Das Führungsduo der Badenova: Dirk Sattur (links) und Hans-Martin Hellebrand.

Das Führungsduo der Badenova: Dirk Sattur (links) und Hans-Martin Hellebrand.

Bild: © Badenova

Von Hans-Peter Hoeren

Das Handels- und Vertriebsgeschäft ist seit der jüngsten Energiekrise noch einmal deutlich anspruchsvoller geworden. Die Freiburger Badenova hat umgehend auf die sich verändernden Energiemarktentwicklungen und Kundenbedürfnisse reagiert und hat auf der Handelsseite ihre Prozess- und Systemlandschaft datengetrieben und skalierbarer ausgerichtet und zudem auf der Vertriebsseite neue maßgeschneiderte Produkte entwickelt. Diese Strategie geht auf, wie auch die Zahlen zeigen.

Das gute Handels- und Vertriebsgeschäft war einer der Gründe, warum der Kommunalversorger  2024 seinen Jahresüberschuss stabil auf dem soliden Niveau von über 57 Millionen Euro gehalten hat, der Umsatz ging preisbedingt auf etwas mehr als 1,4 Milliarden Euro (2023: 1,7 Milliarden) zurück.

Anzahl der Handelsgeschäfte pro Tag hat sich um ein Vielfaches erhöht

"Wir beschaffen weiterhin einen Großteil unseres Bedarfs langfristig und strukturiert", erklärt Vorstandsvorsitzende Hans-Martin Hellebrand. Im Vergleich zu vor der Energiekrise, optimiere das Unternehmen seine Positionen verstärkt auch in den kurzfristigen Spot- und Intraday-Märkten, um Prognoseabweichungen in der Erzeugung und Abnahme bestmöglich glattzustellen und somit den Regelenergiebedarf weitestgehend zu reduzieren. Konkret heißt das: Die Anzahl der Handelsgeschäfte am Tag hat sich um ein Vielfaches erhöht.

"Daten bilden die Grundlage unserer Handelsaktivitäten. Durch die konsequente Verbesserung der Datenqualität und -infrastruktur sowie Nutzung von Machine-Learning-Algorithmen, haben wir unsere Prognosemodelle optimiert – und diesen Hebel in diesen volatilen Märkten konsequent genutzt", so der Vorstandsvorsitzende. Neben der Steigerung der Effizienz und Profitabilität im Handel trage dies auch zur Stabilisierung im deutschen Netz bei. "In Summe hat sich unsere Prognosefähigkeit mit Blick auf künftige Marktentwicklungen deutlich verbessert.“

Das gute Vertriebs- und Handelsergebnis habe man zudem nicht mit überhöhten Preisen auf dem Rücken der Kunden erzielt. Im Gegenteil: "Dank unserer soliden und erfolgreichen Handelsstrategie bieten wir den Kunden ein verlässliches und faires Preis-Leistungsniveau, mit dem wir in Baden-Württemberg im vorderen Dritte der grünstigeren Anbieter liegen.“ Hellebrand bringt viel Vertriebserfahrung aus seiner Zeit bei der Eon-Tochter Eprimo mit.. In seiner Zeit konnte die Eprimo nach seinen Angaben innerhalb von drei Jahren das Ergebnis um 40 Prozent   und die Kundenzahl um 20 Prozent steigern - "das alles in einem hochvolatilen Markt mit vielen Wechselkunden".

Diese Erfahrung komme nun auch Badenova zugute: Neben der erfolgreichen Bilanz habe man so vor allem den Kundenbestand – oftmals über Laufzeitverträge und trotz des harten Wettbewerbs über alle Kundensegmente – sichern können.

Diversifiziertes Portfolio gibt Stabilität

Gewachsen ist Badenova auch bei den vielen mittelständischen Gewerbe- und Industriekunden im Umland, auch weil man deren sehr differenzierte Bedarfe und Wünsche sehr individuell mit sehr flexiblen und digitalen Produkten abbilden könne.

Grundsätzlich profitiert der Kommunalversorger operativ von seiner breiten Aufstellung und seinem diversifizierten Portfolio. Neben den Strom- und Gasnetzen sind die Erneuerbaren, die Wärmenetze und in wachsendem Maße auch das Geschäft mit digitalen Lösungen die wichtigsten Ergebnissäulen. Die Zahl Mitarbeitenden stieg im vergangenen Jahr um über acht Prozent auf über 1600.

Beteiligungsstrategie zahlt auf die digitale Produktentwicklung ein

Strategisch will sich das Unternehmen immer stärker vom Versorger zum Energiewendegestalter entwickeln. Dies wird flankiert mit einer konsequenten Beteiligungsstrategie an "innovativen, digitalen Unternehmen", mit denen man bestehende Lösungen gemeinsam, anhand der entsprechenden Bedarfe der Badenova und der Kunden weiter entwickle, so Hellebrand. Statt einer losen Kooperation setze man hier auf eine engere Bindung mittels Equity-Partnerschaften.

Eine zentrale Rolle spielt dabei E-Pilot, bei dem die Freiburger vor rund zwei Jahren eingestiegen sind. Nachdem hier vor allem eine digitale Plattform für das EDL-Ökosystem Energiewende@home geschaffen wurde, wird dieses Angebot jetzt auf Commodity-Geschäfte ausgeweitet und somit ein "durchgängiges, ganzheitliches Lösungsangebot" geschaffen. Die bisherige, selbst entwickelte Commodity-Plattform Encore wird verkauft. Auch "kulturell sei dies ein spannendes Lehrstück gewesen", sagt Hellebrand. "Wir haben uns hier selber infrage gestellt und eine selbstgebaute Plattform durch eine noch passendere Lösung ersetzt und im Markt verkauft."

Weitere Beispiele für solche Partnerschaften sind die Beteiligung an dem Datenanalytik-Spezialisten Mondas oder die Mehrheitsbeteiligung an Smart Geomatics, um die eigene Stellung im Bereich der Planungswerkzeuge für Energieleitplanung im Zuge der Wärmewende auszubauen.

"Über 80 kommunale Wärmepläne aufgestellt"

Zum Gestalter und Lösungsanbieter will sich die Badenova auch weiter beim Thema Wärmewende entwickeln. "Wir haben in über 80 unserer Konzessionskommunen kommunale Wärmepläne aufgestellt und wollen hier auch proaktiv Lösungsräume aufzeigen", stellt der neue Vorstand Dirk Sattur klar, der Anfang Mai von Mitnetz Strom und Gas nach Freiburg gewechselt ist. Das könnten Wärmepumpen, Fernwärmekonzepte oder Wärmenetze und für die Industrie natürlich Wasserstoff sein.

Hier profitiere man davon, dass man über das stark ausgebaute Erneuerbaren-Portfolio die zu erwartende höhere Stromnachfrage durch den Wärmepumpenausbau über grünen Strom aus eigener Produktion vor Ort bedienen könne. "Das steigert die Akzeptanz für Windenergie oder Flächen-PV in der Region."

Die Wärmewende vergleicht Sattur mit einer "Rallye, die man gemeinsam als Partner der Kommunen" zurücklege und sukzessive einen Fahrplan umsetze. Dieser müsse aber auch sowohl für die Kommune als auch für den Energieversorger finanzierbar sein und am Ende auch ein Geschäftsmodell darstellen. Die Wärme müsse einerseits bezahlbar bleiben, gleichzeitig benötige die Branche hier angemessene Risiko- und Ertragsprofile. Dies sei nur mit einem nachhaltig stabilen Förderrahmen möglich.

Badenova braucht für Finanzierung der Investitionsbedarfe halbe Milliarde an Eigenkapital

Vier Milliarden Euro will das Unternehmen bis 2050 investieren, vor allem in die Energie- und Wärmewende und den Stromnetzausbau. "Um das zu stemmen, müssen wir allein unser Eigenkapital in dem Zeitraum, um eine halbe Milliarde Euro stärken", verdeutlicht Hellebrand. Dies lasse sich nicht allein über den herkömmlichen Finanzierungsmix erreichen. "Deshalb müssen wir uns alle Alternativen anschauen."

Positiv sei, dass im Gesellschafterkreis ein Verständnis über die großen Finanzierungs- und Investitionsherausforderungen bestehe und man bereits im dritten Jahr hintereinander einen Teil des Ergebnisses habe thesaurieren können. Positiv seien auch die Signale vom Kapitalmarkt. Eine Schuldscheinplatzierung war jüngst um 200 Prozent überzeichnet. Gerade bei der Investorenseite helfe die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens und, dass man die Energie- und Wärmewende mit klaren Strategien unterlegt habe, diese konsequent umsetzt und transparent und offen kommuniziere.

"Die Finanzierung wird insgesamt kleinteiliger und komplexer. Wir werden viel mehr Instrumente im Eigenkapital-Baukasten brauchen – und das auch auf ganz unterschiedlichen Ebenen mit ganz unterschiedlichen Partnern", prognostiziert er.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper