Die Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21) hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Ergebnis nach Steuern in Höhe von 27,8 Millionen Euro abgeschlossen – damit unterboten die Dortmunder das Vorjahresergebnis um fast 165 Millionen Euro. Der Grund ist das von einem Sondereffekt geprägte Ergebnis 2024. Der Verkauf der Anteile an der Essener Steag im Vorjahr spülte über 251 Millionen Euro in die Kasse.
Entsprechend zufrieden zeigte sich Vorstandsvorsitzender der DSW21 Jörg Jacoby im Gespräch mit Journalisten über die Performance im abgelaufenen Geschäftsjahr. "Der Jahresüberschuss von 128 Millionen Euro unterstreicht, dass wir 2025 paar Themen ganz gut in 2025 bewältigt haben."
Drei Gründe für positive Entwicklung
Als einen positiven Effekt für die Jahresbilanz führt die DSW21 die Auflösung der Pensionsrückstellungen auf, die mit 25,4 Millionen Euro doppelt so hoch ausfiel, als erwartet. Der Topf für Rückstellungen für die Altersversorgung ehemaliger Mitarbeitenden sei weiterhin mit über 600 Millionen Euro gefüllt.
Auch die Erlöse aus den Beteiligungen haben laut DSW21 einen positiven Beitrag geleistet. "Die Gelsenwasser ist auf einem extrem stabilen Wachstumskurs und bildet für uns mit 38 Millionen Beteiligungsertrag eine deutliche Säule", sagte Jacoby. Auch der Essener Konzern RWE habe 2025 als ein "absoluter Outperformer innerhalb des DAX" agiert, fügte er hinzu. Daran verdiente die DSW21 rund 17 Millionen Euro.
Außerdem profitierte DSW21 von der vollständigen Übernahme der Anteile an der Telekommunikationstochter Dokom21 von der Sparkasse (2 Prozent) und DEW21 (11 Prozent). Die Differenz zwischen dem gutachterlich ermittelten Wert der übertragenen Anteile und dem Buchwert in Höhe von11,9 Millionen brachte einen positiven Bilanzeffekt ein.
Der dritte und aus vielerlei Sicht zentrale Erfolgsfaktor für DSW21 war 2025 die Rückkehr der Energietochter DEW21 in die schwarzen Zahlen. Nach zwei Jahren ohne Gewinnabführung an den Mutterkonzern zahlte DEW21 über 31 Millionen Euro und damit acht Millionen Euro mehr als vorgesehen. An dem Gesamtergebnis von DSW21 machte der Beitrag der Energietochter 60,1 Prozent aus, erläuterte Jacoby.
DEW21 liefert wieder
Die Dortmunder Energiesparte DEW21 hatte neben den globalen Krisen in der Energiewirtshaft mit zwei großen Problemen zu kämpfen. Zum einen sorgte ein faustdicker Abrechnungsskandal bei der bundesweiten Vertriebstochter Stadtenergie neben Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe auch für einen immensen Imageschaden. Die Gesellschaft wurde inzwischen abgewickelt und der Vertrieb der Muttergesellschaft DEW21 meldet wieder Kundenzuwächse.
Diese Entwicklung wirkt nachhaltig. Demnach bleiben die Strom- und Gastarife des Versorgers von den Preisentwicklungen wegen der Iran-Krise unberührt, betonte Jacoby vor Journalisten. Wer aktuell einen Energieliefervertrag abschließe, profitiere von einer Preisgarantie für zwei Jahre. Preiserhöhungen seien nicht geplant.
Diese Entwicklung zeigt, dass auch die zweite interne Krise weitgehend überwunden worden ist. Denn Fehler in der Beschaffungsstrategie hatten während der Energiekrise für einen Millionenschaden gesorgt. DEW21 hatte zu viele Energiemengen zu teuer beschafft.
Ihre Auswirkungen belasteten auch in den Folgejahren die Tarife des Dortmunder Versorgers schwer. Eine juristische Auseinandersetzung mit der damaligen Geschäftsführerin von DEW21 und späteren Vorstandsvorsitzenden von DSW21 Heike Heim dauert noch an. Seitdem seien die internen Controlling- und Risikomanagement-Prozesse gründlich überprüft worden, die Transparenz, auch gegenüber dem Aufsichtsrat habe sich deutlich verbessert, erläuterte Jacoby.

"Sie haben viel erreicht – aber es bleibt auch noch viel zu tun"
Jörg Jacoby
Vorstandsvorsitzender DSW21
"Inzwischen sind die Tarife von den Altlasten der Vorjahre befreit", erklärte Jacoby auf ZFK-Nachfrage. Bis 2029 soll das Ergebnis von DEW21 rund 80 Millionen erreichen. "Das Jahr ein nach der Krise mit einem positiven Ergebnis" sei allerdings nur der erste Schritt auf dem Weg, den DSW21 mit dem weiteren Gesellschafter Westenergie für DEW21 vereinbart haben.
Zwei Jahre lang hatten die Unternehmen auf eine Gewinnabführung verzichtet und mit 100 Millionen Euro das Eigenkapital des Versorgers gestärkt. "Sie haben viel erreicht – aber es bleibt auch noch viel zu tun", dankte Jacoby der Belegschaft und dem Management von DEW21.
Verzicht auf Gewinnabführung ausgeschlossen
Wie ist der strenge Spar- und Effizienzkurs mit den finanziellen Herausforderungen bei DEW21 wie Wärme- und Energiewende vereinbar? Denn allein für die Wärmewende ist laut Schätzungen in Dortmund eine Milliarde Euro notwendig. "Es gibt einen Ergebnispfad und eine klare Erwartungshaltung der Gesellschafter, dass das Ergebnis auch weiter abgeführt wird", sagte Jacoby der ZFK. Das Ergebnis der Energiesparte sehr wichtig, um beispielsweise die Verluste in der ÖPNV-Sparte auszugleichen.
Diese Verluste erreichten im vergangenen Jahr Rekordausmaße und lagen bei 99,1 Millionen Euro. Nach 2020 sei der "Betriebsergebnis Verkehr" von einem Defizit zwischen 51 und 56 Millionen Euro massiv angewachsen. Trotz eines höheren Verkehrsaufkommens haben die wachsende Beschäftigtenzahl und die Höhe der Personalaufwendungen nach zwei Tarifrunden das Ergebnis deutlich belastet.
Realitätscheck: Belastungen vs. Ziele
Es gebe unter dem Strich erheblichen Investitionsbedarf und viele Anliegen, deren Finanzierung noch nicht final geklärt sei, führte Jacoby aus. Denn alle diese Verkehrs-, Wärme- und auch die Energiewende würden massive Anstrengungen erfordern. "Deshalb wollen wir uns jetzt auf den Weg machen und einen Realitätscheck durchzuführen."
Dieser soll helfen, die geplanten Konzernaktivitäten bis 2035 zu prüfen und die Frage zu beantworten: "Was davon ist realistisch umsetzbar und mit welchen Finanzmitteln?" Dafür sei ein intensiver Austausch mit den Stakeholdern, den Gesellschaftern und der Politik notwendig, mit dem Ziel, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und die Stärke des Gesamtkonzerns nochmal zu bündeln.






