Der Energiedienstleister Getec Energie aus Hannover verfügt über einen Gewerbe- und Industriekundenstamm in Deutschland und liefert Strom und Gas sowie Verträge für erneuerbaren Strom (PPAs) und Flexibilitäts- und Ausgleichsdienstleistungen.
Seine Handelstochter Gewi zählt zudem mit 4300 MW Portfolio zu den größten Direktvermarktern Deutschlands.
Ziel: Integriertes Energieunternehmen
Für den Mineralölkonzern BP steht die Übernahme von Getec im Einklang mit dem strategischen Ziel, ein integriertes Energieunternehmen zu werden, das sich auf Energielösungen konzentriert. BP erwartet, dass Getec die Kompetenzen von BP in diesem Bereich stärken werde und sich als eine Schnittstelle zu Gas- und Stromkunden etabliert. Auch soll dabei die Kompetenz in den noch zu entwickelnden Bereichen steigen, beispielweise bei den Erneuerbaren, Biogas und Wasserstoff.
"Bei der weiteren Umsetzung unserer Strategie ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die Energielösungen, die wir unseren Kunden anbieten, bei BP zusammenführen und integrieren können", kommentierte Carol Howle, Executive Vice President bei BP, die Übernahme. Zum Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
Regionales Handelsbüro in Hannover
Nach dem Erhalt von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen will BP Getec Energie in die Konzernstruktur integrieren. Hannover als Sitz von Getec Energie soll neben den Standorten in Madrid und London zum regionalen Handelsbüro für das europäische Geschäft von BP werden.
"Wir freuen uns, mit BP die passende Gelegenheit gefunden zu haben, durch die die Getec Energie ihren Erfolgskurs im Rahmen der Energiewende sowohl in Deutschland als auch in Europa fortsetzen und ausbauen kann", kommentiert Franziska Artz, Beiratsvorsitzende der Getec Energie Holding GmbH, den Verkauf der Gesellschaft.
Neben Getec Energie, die nun an BP geht, zählen Getec Green Energy und Getec Net zur Getec-Gruppe. Wie nun die strategische Neuausrichtung des Unternehmens aussehen soll und in welche Bereiche nun der Verkaufserlös investiert werden soll, wollte das Unternehmen auf ZfK-Anfrage nicht sagen.
Erkennbares Muster
Die Übernahme von Getec Energie reiht sich bei Transaktionen aus den Vorjahren ein, die einen vergleichbaren Rahmen haben. Öl- und Erdgasgroßkonzerne stellen ihre strategische Ausrichtung auf die Endkundendienstleistungen im Privat- sowie Gewerbe- und Industriekundensegment um. Anstelle der fossilen Ressourcen richtet sich ihr Blick zudem zunehmend auf den Vertrieb und das Dienstleistungsangebot um die Erneuerbaren. So hatte der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern Shell im Früjahr 2021 den deutschen Erneuerbaren-Direktvermarkter Next Kraftwerke übernommen. Im Herbst 2023 hatte Total Energies den Düsseldorfer Direktvermarkter Quadra Energy übernommen. (am)



