Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Konstanz.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Konstanz.

Bild: © Stadtwerke Konstanz

Von Hans-Peter Hoeren

Die Stadtwerke Konstanz haben einen weiteren externen Investor für die Umsetzung der Wärmewende vor Ort gewonnen. Nachdem für Bau und Realisierung eines ersten Wärmenetzes die Iqony an Bord geholt wurde, kooperiert man bei der Umsetzung des zweiten Wärmenetzes mit dem Anlagenbauer und -betreiber Solarkomplex mit Sitz in dem nahe gelegenen Ort Singen.

Neben den zusätzlichen Finanzmitteln, die der Investor in das Projekt einbringt, ist für den Kommunalversorger aber auch der Zugang zum technischen Know-how des Kooperationspartners ein wichtiger Faktor.

Die Stadtwerke Konstanz benötigen für die Finanzierung der Wärmewende rund 550 Millionen Euro. Diese Gelder können sie nicht allein über Bankenkredite und die Innenfinanzierungskraft stemmen, deshalb setzen sie bei allen sechs geplanten Wärmenetzen auf Projektgesellschaften mit externen Investoren.

Paritätische Verteilung der Geschäftsanteile

Auch das zweite Wärmenetz wird in eine separate Projektgesellschaft ausgegliedert. Für diese wurde eine paritätische Verteilung der Geschäftsanteile, ohne Beherrschung eines Partners vereinbart. "50 Prozent der gemeinsamen Gesellschaft werden im Konzernabschluss der Stadtwerke Konstanz über den Jahresabschluss der Gesellschaft berücksichtigt", erklärt der für die Energiewende zuständige Stadtwerke-Geschäftsführer Gordon Appel auf ZfK-Nachfrage.

Während beim ersten Wärmenetz (Bodenseetherme) drei Ankerinvestoren für rund 80 Prozent der Wärmeabnahme verantwortlich sein werden, entsteht das zweite Wärmenetz in einem Neubaugebiet (Hafner).

"Grundsätzlich besteht in Neubaugebieten das Risiko, dass sich die Zeitpläne für den Hochbau und somit die Wärmeabnahme verschieben", so Appel. Insgesamt sollen im Bauabschnitt 1 rund 230 Gebäude, darunter sowohl Wohn- als auch Gewerbeeinheiten, neu errichtet werden. Der Stadtteil soll über Wärmepumpen mit Außenluft als Umweltwärme regenerativ versorgt werden. Auch die Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage ist geplant.

Stadtwerke rechnen mit hoher Anschlussquote

Da seit Anfang 2024 bei Neubauten die 65-Prozent-Regel für den Anteil erneuerbarer Energien respektive unvermeidbarer Abwärme gelte, gehe man davon aus, dass der Anschluss an das Wärmenetz eine gute Alternative zu einer dezentralen Wärmelösung darstelle, und rechne mit einer hohen Anschlussquote. "Um die Risiken der Wärmeabnahme im Business Case zu berücksichtigen, haben wir konservative Annahmen für den Anstieg der Wärmemengen getroffen", erläutert Appel.

Die Wärmepreise für die beiden Wärmeverbünde Hafner und Bodensee-Therme seien noch nicht final festgelegt worden. "Wir gehen aktuell davon aus, dass der Wärmepreis im Wärmeverbund Hafner unter dem des Wärmeverbundes Bodensee-Therme liegen wird", sagt der Geschäftsführer.

Hintergrund seien sowohl geringere Kosten bei der Erschließung der Umweltwärme (Seethermie versus Außenluft) und Synergieeffekte bei der gemeinsamen Erschließung (Tiefbau und spartenübergreifende Hausanschlüsse) mit anderen Medien wie Glasfaser, Wasser und Strom.

Kompetenzbasierte Aufgabenteilung

Die beiden Partner haben bereits bei früheren Projekten zusammengearbeitet. Beide Seiten sollen vom gegenseitigen Know-how profitieren. Dies beginnt bei der Planung des Projekts, geht über den Aufbau des Geschäftsmodells und der Realisierung bis hin zum Betrieb des Wärmeverbundes. Es soll eine kompetenzbasierte Aufgabenteilung geschaffen werden, die Synergien freisetzt, heißt es in der Pressemitteilung.

"Solarcomplex hat bisher rund 20 Wärmenetze in kleinen und eher ländlichen Gemeinden realisiert. Jetzt gehen wir die Wärmewende in einer mittelgroßen Stadt an", so Solarcomplex-Vorstandsmitglied Bene Müller. 

Die Investitionskosten liegen bei etwa 17 Millionen Euro für die zentrale Wärmeversorgung im Bauabschnitt 1 und die PV-Freiflächenanlage exklusive Förderung und Anschlusskostenbeiträgen. Bei positivem Verlauf der weiteren Projektphasen kann der Bau des Wärmeverbunds im Jahr 2027 beginnen.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper