Die Berliner Wasserbetriebe haben im Geschäftsjahr 2021 einen Gewinn von 122 Mio. Euro erwirtschaftet. Das war ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahr (194, 4 Mio. Euro), wobei sich im Jahr 2020 noch Sondereffekte positiv ausgewirkt hatten.
Demgegenüber stieg der Umsatz der Umsatz auf 1,22 Mrd. Euro gegenüber 1,18 Mrd. Euro im Vorjahr. Dies sei bei konstanten Tarifen ein gutes Ergebnis, sagte Frank Bruckmann, Finanzvorstand, auf der Jahrespressekonferenz des kommunalen Unternehmens.
Über 5 Mrd. Euro Investitionen bis 2030
Mit 215 Mio. Kubikmetern haben die Wasserbetriebe rund sechs Prozent weniger Wasser verkauft als im Vorjahr. Dafür war vor allem der schlechte Sommer verantwortlich, hieß es. Das gereinigte Wasser stieg demgegenüber um ein Prozent auf 260 Mio. Kubikmeter.
Die eigenfinanzierten Investitionen im Jahr 2021 betrugen 397 Mio. Euro (-1 Prozent). In den kommenden Jahren möchte das Unternehmen seine Ausgaben jedoch deutlich steigen, bis 2023 auf mehr als eine halbe Mrd. Euro im Jahr. Insgesamt sind Investitionen von 5,3 Mrd. Euro bis 2030 geplant.
Wirtschaftliche Kennzahlen 2021
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in Mio. Euro |
2021 |
2020 |
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Umsatz |
1.223,2 | 1.184,1 | |||
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EBIT |
278,2 | 263,5 | |||
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Jahresüberschuss |
200,3 | 286,3 | |||
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Bilanzsumme |
7.835,6 | 7.741,6 | |||
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Bilanzgewinn |
122,0 | 194,4 |
Sinkender Grundwasserspiegel
Ein Großteil des Geldes fließt dabei in die Ableitung und die Reinigung des Abwassers und damit in den Ressourcenschutz. Sorgen bereiten dabei vor allem die sinkenden Grundwasserstände. Derzeit liegt dieser nach Angaben der Wasserbetriebe 20 Prozent unter Normal.
Dafür ist vor allem der ausbleibende Regen verantwortlich: Mit Ausnahme von 2017 lagen die Niederschläge sei 2024 unter dem langjährigen Mittel – zum Teil um die Hälfte. "Wir müssen wieder sensibler werden, dass Wasser ein knappes Gut ist", mahnte Bruckmann.
Keine Rationierung nötig
Gesetzliche Verbote, zum Beispiel von übermäßigem Gießen im Sommer, forderte er allerdings nicht. Auch einer Rationierung von Wasser erteilte er eine Absage. Berlin habe genügend Ressourcen.
Gebühren bleiben stabil
Zum Jahresbeginn 2022 sind die Wasserbetriebe von privatrechtlichen Preisen und Tarifen auf ein öffentlich-rechtliches Gebührensystem umgestiegen. Für die Kunden ergaben sich dadurch aber keine Belastungen.
Bruckmann betonte, dass die Gebühren für Trinkwasser und Schmutzwasser innerhalb der letzten zehn Jahre sogar zurückgegangen seien. Auch im kommenden Jahr soll sich daran nichts ändern. Jedoch rechnen die Stadtwerke mit einem leichten Anstieg der Gebühren ab 2024/2025.
Kundenzuwachs bei Stadtwerken
Die Berliner Stadtwerke –Tochter der Wasserbetriebe – hat 2021 ihr Leistungsportfolio auf knapp 90 Megawatt (MW) installierte Leistung erweitert, davon allein 68 MW in Windkraft.
Auch bei der Solarenergie ist derweil Wachstum vorgezeichnet. So haben sich bereits acht der zwölf Bezirke in Berlin die Kapazität für den Bau von fast 440 Solaranlagen und einer Gesamtleistung von knapp 30 MW gesichert.
Gewinnschwelle in Aussicht
Rund 33.000 Privathaushalte beziehen den regionalen Ökostrom der Stadtwerke, etwa 11.000 mehr als im Vorjahr. Für den Zuwachs sorgten auch Kunden, die von insolventen Anbietern wechselten. "Wir haben keine Kunden abgewiesen", betonte Bruckmann.
Bei einem Umsatz von 141 Mio. Euro verzeichneten die Stadtwerke einen Verlust von -1,4 Mio. Euro. "Wir stehen kurz vor der Break-Even-Schwelle", ordnete Bruckmann ein. Zum ersten Mal habe das Unternehmen keine Vergütungen aus EEG-Umlagen beansprucht, sondern seinen Strom direktvermarktet.
Ladeinfrastruktur geht zu Stadtwerken über
Zudem sollen die Stadtwerke zur Jahresmitte die landeseigene Elektroauto-Ladeinfrastruktur übernehmen. Dem soll ein "straffer Ausbau" folgen.
Berlin soll so bis 2030 rund 1800 zusätzliche öffentliche Ladepunkte erhalten. Darunter befänden sich bis zu 200 Schnellladesäulen in speziellen Hubs in den Bezirken, so Bruckmann. Die Suche nach Standorten hierfür laufe derzeit.
Neueinstellungen: So viele wie nie zuvor
Die Zahl der Beschäftigten wuchs im fünften Jahr in Folge – um 74 auf 4634. Dabei spielt auch der Nachwuchs eine Rolle. "Wir halten jeden Azubi mindestens ein Jahr lang", sagte Personalvorständin Kerstin Oster. Im Schnitt erhalte jeder Zweite eine unbefristete Beschäftigung.
Neben 78 Absolvent*innen der eigenen Ausbildung und der dualen Studiengänge stellten die Wasserbetrieb zudem auch 203 neue Fachkräfte ein. Doch gesucht werden weiterhin, vor allem Spezialist*innen für die Digitalisierung. Dazu hat das Unternehmen eine bundesweite Kampagne gestartet. (jk)



