Der Bereich Kommunalfinanzierung bleibt für die große Mehrheit der privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Finanzinstitute ein attraktives Geschäftsfeld. 19 Prozent der Kommunal-Experten der Banken bewerten diesen Bereich als sehr attraktiv (Vorjahr: 10 Prozent), 23 Prozent (35) als attraktiv und 27 Prozent (28) als eher attraktiv. Über 62 Prozent der Befragten gehn davon aus, dass die Attraktivität der Kommunalfinanzierugen in den nächsten Jahren zunehmen wird. Das zeigt das "Kommunal-Barometer 2020" des digitalen Marktplatzes CommneX aus München. Dieses beruht auf einer Online-Befragung von Kämmerern, Finanzentscheidern kommunaler Unternehmen sowie von Kommunal-Experten diverser Finanzinstitute. Begleitet wurde die Studie von Professor Dirk Schiereck, Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung der TU Darmstadt.
Interesse an kommunalen Einlagen
Laut der Mehrheit der befragten Bankexperten zeigen Kommunen und kommunale Unternehmen derzeit aber noch relativ wenig Offenheit für neue Wege in der Finanzierung. Es wird aber erwartet, dass das Engagement der Kommunen und der Kommunalwirtschaft auf dem Kapitalmarkt in den nächsten fünf Jahren zunehmen wird, beispielsweise durch die Emission von Schuldscheinen oder Anleihen. Potenzial nach oben besteht laut den Finanzexperten auch im Einlagenbereich. Ab einer Laufzeit von einem bis hin zu zwölf Monaten und zum Teil auch darüber hinaus sind kommunale Einlagen für die Banken interessant. Aktuell verzeichneten aber nur 22 Prozent der befragten Institute Tagesgeld- und Festgeldkonten von Kunden aus der Kommunalwirtschaft, bei weiteren sieben Prozent der Banken wurden Tagesgeldkonten unterhalten sowie bei weiteren 15 Prozent Festgeldkonten.
Erste Blockchain-Transaktion in drei bis fünf Jahren?
Die Hälfte der befragten Institute hat bei Ausschreibungen einer Kommune oder eines kommunalen Unternehmens bereits mehrfach über einen digitalen Marktplatz Angebote abgegeben. Weitere zwölf Prozent mindestens einmal. Noch interessanter würde die Nutzung laut der Kommunal-Experten der Banken, wenn diese zu sinkenden Transaktionskosten, einer weiteren Personal- und Zeitersparnis und einem direkten überregionalen Zugang zu öffentlichen Kreditnehmern führten. Die erste marktreife Transaktion auf Basis der Blockchain-Technologie erwarten die Finanzfachleute in den nächsten drei bis fünf Jahren.
Digitale Marktplätze: Was Kämmerern wichtig ist
Mittlerweile schreibt jede vierte Kommune ihren Finanzbedarf auf digitalen Marktplätzen aus. Die Mehrheit der Kämmerer legt bei der Auswahl der Online-Plattform vor allem Wert auf Transparenz, Unabhängigkeit und Datensicherheit. 84 Prozent der befragten Kämmerer gaben an, die Möglichkeit der Ausschreibung über Online-Kreditplattformen zu kennen. "Schon jetzt ist die Digitalisierung das Kernthema der modernen Verwaltung. Gleichzeitig steigt der Finanzierungsbedarf, Kommunen und Unternehmene müssen verstärkt auf Kosten achten", erklären die CommneX-Geschäftsführer Friedrich von Jagow und Carl von Halem. Die einfache und schnelle Bearbeitung in Kombination mit den besten erhältlichen Konditionen seien "ganz klare Argumente" für digitale Marktplätze.
CommneX: Neue Zins- und Anlageprodukte für Kommunen
Das Fintech CommneX versteht sich als der digitale Marktplatz für den Finanzierungs- und Einlagebedarf der öffentlichen Hand in Deutschland und Österreich. Auf der digitalen Ausschreibungs- und Vermittlungsplattform werden Finanzprojekte von Kommunen, anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften und kommunalnahen Unternehmen mit Finanzpartnern wie Banken, Versicherungen und institutionellen Investoren zusammengeführt. Seit einigen Wochen bietet das Unternehmen neben Bausparprodukten jetzt auch Zins- und Anlageprodukte für Kommunen und kommunalnahe Unternehmen an. Gestartet wurde mit einem Anlageprodukt einer großen deutschen Versicherung für eine langfristige Kapitalanlage. Dieses ist laut CommneX auf die Bedürfnisse der öffentlichen Wirtschaft zugeschnitten, da das Kapital garantiert und gesetzlich abgesichert ist. (hoe)



