Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit stellt Unternehmen, Kommunen und öffentliche Institutionen vor tiefgreifende Veränderungen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Handlungsspielräume, die es strategisch zu nutzen gilt. Besonders im Kontext der europäischen Regulierung gewinnt das Thema weiter an Dynamik. Ein aktuelles Beispiel ist die sogenannte Omnibus-Verordnung der Europäischen Union, die darauf abzielt, bestehende Nachhaltigkeitsvorgaben zu harmonisieren, Bürokratie zu reduzieren und zugleich die Wirksamkeit nachhaltiger Regulierung zu erhöhen.
Mit der Omnibus-Verordnung verfolgt die EU das Ziel, verschiedene Regelwerke – etwa zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, zur Lieferkettenverantwortung und zur nachhaltigen Finanzierung – stärker aufeinander abzustimmen. Doppelstrukturen sollen vermieden, Berichtspflichten vereinfacht und die Vergleichbarkeit von Daten verbessert werden. Für Unternehmen und kommunale Betriebe bedeutet dies einerseits zusätzliche Anforderungen, andererseits mehr Klarheit und Kohärenz. Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr, sondern ein entscheidender Faktor für Zukunftsfähigkeit, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit. Wer sich frühzeitig mit den neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, kann daraus nicht nur Pflichten, sondern auch strategische Vorteile ableiten.
Der EAD berichtet nach DNK-Standard
Wie diese Entwicklung in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt das Beispiel des Eigenbetriebs für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) in Darmstadt. Mit rund 850 Beschäftigten und einem breiten Aufgabenspektrum – von Abfallentsorgung, Straßen- und Kanalreinigung über Schulverpflegung bis hin zum Betrieb eines Krematoriums und eines Zoos – ist der EAD von regulatorischen Veränderungen ebenso betroffen wie viele andere kommunale Unternehmen in Deutschland.
Insbesondere die Diskussion um mögliche Berichtspflichten stellte die Organisation in den vergangenen Jahren vor Herausforderungen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Gebührendeckung. Dennoch hat der EAD frühzeitig eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. "Seit 2018 erfolgt die Berichterstattung nach dem DNK-Standard; ergänzend besteht seit 2022 eine Umweltzertifizierung nach ISO 14001", erklärt die 1. Betriebsleiterin Sabine Kleindiek. Dieser proaktive Ansatz hat interne Prozesse gestärkt, Transparenz geschaffen und neue Entwicklungspotenziale eröffnet.
Neben unternehmensinternen Strategien spielen Netzwerke eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen Transformation. Sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen, bündeln Wissen und schaffen Räume für neue Ideen und Kooperationen. Ein Beispiel ist das Frauennetzwerk der ZFK, das fachlichen Dialog mit persönlicher Vernetzung verbindet. Gerade für Verantwortliche im Bereich Nachhaltigkeit ist es entscheidend, die dynamischen regulatorischen Entwicklungen frühzeitig zu verstehen, einzuordnen und in strategische Entscheidungen einzubeziehen.
Gemeinsam schlauer – deshalb netzwerken wir
Die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit innerhalb des Netzwerks begleitet diese Dynamik aktiv. Sie fokussiert sich auf die Einordnung aktueller regulatorischer Entwicklungen – wie der Omnibus-Verordnung – und die Entwicklung praxisnaher Lösungsansätze für kommunale Unternehmen. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, die Rolle von Frauen in der Transformation in Richtung Nachhaltigkeit sichtbarer zu machen.
Die Arbeitsgruppe wurde im November 2024 auf Initiative von Steffi Winkler, Abteilungsleiterin Personal und Organisation beim EAD Darmstadt, gegründet, die das Projekt seither als Patin begleitet. Die Leitung übernahm zunächst Iris Wick aus der Unternehmensentwicklung des EAD.
Die Teilnehmerinnen kommen aus ganz Deutschland und vertreten unterschiedlichste Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge – von Abfallwirtschaft und Energieversorgung bis hin zu Wasser, Mobilität und weiteren Dienstleistungen. Die Treffen sind stets unterstützend und geprägt von offenem Austausch. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Teilnehmerinnen gegenseitig stärken und gemeinsam Lösungen entwickeln. Gerade dieser Austausch macht die Gruppe besonders wertvoll.
In den vergangenen anderthalb Jahren hat die Arbeitsgruppe bereits zahlreiche Themen bearbeitet. Dazu zählen regelmäßige Updates zu regulatorischen Entwicklungen durch Expertinnen und Experten aus dem Brüsseler Büro des VKU oder dem Institut für Nachhaltigkeitsbildung Münster. Ebenso wurde diskutiert, wie Nachhaltigkeit konkret und praxisnah in Betrieben umgesetzt werden kann – von der Datenerhebung über interne Steuerungsprozesse bis hin zur Kommunikation. Einen aktuellen Impuls lieferte im März Goldy Raimann von der ASEW zum Thema "Kurs halten trotz ständiger Dynamik – Nachhaltigkeit 2026 zwischen Wandel und Handlungskraft".
Ausblick 2026
Für 2026 sind weitere Formate geplant. So stehen unter anderem die Verknüpfung der Themen Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit sowie ein erstes Präsenztreffen im Rahmen der ZFK Nachhaltigkeitskonferenz im Herbst auf der Agenda. Seit März 2026 leitet Bärbel Krohn, Nachhaltigkeitsmanagerin bei den Stadtwerken Velbert, die Arbeitsgruppe und übernimmt damit die Rolle von Iris Wick, die derzeit in Elternzeit ist. "Ich freue mich, diese neue Herausforderung anzunehmen und den inspirierenden sowie wertschöpfenden Austausch weiter gestalten zu können", sagt Bärbel Krohn.
Die Herausforderungen der kommenden Jahre lassen sich nur gemeinsam bewältigen.
Iris Wick, EAD
Die Beispiele zeigen: Nachhaltigkeitsregulierung ist weit mehr als eine reine Compliance-Aufgabe. Richtig verstanden und umgesetzt, kann sie als Treiber für Innovation, Transparenz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit wirken. Netzwerke, die Wissen bündeln, Perspektiven verbinden und den Austausch fördern, sind dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Denn eines ist klar: Die Herausforderungen der kommenden Jahre lassen sich nur gemeinsam bewältigen – durch Kooperation, Wissensaustausch und den Mut, neue Wege zu gehen.



