Simon Schmitz, Gründer und Chef des Stromanbieters Awattar

Simon Schmitz, Gründer und Chef des Stromanbieters Awattar

Bild: © Simon Schmitz

Der österreichische Anbieter Awattar gehört zu den Pionieren auf dem deutschen Strommarkt. Als eines der wenigen Unternehmen setzt er auf dynamische Tarife. Wie ergeht es ihm in der Energiekrise? Die ZfK hat bei Simon Schmitz, Gründer und Chef von Awattar nachgefragt.

Herr Schmitz, wir erleben turbulente Zeiten am Strommarkt. Erst am Donnerstag schoss der Strompreis an der Kurzfristbörse Epex Spot kurzzeitig auf mehr als 350 Euro pro MWh. Wie dramatisch ist die Lage für Sie, als noch recht junger Anbieter dynamischer Tarife?

Das Preishoch trifft uns hart, keine Frage. Es ist aber bei weitem nicht so, als würden wir jetzt alle Kunden verlieren. Zugegeben: Ein gewisser Prozentanteil gerade in unserem flexibelsten Hourly-Tarif ist schon gewechselt. Aber wir haben auch viele Pionierkunden. Die schreiben uns, dass sie uns nun auch in dieser schwierigen Zeit unterstützen wollen. Uns hat zudem geholfen, dass wir einen gedeckelten Tarif, Hourly-Cap genannt, im Portfolio haben. Viele unserer Hourly-Kunden sind im Laufe des Jahres dorthin gewechselt.

Diese Option gibt es seit mehreren Wochen auf Ihrer Website nicht mehr.

Das stimmt. Anders als beim Hourly-Tarif, wo wir uns ausschließlich am Spotmarkt eindecken, kaufen wir für den Hourly-Cap auch im Vorhinein Mengen am Terminmarkt ein. Dieses Kontingent ist nun aufgebraucht. Deshalb mussten wir diesen Tarif pausieren.

Aber drohte der Hourly-Cap für Sie nicht auch zu einem enormen Verlustgeschäft zu werden?

Wir haben eine Weile lang natürlich die Verluste akzeptiert und diese als Akquisitionskosten gewertet, aber es wurde dann schnell zu teuer, und daher haben wir die Tarife ausgesetzt.

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Und bei Hourly, dem Tarif, der die Preise 1:1 weitergibt, gibt es nicht da auch einen Deckel?

Tatsächlich zahlen unsere Kunden dort einen gedeckelten Preis von 20 Cent pro kWh. Im Oktober und November lagen wir schon sehr häufig darüber, deswegen haben wir uns nun auch entschlossen, diesen Deckel deutlich anzuheben, auf 40 Cent pro kWh. Anders ist das leider nicht mehr wirtschaftlich. Es ist hoch, aber es ist zumindest immer noch besser für die Endkunden als gar kein Deckel. 

Können Sie eigentlich kurzfristige Vertragskündigungen für Bestandskunden ausschließen?

Ja. Gerade in dieser schwierigen Zeit ist es uns wichtig, unsere Kunden nicht im Regen stehen zu lassen.

Wie gut ist das Unternehmen Awattar für diesen Winter gerüstet?

Glücklicherweise haben wir gut gehedged. Deshalb sehen wir uns für den Winter gut gerüstet. Und wir sind überzeugt: Wenn die Preise im Frühjahr wieder fallen, profitieren unsere Kunden auch preislich wieder von dynamischen Tarifen, während andere erst einmal deutlich höhere Festpreise zahlen müssen.

Wie sehen Sie denn generell den Ausblick von variablen Tarifen, falls die Preise sich auch nach dem Winter auf einem höheren Niveau als vorher einpendeln?

Das ist ja gerade der Punkt. Kurzfristig ist es ungünstig, bei einem Preisanstieg einen variablen Tarif zu haben, aber langfristig müssen doch alle Anbieter auf diesem Niveau einkaufen, und dann hilft der Faktor, dass bei einem generell hohen Preisniveau eben auch die absoluten Unterschiede zwischen den günstigen und den teuren Stunden steigen, und das steigert dann im Vergleich zu einem Fixpreis das Einsparungspotenzial. Wir glauben also, dass unser Modell mehr Zukunft hat denn je. Zudem wollen wir im neuen Jahr mit neuen Tarifen angreifen.

Die da wären?

Wir haben da drei verschiedene Stoßrichtungen.

Erstens wollen wir flexible Tarife mit intelligenten Messsystemen anbieten. Da befinden wir uns mit mehreren Messstellenbetreibern gerade in finalen Verhandlungen. Zweitens denken wir an Tarife für Elektroautos und Wärmepumpen, möglicherweise auch in Verbindung mit Solaranlagen. Und drittens planen wir spezielle Nachttarife in Verbindung mit intelligenten Messsystemen.

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Und wann sollen diese Tarife auf den Markt kommen?

Das ist noch nicht abschließend geklärt. Wir peilen aber mal grob das erste Quartal 2022 an.

Die Fragen stellte Andreas Baumer

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