Als Reaktion auf die durch den Iran-Krieg erhöhte Volatilität im Gasgroßhandel hat der Nürnberger Regionalversorger N-Ergie den Energieeinkauf für Privatkunden seit Beginn der Kampfhandlungen ausgesetzt. Das kommunale Unternehmen beschafft strukturiert in kleinen Tranchen über das Jahr verteilt.
Man habe die ganzen hohen Preisspitzen vermeiden wollen, erklärte N-Ergie-Vorstanssprecher Maik Render bei der Bilanzpressekonferenz. Da der Preis für eine Megawattstunde Gas für das Kalenderjahr 2027 (THE Cal 2027) von 48 Euro zu Beginn der Krise auf mittlerweile 36 Euro gesunken sei, ist eine zeitnahe Wiederaufnahme der Tranchenbeschaffung in diesem Segment aber wahrscheinlich. Laut ZFK-Informationen haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Stadtwerke die Beschaffung ausgesetzt.
N-Ergie hält Endkundenpreise stabil
"Momentan sieht es eher nach einer Delle aus", so Render gegenüber der ZFK. Die Preise seien natürlich weiterhin deutlich höher als zu Beginn der Krise. Anders als bei der Energiekrise 2022/23, die vor allem eine europäische gewesen sei, habe bei diesem Konflikt aber die ganze Welt ein Interesse an einem schnellen Friedensschluss. Auch, weil der Rohölpreis signifikant gestiegen sei.
Die Endkundenpreise für Strom und Gas könne man bis auf Weiteres stabil halten, weil man gut mit Energie eingedeckt sei, bestätigte Vorständin Magdalena Weigl. Die Industriekunden warteten derzeit stärker ab und schauten, wie lange die Krise gehe.
Solides Ergebnis, rekordhohe Investitionen
Im deutschlandweiten Großkundenvertrieb bei dem N-Ergie nach eigenen Angaben zu den Top 4 in Deutschland gehört, hat auch im vergangenen Geschäftsjahr 2025 einen wesentlichen Beitrag zum Ergebnis der Geschäftstätigkeit von N-Ergie geleistet. Dieses fiel mit 161 Millionen Euro (2024: 180 Millionen Euro) etwas niedriger aus als 2024.
Maik Render begründete den Erlösrückgang mit einer Normalisierung der Energiemärkte im letzten Jahr nach den Verwerfungen durch die Energiekrise 2022/23. Auch 2025 habe man in zahlreichen Bereichen Marktchancen genutzt und ein gutes Ergebnis erzielt, so Render weiter. Der Gesamtumsatz ging preisbedingt auf 4,2 Milliarden Euro (2024: 5,04 Milliarden) zurück.
Die Investitionen kletterten im vergangenen Jahr erstmals über 300 Millionen Euro. Ausschlaggebend hierfür waren einerseits der Ausbau des Stromnetzes in der Region, andererseits die Umsetzung der Wärmewende in der Stadt Nürnberg. In den kommenden Jahren wird mit einem weiteren Anstieg der Investitionen gerechnet.
Interesse an Fernwärme-Ausbau ungebrochen
Um die steigenden Investitionsbedarfe stemmen zu können, kann N-Ergie erneut einen Teil des Ergebnisses thesaurieren. Das führt zu einem Anstieg der Eigenkapitalquote auf 27,4 Prozent. An die kommunalen Anteilseigner führt N-Ergie insgesamt 99,9 Millionen Euro ab: Davon gehen 74,7 Millionen Euro an die Städtische Werke Nürnberg, die Thüga erhält 25,2 Millionen Euro
Den Fernwärmeausbau treibt N-Ergie weiter voran und hat mittlerweile 56 Ausbaugebiete veröffentlicht. Drei Gebiete werden aktuell vermarktet. Die geplanten Änderungen im Gebäudeenergiegesetz, wie die Grüngasquote, machen dem N-Ergie-Chef dabei weniger Sorgen als manchen Stadtwerkeverantwortlichen in anderen Städten, ein Ausbremsen der Ausbauplanungen sieht er derzeit nicht.
Im Gegenteil. "Wir sehen hier weiterhin ein großes Interesse am Fernwärmeausbau, sowohl in der Wohnungswirtschaft als auch im Neubau", stellte Render klar. Er sehe außerdem einen "klaren Trend weg vom Gas hin zur Wärmepumpe". Im vergangenen Jahr habe man 2000 Gasanschlüsse stillgelegt und gerade einmal 35 neue Gasanschlüsse installiert.
Kraftwerksspeicher soll KWK-Produktion noch flexibler machen
Als entscheidenden Erfolgsfaktor in sämtlichen Geschäftsbereichen bezeichnete Render die Flexibilisierung. "Die Energiewirtschaft verändert sich gerade rasend schnell. Wir stellen uns dem Wandel und verfolgen in allen Geschäftsbereichen konkrete Projekte, um uns möglichst flexibel aufzustellen", sagte der Vorstandssprecher.
Mit überarbeiteten IT-Systemen und Digitalisierung in sämtlichen Prozessketten schaffe man die Voraussetzung für neue flexible Produkte, mit denen man punkten wolle. Dazu gehöre auch der geplante Kraftwerksspeicher in Nürnberg. In diesem könne man künftig auch den Strom aus der KWK-Produktion vor Ort zwischenspeichern und den Betrieb des Heizkraftwerks noch flexibler gestalten.
Magdalena Weigel unterstrich nochmals den Stellenwert von Flexibilität im Konzern. Die erfolgreiche Personalstrategie unterstütze die Transformation: "Wir bekennen uns zu einer Energiewende, deren Gelingen von einem starken, intelligent gesteuerten Stromnetz abhängt". Auch flexible Netzanschlussvereinbarungen und ein Pilotprojekt für den bayernweit größten netzdienlichen Batteriespeicher zahlten darauf ein.



