Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann sieht noch keinen Anlass, die Beschaffungsstrategie komplett zu ändern.

Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann sieht noch keinen Anlass, die Beschaffungsstrategie komplett zu ändern.

Bild: © ronaldbonss.com

Der Krieg im Iran sorgt weiter für volatile Märkte, darauf müssen Beschaffung und Vertrieb schnell reagieren, berichtet Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Sachsenenergie. Über das neue Effizienzprogramm des Konzerns sprach der Manager im ersten Teil des Interviews, dies ist der zweite Teil.

Wie sehen Sie die aktuell instabile Marktlage für Gas und was bedeutet das für Ihre Beschaffungsstrategie?

Wir reagieren verantwortungsvoll und mit Augenmaß. Man sieht ja, wie volatil die Entwicklung war und teilweise noch ist. Derzeit können wir die Preise für unsere Kunden stabil halten. Da es aber bereits eine zentrale Anlagenzerstörung für die Gaserzeugung gab, können daraus längere Bremsspuren für die Beschaffung und die Kunden resultieren.

Wenn die Lage so kritisch bleibt – sollte die Politik reagieren? Kommt die Gaspreisbremse zurück?

Die Gaspreisbremse hat den Verbrauchern geholfen, war aber gleichzeitig ein administrativer Overkill. Sie hat einige Unternehmen am Leben erhalten – das muss man so sagen. Aber aus unternehmerischer Sicht war beispielsweise die Strompreisbremse ein falsches Signal. Als Unternehmensleiter hätte ich mir gewünscht, dass es sie nicht gegeben hätte. Was wäre dann passiert? Unternehmen, die gut gewirtschaftet haben, brauchten die Bremse nicht. Andere wurden künstlich am Leben erhalten – mit viel Staatsgeld. Das erzeugte ein Zerrbild der Realität unter den Wettbewerbern. Aus Sicht der Verbraucher war die Bremse natürlich eine Hilfe.

Das ist ähnlich wie bei der Bankenrettung damals: Man belohnt Ineffizienz und falsches Management. Pleiten sind auch für den Markt nicht zwingend etwas Schlechtes, weil sich dabei die Spreu vom Weizen trennt. Dort, wo wir die Instrumente nutzen konnten – vor allem im Industrie- und Gewerbebereich – haben wir das getan. Aber grundsätzlich gilt: Staatliche Eingriffe dieser Art schaden dem funktionierenden Wettbewerb.

Lassen Sie uns auf das Thema Beschaffung eingehen. Halten Sie auch mal zwischendurch die Füße still, wie sieht es mit einem Krisenstab aus?

Ja, natürlich. In einer solchen Situation – nehmen wir beispielsweise Anfang März, als die Angriffe geflogen wurden und wieder alle Preise durch die Decke gingen – bekomme ich von unserem Handel einen dringenden Rückruf: Können wir in der nächsten halben Stunde alle zusammen telefonieren? Dann sind Finanzvorstand, Vorstandsvorsitzender und ein Händler in der Leitung und bilden ein Krisenteam.

Aber die Beschaffungsstrategie komplett zu ändern, dazu ist jetzt noch kein Anlass. Natürlich ist Vorsicht an verschiedenen Stellen geboten. Man muss nicht zu jedem Zeitpunkt alles mitnehmen, und man muss immer auch die Absatzwirkung im Blick behalten.

Sind Sie noch im überregionalen Vertrieb tätig oder haben Sie sich dort zurückgezogen?

Wir sind sowohl im Haushaltkundenbereich als auch mit Industrie- und Geschäftskunden überregional tätig. Wir haben sogar deutlich mehr Industriekunden außerhalb unseres Versorgungsgebietes als in unserem Heimatmarkt. Aber Sie haben das gut beobachtet, auch hier muss man in solchen plötzlichen Krisensituationen flexibel reagieren: So haben wir, als die Gaspreise durch die Decke gingen, den überregionalen Vertrieb kurzzeitig ausgesetzt. Wir mussten erst verstehen, wie ernst die Lage im Mittleren Osten wirklich ist. Denn es kann passieren, dass man eine Preisstellung draußen hat und auf einmal statt der üblichen 1000 bis 2000 neuen Kunden pro Woche plötzlich 10.000 neue Kunden an einem Tag bekommt. Solche Effekte schnell zu erkennen und darauf richtig zu reagieren, kann erfolgskritisch sein. Inzwischen läuft der Vertrieb wieder normal, aber wir sind derzeit aufgrund der politischen Lage vorsichtiger geworden.

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