstand – sie erfordern intensive Aufklärungsarbeit und durchdachte Kommunikationskonzepte.
Bürgerenergievereine als Multiplikatoren
Diesen Aspekt betonte auch Matthias Sturm für die Teag: "In Thüringen sind 190 Wärmepläne zu erstellen, fast ein Drittel davon im Versorgungsgebiet der Teag". An der Mehrzahl arbeite man bereits. Die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an mitzunehmen, sei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Auch Bürgerenergievereine, wie die in Jena, seien dabei wichtige Multiplikatoren – und mitunter sogar Ko-Finanzierer.

Zaiß warb dafür, sich nicht auf einzelne Technologien festzulegen. Er warnte zudem vor Wettbewerbsnachteilen für die Industrie, wenn Deutschland bei der Dekarbonisierung schneller vorangehe als andere Länder. Auch André Sack sprach sich dafür aus, das Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Preis ideologiefrei zu diskutieren. Er warb für Pragmatismus: "Wir starten jetzt mit den ersten 30 Prozent bis 2030, einfach, damit wir die Finanzierung auch schaffen."
Herkulesaufgabe Finanzierung
Diese Finanzierung ist eine weitere große Aufgabe – nicht nur in Thüringen. Das wurde auch in einem Vortrag im Rahmen einer Veranstaltung von Thüringer Aufbaubank, VKU und der Universität Weimar deutlich. Ihr Organisator, Professor Thorsten Beckers, forderte die Landesregierung auf, Kommunen und kommunalen Unternehmen die Finanzierung der Wärmewende weiter zu erleichtern.
Das erfordere neue Richtlinien – und zwar möglichst schnell. Denn, so Beckers, die Finanzierung sei entscheidend für die Gesamtkosten der Transformation: "Wenn die Kapitalkosten 2,5 Prozent sind, ist die Wärme zehn Euro pro Monat günstiger als bei 8 Prozent." Bei rentierlichen Investitionen müssten deshalb auch Kommunalkredite aufgenommen werden können, zudem müsse Fremdkapital abgesichert werden: "Nehmt die Instrumente, die geradlinig sind, die klar sind, die günstig sind."



