Torsten Brose ist Abteilungsleiter Vertriebslösungen bei der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew).

Torsten Brose ist Abteilungsleiter Vertriebslösungen bei der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew).

Bild: © Asew

Herr Brose, nicht nur mit Blick auf das Thema Preiskalkulation sind Stadtwerke seit Monaten im Vertrieb gefordert. Themen wie Energieeffizienz und Energieberatung sind in aller Munde. Was für Chancen sehen Sie hier für die Stadtwerkevertriebe?

Torsten Brose: Die Nachfrage nach Energieeffizienzleistungen hat seit dem Herbst deutlich zugenommen. Vor allem PV-Anlagen und E-Mobilitätlösungen werden sehr stark nachgefragt. Gerade mit Blick auf die hohen Energiepreise sollten Stadtwerke diesen Bereich jetzt noch stärker in den Fokus nehmen, weil dieser auch noch stärker nachgefragt wird. In den letzten Jahren hat man bei Preiserhöhungen vielleicht den Tarif gewechselt oder den Versorger. Wie man seinen Verbrauch reduzieren kann, war zweitrangig.

Und wie ist die Situation aktuell?

Jetzt ist die Situation eine ganz andere. Der Kunde bekommt eine Preiserhöhung und wenn er auf die Preisportale schaut, sieht er, dass andere Anbieter in der Regel noch teurer sind. Das heißt, man kann auch durch einen Tarif- und Versorgerwechsel nicht mehr Geld sparen. Und wenn ich halt nicht mehr zahlen möchte, muss ich meinen Verbrauch reduzieren. Und das ist eigentlich ein guter Anknüpfungspunkt, den die Stadtwerke jetzt aufgreifen sollten. Insbesondere diejenigen, die sich im Bereich Energiedienstleistungen schon gut positioniert haben.

Aus welchen Kundensegmenten kommt der Nachfragezuwachs?

Da geht es nicht allein um Privatkunden. Auch im bei den Gewerbe- und Geschäftskunden zieht die Nachfrage deutlich an, um durch Eigenerzeugung durch Photovoltaik die Stromkosten zu senken. Auch wird Mieterstrom verstärkt von der Wohnungswirtschaft angefragt. Mit Blick auf das Thema Energieunabhängigkeit von Russland gehen viele Kunden auch verstärkt Richtung Wärmepumpen.

Einige Stadtwerke können für PV-Anlagen für das laufende Jahr schon gar keine Angebote mehr machen.

Gibt es Stadtwerke im Asew-Netzwerk, die jetzt konkret den Bereich Energiedienstleistungen weiter entwickeln wollen?

Der Energiedienstleistungs-Markt hat so stark angezogen, dass viele Stadtwerke vor der Herausforderung stehen, wie sie die ganze Nachfrage zeitnah abwickeln können. Da spielt auch das Thema Fachkräftemangel rein. Zudem sind gewisse Komponenten schwer zu bekommen, weil die Zulieferer Lieferschwierigkeiten haben. Man bekommt auch nicht so schnell so viele Wallboxen oder PV-Anlagen und die Auftragsabarbeitung gerät ins Stocken.

Die hohe Nachfrage führt außerdem dazu, dass sich beispielsweise die Modulpreise für PV-Anlagen deutlich erhöht haben. Bei einigen Stadtwerken ist es mittlerweile so, dass man für das Jahr 2022 schon gar keine Angebote mehr machen kann, da auch vor der Krise die entsprechenden Fachpartner mit ihren Installationskapazitäten an ihre Grenzen gestoßen sind.

Erste Stadtwerke haben ihr Portfolio im Bereich Wärmepumpen sehr modular aufgebaut.

Die Bundesregierung hat zusätzliche Anreize geschaffen, von denen der Vertrieb von Energiedienstleistungen und Contractingangebote profitieren könnten. Bereits 2024 sollen neue Heizungen einen Energieanteil von 65 Prozent aufweisen müssen. Es ist eine Wärmepumpenoffensive geplant.

Aktuell werden pro Jahr in etwa 150.000 Wärmepumpen verbaut, um die Klimaziele zu erreichen, müssten es aber deutlich mehr sein (etwa das drei- bis vierfache). Das wird zusätzlich enorm durch den Fachkräftemangel erschwert. Ein großes Thema bei einigen Stadtwerken ist aktuell sicher der Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes rund um Wärmepumpen. Allein weil Kunden häufiger danach fragen.

Wie viele Stadtwerke haben denn bereits Wärmepumpen im Vertriebsportfolio?

Einige wenige Unternehmen sind da schon mit ersten Produkten im Markt. Wir haben einige Stadtwerke in unserem Netzwerk, die Heizungen contracten, auch für Ein- und  Zweifamilienhäuser. Die müssen sich Gedanken machen, wie das Angebot ab 2024 aussehen soll, wenn der Anteil erneuerbarer Energien bei 65 Prozent liegen muss und dann gegebenenfalls Kunden vor allem nach Wärmepumpen fragen sollten. Erste Stadtwerke haben ihr Portfolio in diesem Bereich schon sehr modular aufgebaut.

Im Geschosswohnungsbau wird künftig die Fernwärme den Vorrang haben.

Wie kann ich mir diesen modularen Aufbau konkret vorstellen?

Man kann zum Beispiel einen Erdgaskessel contracten oder einen Erdgaskessel mit Solarthermie oder mit Wärmepumpe oder nur eine Wärmepumpe. Während die Wärmepumpen bei Neubauten häufig zum Einsatz kommt, ist der Aufwand bei Bestandsgebäuden deutlich höher. Für eine gute Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe ist eine geringe Vorlauftemperatur erforderlich, die nur mit Flächenheizungen wie beispielsweise einer Fußbodenheizung zu realisieren ist. Darüber hinaus ist die Wärmepumpe im innerstädtischen Gebiet im Bereich des Geschosswohnungsbaus ungeeignet. Hier wird künftig die Fernwärme Vorrang haben.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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