Dr. Hanno Dornseifer und Dr. Stephan Tenge werden am 16.03.2023 in Saarbrücken fotografiert, Business, Shooting, IMageshooting.

Dr. Hanno Dornseifer und Dr. Stephan Tenge werden am 16.03.2023 in Saarbrücken fotografiert, Business, Shooting, IMageshooting.

Bild: © VSE

Ein Redispatch-Vorbehalt wäre der richtige Weg, um Systemkosten rund um die Energiewende zu senken. Der Vorstand des saarländischen Energieversorgers VSE bezog auf Nachfrage bei der Bilanzpressekonferenz klar Position zum Thema Synchronisierung von Netzausbau und Erneuerbarenzuwachs. "Wir sehen aktuell massiv negative Strompreise. Das ist eine Folge davon, dass massiv in Erneuerbare investiert wurde, ohne den notwendigen Ausbau der Netzinfrastruktur mitzudenken", erklärte Vorstand Hanno Dornseifer. Nach den Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sollen neue Erneuerbare-Energien-Anlagen in Engpassgebieten nur noch ans Netz, wenn sie zehn Jahre lang auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten. Als Engpassgebiet gilt ein Netzbereich, in dem im Vorjahr mindestens drei Prozent der Erzeugung abgeregelt wurden, sogenannter Redispatch.

Volle Erneuerbaren-Pipeline

Im Netzgebiet der VSE funktioniere die Synchronisierung von Netzausbau und Erneuerbarenausbau relativ gut, ergänzte der Technische Vorstand Stephan Tenge. Das hänge einerseits mit einer engen Zusammenarbeit mit den Behörden und Projektierern zusammen, andererseits auch damit, dass sich der Erneuerbarenausbau im Saarland auf einem anderen Niveau bewegt als etwa im Norden Deutschlands. Das soll sich ändern, auch durch die künftigen Investitionen der VSE.

Rund 126 Megawatt (MW) installierte Erneuerbarenkapazität im Windbereich und rund 25 Megawatt im Solarbereich umfasst das Portfolio derzeit. Projektiert und geplant sind aktuell aber weitere Projekte mit einem Gesamtumfang von rund 280 MW. Allein 70 Millionen Euro sollen in diesen Bereich in den kommenden drei Jahren investiert werden. Auch 18 Millionen Euro für die ersten beiden Batteriespeicherprojekte sind eingeplant.

Rekordinvestitionen in den nächsten drei Jahren geplant

"Flexibilität und Flexibilisierung ist die neue Währung im System, die wir brauchen", bekräftigte Dornseifer. Beide Projekte seien umsetzungsreif, mit einer Investitionsentscheidung hält sich der Energieversorger aber zurück bis Klarheit über die künftige, konkrete Ausgestaltung der Netzentgelte (Stichwort AGNES-Prozess) besteht. Sollten für Batteriespeicher bereits rückwirkend – sprich vor 2028 – Netzentgelte zu zahlen sein, könne das wirtschaftliche Risiko zu hoch sein, so Dornseifer.

VSE plant für die kommenden drei Jahre über das ganze Unternehmen gesehen mit Rekordinvestitionen in Höhe von 500 Millionen Euro, rund 300 Millionen Euro sollen dabei in den Netzausbau fließen. Die Resilienz und der physische Schutz kritischer Infrastruktur werde dabei als Standortfaktor immer wichtiger. Die Absicherung der eigenen Anlagen sei ein Fokusthema für das Unternehmen, das in zwei konkreten Projekten an einer weiteren Optimierung der Resilienz arbeite. "Auf diesen Projekten ist richtig Druck drauf", versicherte Dornseifer.

Die VSE sieht sich beim Netzausbau als wichtiger Partner bei der Dekarbonisierung der saarländischen Stahlindustrie. Der Standort Völklingen benötigt künftig mehr als das Vierfache der bisherigen Netzkapazität von 70 Megawatt. Hier liege man im Plan und werde dies gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion bis 2028 umsetzen, erklärte Stephan Tenge.

Übernahme zweier Handwerksbetriebe

Die beiden VSE-Vorstände blickten auf ein "zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2025" zurück. Der Umsatz blieb mit rund 1,3 Milliarden Euro nahezu konstant, ebenso der Stromabsatz mit knapp 4,13 Gigawattstunden (GWh), der Gasabsatz sank preisbedingt gegenüber dem Vorjahr leicht auf 7,25 GWh. Ein Jahresergebnis gibt die Eon-Tochter traditionell nicht bekannt.

Neben der Netzinfrastruktur und den Erneuerbaren investiert das Unternehmen weiterhin kräftig in den Glasfaserbereich (hier vor allem in "Fiber to the home") und Telekommunikation. Die Marktposition der VSE-Tochter Energis wurde durch Übernahme zweier regionaler Handwerksbetriebe ausgebaut, 40 Mitarbeitende wurden in diesem Zuge übernommen. Energis soll zu einem Rundumversorger ausgebaut werden.

Erste Erfolge bei Qualifizierungs-Initiative "VSE-Akademie"

Knapp 1800 Mitarbeitende waren im Geschäftsjahr 2025 für VSE tätig, diese Zahl soll in den nächsten Jahren noch einmal leicht steigen und 2028 ihren Peak erreichen. Knapp 200 neue Beschäftigte wurden im vergangenen Jahr eingestellt. Auch wenn künstliche Intelligenz eine wachsende Rolle im Unternehmen spielt, gerade als Alternative zu manuellen Massenprozessen, rechnet Hanno Dornseifer nicht mit einem signifikanten Abbau von Stellen.

Zusätzliche Fachkräfte für den Netzbereich will das Unternehmen auch mit seiner im vergangenen Jahr gegründeten VSE-Akademie gewinnen. Das Angebot soll Quereinsteiger mit und ohne Berufsausbildung für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Der erste Lehrgang mit 15 Teilnehmenden wurde mittlerweile erfolgreich abgeschlossen, neun von ihnen wurden von Partnerunternehmen aus energienahen Branchen übernommen. Aus dem laufenden, zweiten Kurs sollen Teilnehmende künftig auch von VSE übernommen werden. Das Pilotprojekt soll im gesamten Eon-Konzern ausgerollt werden.

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