Florian Meyer-Delpho ist ein umtriebiger Unternehmer und Gründer, der sich immer wieder gerne neu erfindet. Er war Mitgründer des Online-B2B-Marktplatzes für PV-Komponenten "pvXchange", sowie Gründer des Energiedienstleisters Greenergetic, der 2019 an Innogy verkauft wurde. Als 2019 Fachkräfte für Energiewende knapp wurden, gründete er die Montage-Plattform Installion.
Diese wurde im vergangenen Jahr vom Ökostromanbieter Lichtblick gekauft und mittlerweile mit dem Unternehmen verschmolzen. An neuen Geschäftsideen sieht Meyer-Delpho aber keinen Mangel. So sieht er ab 2024 einen "starken Bedarf an Finanzierungs- und Liquiditätslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette". Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit der ZfK.
"Lichtblick schließt zu den großen Playern der Branche auf."
Florian Meyer-Delpho, der Ökostromanbieter Lichtblick hat das von Ihnen gegründete Unternehmen Installion mit dem Bereich Energy-as-a-Service zu einem neuen Player verschmolzen. Wie schlagkräftig ist dieser im Vergleich zu den großen Energie-Start-ups wie Enpal oder 1 Komma 5 Grad, wo liegen die besonderen Stärken?
Meyer-Delpho: Lichtblick hat sich über die letzten Monate und Jahre durch die Gründung neuer Geschäftsfelder sowie strategischen Zukäufen von einem reinem Öko Commodity Anbieter für Strom und Gas zu einem integrierten Energiedienstleistungsunternehmen gewandelt. Installion ist dabei ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie: Die Energiewende ist dezentral, digital und erneuerbar.
Um intelligente Kleinkraftwerke bundesweit zu errichten, braucht es Installations- und Montagekapazitäten. Die Systeme von 1 Komma 5 Grad und Enpal zeichnen sich über die Intelligenz einer zentralen, netzdienlichen Steuerung aus, verbunden mit einem abgestimmten Produktportfolio. Das ist ein entscheidender Unterschied zu den meisten sonstigen Anbietern am Markt. Mit der Strom-Wallet hat Lichtblick ein führendes virtuelles Speicherprodukt mit intelligenter Energiemengensteuerung etabliert und schließt mit Installion zu den großen Playern der Branche auf.
"Auch aus dem noch zu verabschiedenden Solarpaket sollten sich sehr spannende Geschäftsmodelle ableiten lassen."
Sie scheiden als CEO von Installion aus. Das haben Sie in der Vergangenheit auch bei anderen von Ihnen mitgegründeten Unternehmen wie Greenergetic so praktiziert. Was sind Ihre nächsten Projekte und Vorhaben?
Ich bin passionierter Gründer und liebe es, Marktentwicklungen zu antizipieren und Lösungen dafür zu entwickeln. Nachdem wir zwischen 2004-2011 Knappheit bei PV- und Wechselrichter- Komponenten weltweit hatten, wurde zwischen 2012-2018 der Endkunde zum knappen Gut, 2019 schließlich wurden Fachkräfte Mangelware.
Ab 2024 sehe ich starken Bedarf an innovativen Finanzierungs- und Liquiditätslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Aber auch aus dem noch zu verabschiedenden Solarpaket sollten sich sehr spannende Geschäftsmodelle ableiten lassen, die die Energiewende deutlich beschleunigen können. Einige davon unterstütze ich seit Monatsanfang schon.
Wie hat sich Installion seit der Übernahme durch Lichtblick operativ entwickelt?
Lichtblick hat in Installion kräftig investiert und die Finanzkraft war bei der durchaus herausfordernden Marktlage ab Sommer 2023 eine große Hilfe, um gemeinsam zu wachsen. Mit den bestehenden Standorten können wir bereits rund 80 Prozent des deutschen Marktes abdecken. Die Strategie des Unternehmens ist nun deutlich stärker mit der Marke Lichtblick verknüpft, was uns als Teil einer ganzheitlichen Lösung im Markt erscheinen lässt.
"Spirit und Mindset zwischen Lichtblick und Installion passen weiterhin exzellent zusammen."
Wie ist die Integration von Installion bei Lichtblick verlaufen? Hat sich der cultural und strategic fit bewahrheitet und welche Strategie verfolgt Lichtblick jetzt konkret mit Installion?
Der cultural und strategic Fit hat sich zu 100 Prozent bewahrheitet, das zeigt nun auch der Zusammenschluss in die neue Gesellschaft. Spirit und Mindset passen weiterhin exzellent zusammen, jeder Einzelne ist sich seines Beitrages für eine klimafreundliche Zukunft bewusst. Ich bin froh und stolz, mit Lichtblick den richtigen Partner gefunden zu haben – und weiß, dass diese Ansicht auf Gegenseitigkeit beruht.
Die Synergien optimal zu nutzen und in einem sehr dynamischen Markt schneller und flexibler agieren zu können, um das Kundenerlebnis weiter zu steigern, ist nun der nächste, logische Schritt.
Ziel von Lichtblick ist es, mit Installion die Zahl der gebauten PV-Anlagen zu verdoppeln. Wie weit sind Sie von diesem Ziel noch entfernt und wie ist es in 2023 letztlich gelaufen und wie läuft es im aktuellen Jahr?
Wir haben eine gut gefüllte Auftragspipeline und ich bringe mich auch vertrieblich weiterhin gern ein, aber für Details zum laufenden Geschäft empfehle ich eine Titelstory mit dem bestehenden Lichtblick-Management.
"Bei den Fachkräften ist nun an einigen Stellen sogar ein Überangebot zu verzeichnen."
Bleibt Installion als Branchenlösung für die Vergabe und das digitale Projektmanagement weiterhin für den gesamten Markt geöffnet oder arbeiten sie jetzt ausschließlich für Lichtblick?
Grundsätzlich bleibt die Marke Installion erhalten und auch die Plattform. Mit ison und weiteren spannenden Produkten und Dienstleistungen ist Lichtblick auch ein idealer Partner für die Branche, allerdings liegt der strategische Fokus schon auf dem weiteren Ausbau des eigenen Geschäftes.
Wir bekommen gespiegelt, dass sich der ganz akute Mangel an Installations- und Montagekapazitäten aktuell etwas entspannt hat. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation im Markt?
Der Spiegel sagt Ihnen – wie sie oft auch in Märchen – die Wahrheit. Obwohl ich seit 20 Jahren in der PV-Branche bin habe ich noch nie einen derart schnellen und intensiven Wechsel im Markt gesehen - von vollkommen überhitzt zu sehr stark abgekühlt.
Das hat auch einen Effekt auf die Fachkräfte. Wo zunächst jeder in die Branche drängte, ist nun an einigen Stellen sogar ein Überangebot zu verzeichnen, was aber bei den Dienstleistern das Preisniveau zunächst nur auf Normalniveau zurückdrängt. Problematischer sehe ich das Zusammenfallen mit der sich nun ja wirklich dramatisch zuspitzenden Baukrise.
"Die Initiative "Ohne Hände, keine Wende entwickelt sich sehr gut. Wir starten erste Qualifizierungskurse im Bereich der Wärmepumpen."
Wie entwickelt sich die Fachkräfte-Initiative "Ohne Hände, keine Wende"? Was konnte im letzten Jahr erreicht werden?
"Ohne Hände keine Wende" hat sich auch sehr gut entwickelt. Die ersten Kurse sind nun zertifiziert und das Team engagiert sich fleißig, um Qualität und Know-how in der Branche zu etablieren. Der Fokus wurde ein wenig zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung des Marktes, beispielsweise Wärmepumpen- und PV-Know-how, erweitert.
Somit starten in Kooperation mit dem ersten Wärmepumpenhersteller derzeit erste Qualifizierungskurse, um Personen mit Vorbildung zu Fachkräften im Bereich Wärmepumpe zu qualifizieren. Die Teilqualifikation steht hierbei im Vordergrund – das heisst, dass zwar keine Ausbildungsgänge ersetzt werden, aber Teilqualifikationen einer Ausbildung zertifiziert erworben werden, damit die so geschulten Personen auch in ihrer persönlichen Bildungshistorie eine nachhaltige Weiterentwicklung erhalten. Dies wurde in enger Abstimmung mit der Branche und Verbänden entwickelt.
Das Interview führte Hans-Peter Hoeren



