Bild: @ AdobeStock/dody

Die Vereinfachung der europäischen Nachhaltigkeitsberichtspflichten führt bei Stadtwerken offensichtlich nicht zu einem Ende des Nachhaltigkeitsmanagements. Das zeigt das aktuelle Update der Trianel-Stadtwerke-Befragung zum Status quo im ESG-Bereich (Environmental, Social, Governance).

"Viele Unternehmen nutzen die bereits aufgebauten Strukturen weiter, um Transparenz gegenüber Kapitalgebern, Kommunen und der Öffentlichkeit zu schaffen und ihre Nachhaltigkeitsziele stärker mit der Unternehmensstrategie zu verzahnen", erklärte Jana Köhler, Senior Trendscout bei Trianel.

Etwa 74 Prozent der befragten Stadtwerke seien nach dem Omnibus-Verfahren nicht mehr CSRD-berichtspflichtig, teilte die Stadtwerkekooperation aus Aachen mit. Mit dem Omnibus-Verfahren ist ein Gesetzgebungspaket der EU-Kommission zur Vereinfachung und Entbürokratisierung gemeint, bei dem mehrere ESG-Rechtsakte gleichzeitig in einem Sammelverfahren geändert werden.

Omnibus-Paket

Laut Kommission waren die ursprünglichen ESG-Regeln für viele Unternehmen zu komplex, teuer und bürokratisch. Das Omnibus-Paket soll unter anderem zur Reduzierung der Berichtspflichten führen, Doppelregulierungen abbauen, kleinere Unternehmen entlasten und so unter dem Strich die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen wieder stärken.

"Das Omnibus-Paket wirkt entlastend, macht die Nachhaltigkeitsinformationen aber nicht überflüssig. Stadtwerke stehen weiterhin vor der Aufgabe, Dekarbonisierung, Wärmewende, Investitionen in Netze und erneuerbare Energien sowie soziale und regulatorische Anforderungen in eine tragfähige Nachhaltigkeitsstrategie zu übersetzen", sagte Sarah Schiffer, Senior Projektmanagerin im Trianel Digital Lab.

Das Omnibus-Paket wirkt entlastend, macht die Nachhaltigkeitsinformationen aber nicht überflüssig.
Sarah Schiffer, Senior Projektmanagerin im Trianel Digital Lab

Trotz der Befreiung von den Berichtspflichten bleibt Nachhaltigkeit also für viele kommunale Energieversorger ein relevantes Zukunfts- und Transformationsthema, so das Ergebnis der Befragung. Viele Stadtwerke würden ihre Aktivitäten fortführen und zudem freiwillige Berichte nach dem VSME-Standard planen oder an Nachhaltigkeitsstrategien und Klimabilanzen arbeiten.

Der VSME-Standard steht für "Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs" – also einen freiwilligen Nachhaltigkeitsberichtsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Nachhaltigkeit strategisch verankert

Die Befragung zeigte zudem, dass viele Stadtwerke Nachhaltigkeit schrittweise strategisch verankern würden. Aktuell verfügen laut Trianel-Analyse zwar erst sechs Prozent der befragten Unternehmen über eine vollständig ausformulierte Nachhaltigkeitsstrategie, jedoch zeigt der Blick auf ESG-Teilstrategien und laufende Strategieprozesse ein differenzierteres Bild: 45 Prozent der Stadtwerke haben bereits Teilstrategien entwickelt, weitere 30 Prozent arbeiten derzeit an einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie.

Deutliche Fortschritte stellen die Trianel-Experten bei den befragten Stadtwerken im Bereich der Klimabilanzierung fest. Nachdem in der Befragung 2025 noch 62 Prozent der Stadtwerke eine Klimabilanz erstellt hätten, liegt der Anteil heute bei 79 Prozent. Zudem erfassen mittlerweile die meisten auch Scope-3-Emissionen: 55 Prozent der Stadtwerke verfügen über eine Klimabilanz für Scope 1 bis 3, weitere 24 Prozent für Scope 1 und 2. Damit nehmen Verbreitung und Tiefe der Klimabilanzierung weiter zu.

Für Stadtwerke kommt es jetzt darauf an, Nachhaltigkeit pragmatisch und strategisch weiterzuentwickeln

Jana Köhler, Senior Trendscout bei Trianel

"Für Stadtwerke kommt es jetzt darauf an, Nachhaltigkeit pragmatisch und strategisch weiterzuentwickeln. Freiwillige Berichte, belastbare Klimadaten und klare Zielsetzungen können dabei helfen, die eigene Ausrichtung zu schärfen und Anforderungen von Banken, Kommunen und weiteren Stakeholdern effizient zu erfüllen", fasst Jana Köhler die Erkenntnisse aus der Befragung zusammen.

Den Status quo im Themenfeld ESG erhebt Trianel jährlich unter deutschen Energieversorgern. An der diesjährigen Online-Befragung nahmen 50 Expertinnen und Experten aus 33 Stadtwerken teil. Nur noch 26 Prozent der befragten Stadtwerke sind nach aktuellem Stand CSRD-berichtspflichtig.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper