Die Stadtwerke Bremen haben ein Ebit von 158,4 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Stadtwerke Bremen haben ein Ebit von 158,4 Millionen Euro erwirtschaftet.

Bild: © SWB

Die Bremer SWB AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis (Ebit) in Höhe von 158,4 Millionen Euro erzielt (2024: 150,5 Millionen Euro). Für das Tochterunternehmen der Oldenburger EWE ist das der beste Wert in der Unternehmensgeschichte. Zugleich sehe sich der Versorger weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, sagte SWB-Vorstandssprecher Karsten Schneiker bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Bremen.

Folgen der Krise für SWB-Gaskunden

Eine davon sei die Preisentwicklung auf den globalen Gasmärkten aufgrund der Nahost-Krise, die auch Folgen für die SWB-Kunden haben wird. Die Stadtwerke haben zum 1. Juli eine Gaspreiserhöhung um 0,47 Cent je Kilowattstunde angekündigt. Diesen Schritt begründet das Unternehmen mit den allgemein gestiegenen Beschaffungskosten wegen des Konflikts in Nahost. "Die Energiemärkte reagierten inzwischen extrem sensibel auf politische Nachrichten", so Schneiker.

Karsten Schneiker wurde 1972 in Koblenz geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.Bild: © SWB AG

Die Energiemärkte reagierten inzwischen extrem sensibel auf politische Nachrichten.

Karsten Schneiker

Vorstandssprecher der SWB AG

Zudem dürften die Folgen der aktuellen Konflikte noch lange spürbar bleiben: Betroffen seien unter anderem die Straße von Hormus sowie LNG-Anlagen in den Emiraten. Nachdem die Gaspreise zeitweise bereits unter 30 Euro pro Megawattstunde gefallen waren, lägen sie inzwischen wieder bei rund 42 bis 44 Euro.

Strompreise zunächst unberührt

Das werde sich nach Einschätzung des Unternehmens auch auf die Strompreise auswirken. Wann sich das auch bei den Stromtarifen für Endkunden bemerkbar machen dürfte, wollte der SWB-Chef nicht kommentieren und verwies auf eine hohe Dynamik der Marktentwicklungen. Bis in der Krisenregion wieder Normalität herrsche, könne es Monate oder sogar mehr als ein Jahr dauern, fügte er hinzu.

Beim Stromabsatz hatten die Stadtwerke "leichte Rückgänge" zu verzeichnen, die der Versorger auf das Geschäftskundengeschäft zurückführt. "Während der Corona-Zeit hatten wir dort Vorteile durch unsere starke Beratungsleistung und die hohe Versorgungssicherheit. Inzwischen achten viele Unternehmen wieder stärker auf den Preis", hieß es weiter aus Bremen. Dadurch hätte die SWB "einige größere Verträge verloren, allerdings in einem gut verkraftbaren Rahmen".

Auch beim Privatkundensegment gab es rückläufige Kundenzahlen. Das erklärte Schneiker vor allem mit dem Wechsel von Endkunden, die die SWB während der Beschaffungskrise 2022 aufgefangen hatten, als die Energiediscounter ihre Belieferung eingestellt hatten.

Rekordinvestitionen

Neben dem Ebit waren 2025 auch die Investitionen der SWB rekordverdächtig. Die Investitionen mit einem klaren Fokus auf Netze erreichten nach 186,6 Millionen Euro im Vorjahr 264,4 Millionen.

Laut SWB-Vorstandssprecher Karsten Schneiker plant das Unternehmen in den nächsten Jahren Investitionen von rund drei Milliarden Euro. "Ich persönlich gehe sogar davon aus, dass es am Ende noch mehr werden wird", sagte er bei der Vorstellung der Bilanzzahlen in Bremen.

Schwerpunkt Energieinfrastruktur

Von den 264,4 Millionen Euro flossen 2025 über 230 Millionen Euro in die Netze – damit sei der Fokus der Investments, auch in den kommenden Jahren klar gesetzt. Dazu zählt vor allem das Stromnetz. "Industriebetriebe stellen zunehmend von Erdgas auf Strom um. Gleichzeitig entstehen immer mehr Photovoltaikanlagen. Der Strombedarf steigt also deutlich – während gleichzeitig die alten Kohlekraftwerke stillgelegt wurden", führte Schneiker aus. Unter dem Strich bedeute dies auch, dass Bremen künftig auf deutlich mehr Strom von außen angewiesen sein werde.

Zu den Investitionen im Stromnetz gehört beispielsweise der Bau eines komplett neuen Umspannwerks am Stahlwerksgelände sowie die Erweiterung des Umspannwerks Niedervieland. "Allein die beiden großen Umspannwerksprojekte kosten rund 500 Millionen Euro". Perspektivisch würde Bremen etwa 20 neue Umspannwerke im Stadtgebiet brauchen. "Diese Anlagen müssen nicht nur gebaut, sondern auch sinnvoll in die Stadtentwicklung integriert werden", beschreibt er die Herausforderung.

Fernwärmeausbau nimmt Tempo auf

Auch der Ausbau der Fernwärme in Bremen geht nach der Stilllegung des letzten Steinkohleblocks in Bremen-Hastedt im Jahr 2024 voran. Voraussetzung dafür war die Inbetriebnahme einer 7,5 Kilometer langen Fernwärme-Verbindungsleitung durch Schwachhausen, über die Wärme aus der Abfallverwertung auch in den Bremer Osten transportiert werden kann. Parallel dazu beschleunigt der Versorger den Netzausbau deutlich: Wurden bislang jährlich zwei bis drei Kilometer Fernwärmeleitungen verlegt, waren es im vergangenen Jahr bereits sieben Kilometer.

Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung im nächsten Monat

Grundlage für die weitere Entwicklung ist zudem die abgeschlossene kommunale Wärmeplanung in Bremen und Bremerhaven, die Gebiete für Fernwärme und dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen definiert. Im Juni dieses Jahres sollen die Ergebnisse der Planung im Detail vorgestellt werden.

Für zusätzlichen Schub soll nun der Anschluss der Bremer Innenstadt an das Fernwärmenetz sorgen. Der Aufsichtsrat von SWB AG hat dafür in dieser Woche mehr als 50 Millionen Euro freigegeben. Aufgrund der dichten Bebauung gilt die Innenstadt aus Sicht des Unternehmens als besonders geeignet für leitungsgebundene Wärmeversorgung.

Laut SWB stößt das Vorhaben bereits jetzt auf großes Interesse bei Immobilienbesitzern und Unternehmen. Ergänzend prüft der Energieversorger den Aufbau weiterer Nahwärmenetze auf der rechten Weserseite, etwa in der Neustadt, der Airportstadt, im GVZ und am Niedersachsendamm.

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