Aktuell dominieren im Graustromsegment klar die 2-Stunden-Batterien. Dies liegt hauptsächlich am gegenwärtigen Marktumfeld. Genauer gesagt an den kurzfristigen, intensiven Preissignalen der Großhandelsmärkte – Day-Ahead und Intraday. Diese begünstigen BESS-Systeme mit höheren C-Raten, da diese kurzfristige, hohe Preisspitzen nach oben und unten besser als ihre 4h-Pendants einfangen können. 4-Stunden-Systeme weisen demgegenüber eine geringere C-Rate auf und unterscheiden sich entsprechend in ihrer Vermarktungslogik. Sie sind weniger auf einzelne, sehr kurzfristige Preissignale angewiesen und nutzen stärker Erlöspotenziale über längere Zeiträume. Entsprechend spielt bei ihnen die Vermarktung in den Regelleistungsmärkten – insbesondere der Sekundärregelleistung – eine größere Rolle. Zwar erzielen 4h-Systeme im absoluten Vergleich höhere Gesamterlöse, diese steigen jedoch nicht proportional zu den zusätzlichen Investitionskosten der größeren Kapazität.
Warum der Blick auf den Status quo nicht ausreicht
Die Wahl der Speichertiefe sollte jedoch nicht allein auf Basis der heutigen Marktbedingungen erfolgen. Angesichts der aktuellen Zubau-Dynamik bei Batteriespeichern und der Beibehaltung einer einheitlichen deutschen Gebotszone ist davon auszugehen, dass es mittelfristig zu Restriktionen in der BESS-Vermarktung kommen könnte. Netzseitig stellen die häufig wechselnden Einspeise- und Bezugspositionen von Flexibilitäten eine zunehmende Herausforderung für die Lastflussprognosen dar. Regulatorische Eingriffe erscheinen daher perspektivisch nicht unwahrscheinlich. Neben bekannten Instrumenten wie der Begrenzung von Rampen könnten auch Anpassungen der Marktregeln denkbar sein, etwa eine Verkürzung der Intraday-Handelszeiten. Derzeit können Batterien ihre Positionen bis kurz vor Lieferung anpassen oder durch gegenläufige Trades neutralisieren. Diese rein virtuellen Swing-Trades sind für Batteriespeicher besonders attraktiv, da sie hohe Erlöse ermöglichen, ohne physische Zyklen und damit Alterungskosten zu verursachen.
Modellierung zeigt unterschiedliche Resilienz
Um die Auswirkungen einer solchen Einschränkung zu quantifizieren und die Bedeutung der Speichertiefe systematisch zu bewerten, wur
de die Vermarktung von Standard-Batteriespeichern für die Jahre 2026, 2030 und 2035 modelliert. Berücksichtigt wurden sämtliche relevanten Marktsegmente. Als Referenz diente das Montel-Central-Szenario, das die aktuelle energiepolitische Beschlusslage abbildet. Im Sensitivitätsszenario wurde ausschließlich die Intraday-Vermarktung auf drei Stunden vor Lieferung begrenzt, während alle übrigen Annahmen unverändert blieben.
Die Ergebnisse verdeutlichen, warum die Wahl der Speichertiefe eine strategische Entscheidung ist. Die Erlöse von 2h-Systemen sinken im Durchschnitt um rund 16 Prozent und fallen auf etwa 130.000 Euro pro installierte Megawatt. 4h-Systeme zeigen sich deutlich robuster: Ihre Gesamterlöse gehen lediglich um rund elf Prozent zurück und erreichen weiterhin etwa 190.000 Euro pro Megawatt.
Diese Robustheit lässt sich vor allem dadurch erklären, dass ein Teil der geringeren Großhandelserlöse durch eine stärkere Fokussierung auf die Sekundärregelleistungsmärkte kompensiert werden kann – zumindest, solange dort attraktive Preisniveaus bestehen. Zudem verändern sich im Sensitivitätsszenario zwar die extremen Preisspitzen, systematische Preissignale über mehrere Stunden bleiben jedoch erhalten. Genau diese können 4h-Systeme besser nutzen als kürzere Speicher.
Auch wenn es sich bei dieser Sensitivität erst mal um ein reines Gedankenexperiment handelt, verdeutlicht es doch eines: Die Dominanz von 2h-Systemen ist vor allem eine Momentaufnahme. Wer Batteriespeicher ausschließlich auf der Basis der heutigen Erlöslogik auslegt, läuft Gefahr, zukünftige Markt- und Regulierungstrends zu unterschätzen.



