Wichtige Einrichtungen der Daseinsvorsorge: Die beliebte Eissporthalle und der Bäderkomplex der Stadtwerke Aschaffenburg liegen direkt am Main, im Hintergrund das Aschaffenburger Schloss.

Wichtige Einrichtungen der Daseinsvorsorge: Die beliebte Eissporthalle und der Bäderkomplex der Stadtwerke Aschaffenburg liegen direkt am Main, im Hintergrund das Aschaffenburger Schloss.

Bild: © Stadtwerke Aschaffenburg

Von Hans-Peter Hoeren

Die Eissporthalle in Aschaffenburg hat fast 100.000 Besucher im Jahr. Das Einzugsgebiet reicht weit über die Stadt hinaus. Aus einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern kommen die Besucherinnen und Besucher. Dennoch beträgt das jährliche Defizit rund 300.000 Euro. "Die Bedeutung der Eissporthalle für die Lebensqualität und das Freizeitangebot in Stadt und Umgebung ist hoch", sagt Stefan Maunz, Vorsitzender der Werkleitung der Stadtwerke Aschaffenburg.

Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in der Halle muss diese nun saniert werden. Die Kostenschätzung für dieses Projekt liegt bei vier bis fünf Millionen Euro. Wegen der dringenden Sanierungarbeiten ist die Halle voraussichtlich bis Herbst kommenden Jahres geschlossen.

"Wir haben sehr für die Sanierung gekämpft, der Aufsichtsrat hat trotz der steigenden Defizite die Maßnahme letztlich voll mitgetragen", sagt Maunz. 

Bild: © Stadtwerke Aschaffenburg

Um solche defizitären Einrichtungen aber auch künftig dauerhaft tragen zu können, benötige man eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals in der Energiesparte. "Ist das nicht gegeben, benötigen wir entweder Unterstützung von der Kommune oder wir müssen im Bereich der Daseinsvorsorge unsere Angebote reduzieren", warnt der Werkleiter.

Sorgen machen ihm vor allem die geplanten Änderungen im Effizienzverfahren der Bundesnetzagentur im Netzbereich (Nest-Prozess). Die Bundesnetzagentur möchte die Art, wie die Effizienz von Netzbetreibern ermittelt und verglichen wird, überarbeiten. "Solche Statistikverfahren haben grundsätzlich eine große Unschärfe. Die systematische Verschlechterung beim Effizienzwert verbunden mit der Verkürzung des Effizienzpfads hat signifikante Auswirkungen auf unsere Netzerlöse. Wenn das so kommt, könnten wir mindestens zehn Prozent unserer Netzentgelte verlieren", verdeutlicht er.

Investitionen in Stromnetz haben sich verdreifacht

Er rechne damit, dass die Negativeffekte leicht die gesamte Eigenkapital-Verzinsung für die Stromnetze aufzehren können. Dem stehe eine steigende Stromlast im Netz gegenüber, die Investitionen in die Leistungsfähigkeit der Netzinfrastruktur hat die Stadtwerke-Energietochter Aschaffenburger Versorgungs GmbH (AVG) verdreifacht. "Auf Dauer wird eine Finanzierung dieser enormen Investitionen so kaum mehr möglich sein."

Deutliche Kritik übt Maunz in diesem Kontext am generellen Geschäftsgebaren der Bonner Kontrollbehörde. Sie schaffe es nicht, die Überregulierung abzubauen. "Stattdessen kommt immer noch etwas drauf. Die Bundesnetzagentur hat keine einzige Regelung geschaffen, die irgendetwas einfacher gemacht hat", sagt Maunz.

"24-Stunden-Lieferantenwechsel hilft niemandem"

Beispielhaft nennt er den Lieferantenwechsel innerhalb von 24 Stunden. Diese neue Regelung helfe niemandem, sie schade den Kunden, den Versorgungsunternehmen und dem Markt. "Trotz der Warnungen von Praktikern wird das von der Bundesnetzagentur erzwungen – völlig absurd."

Maunz verweist auf die regelmäßige Energiekosten-Analyse der AVG. Demnach ist der eigentliche Strom- und Gaspreis seit 2023 klar gesunken. Doch bei den Verbrauchern komme davon nichts an – weil die steigenden Netzentgelte den sinkenden Preis komplett aufzehrten. Hier helfe kein Lieferantenwechsel wie schnell auch immer, sondern nur eine Begrenzung der Netzentgelte und Abgaben, die auf den Energiepreis kommen.

Steigende Kosten im ÖPNV

Mit einer weiteren großen finanziellen Herausforderung sei das kommunale Unternehmen bei der Verkehrswende konfrontiert. Die Kosten des Busbetriebs seien 2024 gestiegen, gleichzeitig gingen in Folge des Deutschlandtickets die Umsätze zurück. Abo-Fahrscheine wie die Monatskarte ließen sich kaum noch verkaufen. Die Ausgleichszahlungen reichten nicht aus, um die steigenden Kosten für Personal, Treibstoffe und alternative Antriebsarten mit der möglichen Infrastruktur zu finanzieren.

Eine Mammutaufgabe bleibe auch die Wärmewende. Da gehe es für die Stadtwerke nicht nur um die Frage, wie die Aschaffenburger künftig mit Wärme versorgt werden, sondern auch um die Rolle des Gasnetzes.

Regionale Wasserstoff-Strategie

Die AVG-Geschäftsführung befürwortet die geplante regionale Wasserstoff-Strategie und den Anschluss der Region an das geplante überregionale Wasserstoffnetz. Gemeinsam mit weiteren regionalen Energieversorgern will man Wasserstoff als einen der Energieträger der Zukunft in die Region holen.

Konkret geht es um den Anschluss an die geplante Flow-Leitung, die vom Ostseehafen Lubmin bis zu BASF nach Ludwigshafen verlaufen soll. Diese Wasserstoff-Hauptleitung von Nordost- nach Südwestdeutschland soll unter anderem an Frankfurt vorbeiführen. Hier sehen die Versorger ihre Chance für eine regionale Abzweigung.

Stadtwerke verfügen über eine solide Eigenkapitalquote

Aktuell befänden sich die Stadtwerke Aschaffenburg noch auf einer finanziell soliden Basis und können die hohen Investitionen noch aus eigener Kraft finanzieren. Nach einer Eigenkapitalerhöhung der AVG mit Finanzmitteln des Eigenebetriebs Stadtwerke Aschaffenburg liegt die Eigenkapitalquote bei 40 Prozent. 

Trotz befürchteter Verluste gab es 2024 einen Jahresüberschuss

Das vergangene Geschäftsjahr haben die Stadtwerke Aschaffenburg mit einem Gewinn von 2,2 Millionen Euro (2023: 2,4 Millionen) abgeschlossen. Im Wirtschaftsplan war man ursprünglich von roten Zahlen ausgegangen. Doch vor allem, weil das Verkehrsdefizit niedriger ausgefallen ist als ursprünglich kalkuliert, steht unter dem Strich ein Überschuss, den die Stadtwerke thesaurieren dürfen. Grund dafür sind höhere Fördermittel und Ausgleichszahlungen im Zusammenhang mit dem Deutschlandticket.

Dies ist vor allem auch mit Blick auf die steigenden Investitionsherausforderungen wichtig. Diese summierten sich 2024 auf 28 Millionen Euro, allein 18 Millionen Euro entfallen auf den Netzausbau. Die Aschaffenburger Versorgungsgesellschaft erwirtschaftete einen Überschuss von 10,2 Millionen Euro (2023: 10,7 Millionen). Mit dem AVG-Gewinn werden die Verluste der Bäder- und Eissporthallen Gesellschaft (- 2,3 Millionen) und des Verkehrsbetriebs (- 6,8 Millionen) ausgeglichen. 

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