Wissen Sie noch, wo Ihre Zielgruppen sich über Ihr Unternehmen informieren? Diese Frage lässt sich heute immer seltener eindeutig beantworten. Wahrgenommen wird oft nicht mehr die ursprüngliche Quelle, sondern nur noch die Oberfläche: Google, Tiktok, ChatGPT oder schlicht "das Internet". Auch regionale Informationen werden zunehmend über Plattformen, Wissensdatenbanken und generative Systeme vermittelt. Für Stadtwerke und andere kommunale Akteure hat das direkte Folgen.

Wie sich Ihre digitale Reputation bildet

Reputation entsteht nicht mehr nur in den eigenen Kanälen oder in der klassischen Berichterstattung regionaler Medien. Sie bildet sich in einem digitalen Wissensraum, in dem unterschiedliche Quellen, Plattformen und Datenbestände zusammenwirken. Wer die eigene Wahrnehmung dort aktiv mitgestalten will, muss die Spielregeln dieses Raums verstehen. Für kommunale Unternehmen wiegt das besonders schwer, weil sie in Bereichen wie Energie, Wärme, Wasser und Mobilität als verlässliche Akteure wahrgenommen werden müssen.

Die gute Nachricht vorweg: Pressearbeit bleibt wichtig, und Medienberichterstattung ist weiterhin ein zentraler Baustein strategischer Kommunikation. Im digitalen Raum entfaltet Berichterstattung jedoch nur dann eine Wirkung, wenn sie auch auffindbar, zugänglich und weiterverarbeitbar ist.

Nur was digital zugänglich ist, kann auch von Suchmaschinen, Wissensdatenbanken und KI-Systemen aufgegriffen werden.

Wo eine Wahl besteht, sollten kommunale Unternehmen daher Medienumfelder bevorzugen, deren Inhalte frei im Netz verfügbar sind. Die besten Geschichten und die klarsten Botschaften dringen nicht durch, wenn sie sich auf Papier oder hinter einer Paywall verstecken. Nur was digital zugänglich ist, kann auch von Suchmaschinen, Wissensdatenbanken und KI-Systemen aufgegriffen werden.

Im Wettbewerb um Auffindbarkeit und Zugänglichkeit spielt Wikipedia eine herausragende Rolle. Sie bietet Einordnung, Kontext und Sichtbarkeit. Ihre weniger bekannte Schwester Wikidata liefert strukturierte, maschinenlesbare Daten. Beide sind für Suchmaschinen, Sprachassistenten und generative KI-Systeme besonders anschlussfähig und prägen Ergebnisseiten und KI-Antworten wie keine andere Plattform.

Für kommunale Unternehmen hat das zwei Konsequenzen: Wikipedia und Wikidata prägen die öffentliche Wahrnehmung mit und dienen als Vorbild für die eigene digitale Informationsarchitektur. In Fachkreisen läuft dies unter dem Stichwort GEO (Generative Engine Optimization): Inhalte und Informationsstrukturen so aufzubereiten, dass sie von generativen Such- und KI-Systemen gelesen und verarbeitet werden können.

Was jetzt zu tun ist

  1. Den öffentlichen Wissensraum kartieren: Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, wo und wie Ihr Unternehmen in öffentlich zugänglichen Quellen beschrieben wird. Erstellen Sie einen Quellenkatalog, in dem Sie relevante Informationen den jeweiligen Fundstellen zuordnen. So wird sichtbar, auf welche Faktenbasis sich der öffentliche Informationsraum derzeit stützt. Zugleich lassen sich Lücken, Unschärfen und Widersprüche identifizieren, die sich auf Wahrnehmung und Vertrauen auswirken können.
  2. Die eigene Website fit für GEO machen: Inhalte sollten so aufbereitet sein, dass sie von Suchmaschinen und KI-Systemen gut erfasst werden können. Dazu gehören verständliche Texte, klar gegliederte Informationen, technisch gut zugängliche Seiten und strukturierte Daten, die zentrale Zusammenhänge maschinenlesbar machen. Um im digitalen Raum stattzufinden, müssen Informationen nicht nur öffentlich, sondern auch anschlussfähig aufbereitet sein.
  3. Wikipedia und Wikidata professionell begleiten: Prüfen Sie, wie Ihr Unternehmen auf Wikipedia und in Wikidata dargestellt wird. Beobachten Sie Änderungen, identifizieren Sie Lücken und sorgen Sie dafür, dass belastbare, öffentlich zugängliche Quellen vorhanden sind. Wo Korrekturen oder Ergänzungen sinnvoll sind, sollten sie transparent, mit Quellen belegt und regelkonform eingebracht werden. Der Umgang mit Wikipedia ist nicht trivial, verdient aber gerade deshalb professionelle Aufmerksamkeit.

Selbst wenn Sie noch nicht bereit sind, Ihre Website oder Wiki-Darstellung aktiv zu verbessern, sollten Sie in jedem Fall mit dem Monitoring beginnen. Beobachten Sie systematisch, wie Ihr Unternehmen in KI-Systemen, auf Wikipedia und in Wikidata erscheint. Für diese Aufgabe kommen inzwischen auch spezialisierte Monitoring-Werkzeuge zum Einsatz. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für GEO relevant, sondern auch für die klassische Medien- und Reputationsarbeit.

Kommunale Unternehmen, die den digitalen Wissensraum systematisch beobachten und ihre Informationsbasis schrittweise verbessern, stehen nicht nur in Suchmaschinen und KI-Systemen besser da. Sie schaffen die Voraussetzungen für glaubwürdige Kommunikation in einer Öffentlichkeit, in der Quellen immer seltener direkt sichtbar sind.


Kommunikation ist Ihr Ding? Bei den comm.days versammelt sich das geballte Kommunikations-Know-how der Branche an einem Ort. Wir vernetzen die Akteur:innen – und bringen dieses einzigartige Netzwerk am 6. und 7. Mai 2026 erstmalig in Berlin zusammen! Hier denken wir kommunale Kommunikation gemeinsam weiter – strategisch, mutig und zukunftsorientiert. Hier geht es zur Anmeldung.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper