

Gastbeitrag von
Hannah Strobel und
Lucy Hofmann,
NELA (Next Economy Lab)
Gemeinnütziger Verein, der sich in Projektarbeit unter anderem mit kommunalen Akteur*innen für die sozial-ökologische Transformation einsetzt
Nachhaltigkeit ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Sie gelingt jedoch nur im Zusammenspiel mit den Menschen vor Ort – wenn die Einwohner*innen in Entscheidungen einbezogen sind, die sie betreffen, und wenn sie fühlen, was sich durch die Veränderungen verbessert.
Zahlreiche Studien zeigen, dass frühzeitige, inklusive und gut strukturierte Beteiligungsprozesse nicht nur die Akzeptanz von Entscheidungen steigern, sondern auch deren Qualität und Nachhaltigkeit. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Urbanistik aus dem Jahr 2024 zeigt, dass ernsthafte und professionelle Beteiligung zu höherer Zufriedenheit in der Bevölkerung und effizienteren Planungsverfahren führt.
Themen aus dem Bereich Nachhaltigkeit wirken jedoch oft abstrakt, technisch, fern vom Alltag. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie schaffen wir es, Beteiligung so zu gestalten, dass sie nicht nur informiert, sondern aktiviert? Stadtwerke können hier als Infrastruktur-Dienstleister, Möglichmacher und Brückenbauer eine besondere Rolle einnehmen. Denn sie gestalten Lebensqualität. Sie prägen das tägliche Umfeld der Menschen, vom Trinkwasserbrunnen über die E-Bus-Haltestelle bis zur Straßenbeleuchtung.
Beteiligung ist mehr als eine Infoveranstaltung
Der Schlüssel für eine effiziente und gelungene Beteiligung ist Prozesstransparenz. Wenn klar ist, wie entschieden wird und was überhaupt möglich ist, entstehen Vertrauen und Akzeptanz – auch, wenn nicht jede Idee übernommen wird. Was anfangs nach Mehraufwand klingt, zahlt sich langfristig aus. In Zeiten multipler Krisen braucht es nicht weniger Beteiligung, sondern bessere. Denn Beteiligung ist der stärkste Motor in der kommunalen Entwicklung. So entsteht nicht nur Konsens: Es wächst die Bereitschaft zur Veränderung.
"Jede Maßnahme kann ein Anlass zum Dialog sein."
Wenn Stadtwerke greifbare Ankerpunkte schaffen, wird Nachhaltigkeit erfahrbar. Einwohner*innen nehmen nicht nur wahr, dass etwas passiert, sondern spüren, wie sich eine lebenswertere, klimaresiliente Stadt anfühlt. Dabei kann jede Maßnahme ein Anlass zum Dialog sein: Wo steht die bepflanzte Bank und warum dort? Welche Orte fehlen noch? Welche Ideen bringen die Anwohnenden ein? Beteiligung findet nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt, sondern mitten im Stadtviertel.
Beteiligung beginnt dort, wo Menschen sind
Beteiligung wirkt am besten, wenn sie alltagsnah ist. Deswegen sind niederschwellige, lebendige Formate wichtig, die dort ansetzen, wo Menschen sich bewegen und aufhalten. Ein bewährtes Beteiligungsformat sind Stadtteilrundgänge: Verwaltung, Stadtwerke und Einwohner*innen erkunden gemeinsam ein Gebiet. Währenddessen benennen sie Herausforderungen wie fehlende Verschattung, schlechte Durchlüftung oder versiegelte Flächen. Und: Sie sammeln Vorschläge für Verbesserungen. Diese Rundgänge sind besonders wirksam, wenn Fachleute aus der Verwaltung oder den Stadtwerken mitlaufen, technische Zusammenhänge erklären und gemeinsam mit den Teilnehmenden Ideen entwickeln. So entstehen konkrete Ansatzpunkte und oft auch unerwartete Impulse.
"Stadtwerke können Infrastruktur bereitstellen und dabei direkt in den Dialog treten."
Darüber hinaus können Stadtwerke und Kommunen temporäre Aktionen nutzen, um abstrakte Zukunftsthemen sichtbar und erfahrbar zu machen. Beispiele sind bepflanzte Sitzinseln oder mobile Schattenspender. Sie laden nicht nur zum Verweilen ein, sondern verdeutlichen, wie wichtig Begrünung für das Mikroklima ist. Sie können als "Pop-up-Oasen" im Sommer durch verschiedene Quartiere wandern und so breite Bevölkerungsschichten erreichen. Ein weiteres Beispiel sind "Kühle Zonen" mit Wasserspielen, Nebelduschen oder Trinkwasserstationen. Sie werden zu Treffpunkten und bieten gleichzeitig die Chance, über den verantwortungsvollen Umgang mit Wasserressourcen und Hitzevorsorge aufzuklären. Stadtwerke können hier Infrastruktur bereitstellen und dabei direkt in den Dialog treten.
Gleiches gilt für Klimamobile und Infoboxen an zentralen Orten der Kommunen, ausgestattet mit Modellen, Sensoren oder Mitmach-Tools, die Wissen auf die Straße bringen. Wer vorbeikommt, kann messen, wie sich verschiedene Oberflächen aufheizen, wie viel Wasser ein Baum verdunstet oder wie Fassadenbegrünung wirkt. Hier entstehen Gespräche zwischen Passant*innen, Kindern, Senior*innen und den Mitarbeitenden.
Zugang zu Wissen ermöglichen
Beteiligung heißt nicht nur zuhören, sondern auch Zugänge schaffen: zu Wissen, zu Entscheidungen und zu den Menschen, die in der Verwaltung oder im Betrieb Verantwortung tragen. Die Beispiele zeigen, dass Stadtwerke durch ihre Rolle als technischer Akteur komplexe Themen alltagsnah übersetzen können. Gerade in ihrer Schnittstellenfunktion zwischen Technik und Stadtgesellschaft können Stadtwerke durch Transparenz, Erreichbarkeit und Offenheit Vertrauen schaffen. Denn Daseinsvorsorge ist nicht nur Versorgung, sondern auch Verantwortung. Und diese lässt sich nicht delegieren. Sie will geteilt werden.
Beteiligung beginnt mit Vertrauen
Ob bei temporären Aktionen, Stadtteilrundgängen oder als Impulsgeber in Quartieren: Stadtwerke haben das Potenzial, Beteiligung dort zu ermöglichen, wo sie am meisten wirkt; vor Ort, erfahrbar, im direkten Kontakt. Wenn Beteiligung gelingt, ist sie nicht mehr nur ein Verfahren, sondern eine Haltung. Und Stadtwerke, die Beteiligung erlebbar machen, werden zu Wegbereitern einer neuen Stadtgesellschaft: dialogorientiert, zukunftsgewandt, und ganz nah dran an den Menschen.
- Mehr Informationen über soziale inklusive Beteiligungsprozesse, die trotz Kapazitätsengpässen funktionieren, bietet das Heft "Zukunft beginnt vor Ort: Werkzeuge für mehr Nachhaltigkeit in Kommunen", kostenfrei zum Download auf www.donut.nexteconomylab.de.



