Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

Bild: © Tobias Hase/dpa

Es sind Praktiken wie diese, die Grundversorger, Verbraucherschützer und Politiker besonders erzürnen. Da ist der Anbieter Wunderwerk AG, der einem Kunden eine Erhöhung des Gaspreises um satte 538 Prozent ankündigte.

Das Schreiben wurde der ZfK vom Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" zugespielt. Demnach zahlt der Kunde von 30. Januar nicht mehr 4,25 Cent pro kWh Gas, sondern 27,10 Cent. Dazu kommt der unverändert gebliebene monatliche Grundpreis von 9,67 Euro brutto.

"Viele Betroffene sind verzweifelt"

Mit teils drastischen Preiserhöhungen fielen in den vergangenen Wochen auch die Anbieter Voxenergie und Primastrom an, die zum Konzern Prima-Holding gehören. Der ZfK liegt ein Schreiben vor, wonach Primastrom einem Kunden drei Tage im Voraus mitteilte, den Strompreis auf 110,14 Cent pro kWh zu erhöhen. Auch dieses Dokument erhielt die ZfK über das Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de".

Mindestens einen anderen Kunden schob Primastrom demnach sogar direkt an den Grundversorger ab. "Die Beschwerden über Voxenergie und Primastrom sind stark gestiegen", sagt Portalsbetreiber Matthias Moeschler. "Die Kunden klagen nicht nur über massive Preis- und Abschlagserhöhungen, sondern auch darüber, dass Widersprüche und Sonderkündigungen ignoriert und höhere Abschläge trotz Widersprüche abgebucht würden. Viele Betroffene sind verzweifelt."

"Brauchen neue Regeln"

Der öffentliche Druck auf die Billiganbieter ist am Donnerstag weiter gestiegen. Mit Blick auf kurzfristige Kündigungen und plötzliche Lieferstopps mancher Anbieter forderte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing in einer Presseaussendung, derartige Praktiken für die Zukunft auszuschließen. "Wer Kunden mit Energie beliefert, hat ihnen gegenüber eine Verantwortung, der er sich nicht von heute auf morgen entledigen darf."

Für kommunale Energieversorger sei das selbstverständlich. "Dies für alle Kunden abzusichern, braucht neue Regeln."

"Transparenzpflichten nicht ausreichend"

Thomas Engelke, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, argumentierte, dass "einige Strom- und Gasanbieter [...] ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kund:innen nicht gerecht geworden" seien. "Das war aber auch möglich, weil die Transparenzpflichten und die Regulierung nicht ausreichend waren." Die Politik müsse den Verbraucherschutz auf dem Energiemarkt krisensicherer machen, forderte er.

Nach Auskunft der Verbraucherzentralen gibt es bundesweit inzwischen sieben Abmahnungen und eine Androhung wegen Lieferstopps, Vertragskündigungen und extremer Preiserhöhungen. Weitere Abmahnungen sollen in Planung sein.

Niederlage für Immergrün

Auch vor Gericht kassierte mancher Anbieter bereits eine Niederlage. So erklärte das Landgericht Köln im Dezember per einstweiliger Verfügung die Ankündigung und den Einzug erhöhter Abschlagszahlungen ohne vorherige Preisinformation bei Billiganbieter Immergrün für unrechtmäßig. (Die ZfK berichtete.)

Schon im November hatte das Amtsgericht Bottrop (Nordrhein-Westfalen) einen vom Düsseldorfer Gasanbieter verhängten Belieferungsstopp für unzulässig erklärt. (Die ZfK berichtete.)

Kritik an Vergleichsportalen

Auf dem "Handelsblatt"-Energiegipfel hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis '90/Die Grünen) bekräftigt, den liberalisierten Gas- und Strommarkt überprüfen zu lassen. Die Spekulation auf ewig günstige Preise an der Strombörse sei kein belastbares Geschäftsmodell, sagte er. "Wir müssen verhindern, dass die Leute, die 50 oder 100 Euro sparen wollen, am Ende die Geprellten sind.

Mehr Transparenz hatte Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende des Hannoveraner Regionalversorgers Enercity, auch von den gängigen Vergleichsportalen gefordert. Diese machten es Billiganbietern zu leicht, sich gut zu platzieren, sagte sie.

Billiganbieter auf Platz eins

Wie zum Beweis belegte beim Vergleichsportal Verivox am Donnerstagnachmittag für Hannover-Mitte Billiganbieter Extraenergie Platz eins (Jahresverbrauch 2500 kWh Strom, Arbeitspreis: 42,15 Cent pro kWh). Dabei wäre der Enercity-Grundversorgungstarif bei gleichen Bedingungen aktuell sogar mehr als 20 Euro günstiger.

Ganz hinten wiederum reihte sich der mit üppigen Boni werbende Anbieter Sparfuxx-Energie ein. Der Arbeitspreis hier: 75,08 Cent pro kWh Strom. (aba)

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