Blick auf den Kühlturm des Steinkohlekraftwerks Rostock. Dieser Standort könnte für den Bau eines neuen, auf Wasserstoff umrüstbaren Gaskraftwerks infrage kommen.

Blick auf den Kühlturm des Steinkohlekraftwerks Rostock. Dieser Standort könnte für den Bau eines neuen, auf Wasserstoff umrüstbaren Gaskraftwerks infrage kommen.

Bild: © Treegarden Photos/AdobeStock

Geht es nach dem Bundeswirtschaftsministerium, sollen die Ausschreibungen für neue, auf Wasserstoff umrüstbare Gaskraftwerke möglichst noch dieses Jahr beginnen. Und tatsächlich ist schon jetzt so mancher Großkonzern vorgeprescht, selbst wenn die genauen Rahmenbedingungen weiterhin offen sind.

So will der Kraftwerksbetreiber Iqony, früher Steag, bis zu 2,5 GW zubauen. Bei RWE sollen es sogar 3 GW werden. Als weitere Interessenten gelten unter anderem die Konzerne Uniper, Leag und Statkraft. Doch wie sieht es bei kommunalen Mitbietern aus?

Mainova: KWK-Anlagen im Vordergrund

Bislang ist das Interesse eher überschaubar, wie eine ZfK-Umfrage bei einem halben Dutzend großer Stadtwerke zeigt. Beispiel Frankfurt, wo Versorger Mainova der Platzhirsch ist. Dort stehen nach eigenen Angaben in der Erzeugung Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Vordergrund.

"Gleichzeitig bauen wir bestehende Kraftwerksleistung auf ein [auf Wasserstoff umrüstbares] Gaskraftwerk um", teilt eine Mainova-Sprecherin mit. "Auch dürfte die H2-Modernisierung unserer Kraftwerksbeteiligungen relevanter werden als eine weitere Neuinvestition." Mainova ist zu einem Viertel am Gemeinschaftskraftwerk Bremen (445 MW) beteiligt. Zudem hält es 15 Prozent der Anteile an einem der Gaskraftwerke im bayerischen Irsching.

Stadtwerke München: "Kaum Möglichkeiten"

Auch die Stadtwerke München sehen "kaum Möglichkeiten", neue, auf Wasserstoff umrüstbare Gaskraftwerke zu bauen. Die vorhandenen Standorte seien entweder ungeeignet oder bereits für die Wärmewende vorgesehen, zählt ein Sprecher auf. Die Entwicklung neuer Standorte würde genehmigungstechnisch mindestens ein halbes Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Die Ressourcensituation sei extrem eng.

Und: Nach derzeitigem Stand zweifeln die Stadtwerke München an der Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts. "Hier müssen aber noch die Ausformulierungen der Kraftwerksstrategie abgewartet werden", heißt es.

Absage aus Krefeld

Abwarten wollen auch die Hamburger Energiewerke. Dasselbe gilt für die Nürnberger N-Ergie. "Gut wäre es, die im Rahmen der Kraftwerksstrategie vorgesehene Ausschreibungslogik dahingehend zu überdenken, dass nicht nur große Kraftwerksblöcke sondern auch kleinere Anlagen durch Stadtwerke möglich sind", riet jüngst N-Ergie-Chef Maik Render im ZfK-Interview.

Eine klare Absage wiederum kommt aus Krefeld. "An der Ausschreibung werden wir uns nicht beteiligen", heißt es bei den dortigen Stadtwerken.

Rheinenergie prüft Neubau in Rostock

Auch der Kölner Versorger Rheinenergie plant im Rahmen seiner Wärmestrategie keinen weiteren Zubau von Gaskraftwerken. "Wir setzen auf Großwärmepumpen, vor allem mit Flusswasser als Umweltenergiemedium."

Allerdings ist Rheinenergie auch zu knapp 50 Prozent am Steinkohlekraftwerk in Rostock beteiligt. Die restlichen Anteile hält der baden-württembergische Energiekonzern EnBW. "Für diesen Standort wird aktuell geprüft, ob die Ausschreibungen über die [Kraftwerksstrategie] ein geeignetes Format für einen Neubau sein können", verrät ein Unternehmenssprecher.

Trianel plant Wasserstoffkraftwerk

Eine ganze Reihe von Stadtwerken könnte an Bord sein, wenn sich die Aachener Kooperation Trianel entscheidet, an den Ausschreibungen teilzunehmen. Am bereits bestehenden Gaskraftwerk in Hamm etwa sind mehr als zwei Dutzend Kommunalunternehmen beteiligt, darunter die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, die Stadtwerke Bonn und die Rhönenergie in Fulda. Und Planungen für den Bau eines zusätzlichen, wasserstofffähigen Blocks laufen bereits. (Die ZfK berichtete.)

Doch auch den Aachenern sind die Ampel-Auktionspläne noch zu unkonkret. "Es heißt insofern weiterhin abwarten und beobachten", schrieb Trianel-Chef Sven Becker kurz nach Bekanntgabe der Koalitionseinigung auf Linkedin. (aba)

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