Fusionen unter Stadtwerken sind in der Branche eine Seltenheit. Aber sie nehmen zu. In den vergangenen zwei Jahren etwa schlossen sich die Stadtwerke Diez und Limburg zusammen, in Schleswig-Holstein verschmolzen die Stadtwerke Pinneberg und Tornesch zu den Stadtwerken Südholstein, im Münsterland fusionierten Rhede und Bocholt, in Rheinland-Pfalz schlossen sich die Stadtwerke Tauberfranken und Külsheim zusammen.
Nun geht eine Fusion von drei kleineren Stadtwerken in der Pfalz auf die Zielgeraden, betroffen hiervon sind rund 30.000 Kunden. Die Stadtwerke Bad Dürkheim, Deidesheim und Wachenheim wollen Anfang 2027 zu den "Stadtwerken an der Weinstraße" fusionieren, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Das neue Unternehmen soll die Rechtsform einer GmbH haben.
Wir sind nicht in Not, wollen aber nicht, dass eine Not entsteht.
Ziel des geplanten Zusammenschlusses ist es, der wachsenden Komplexität in der Regulierung im Netzbereich und bei der Digitalisierung gemeinsam zu begegnen und unter anderem Synergien bei der Nutzung von IT und Abrechnungssystemen zu heben.
"Wir sind nicht in Not, wollen aber nicht, dass eine Not entsteht", wird Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) in der "Rheinpfalz" zitiert. Ein Stellenabbau ist nicht geplant, der Personalzuwachs könnte sich aber verlangsamen, heißt es in der Lokalzeitung weiter. Die drei zu 100 Prozent kommunalen Unternehmen kooperieren bereits im Bereich Elektromobilität eng miteinander und haben 2024 das gemeinsame Unternehmen Pfalzader gegründet.
"Auch künftig bleibt das Unternehmen kommunal geprägt und wird weiterhin durch demokratisch gewählte Aufsichtsräte kontrolliert", betont Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt aus Bad Dürkheim. Auch die Kundenzentren in den drei Orten bleiben erhalten.
Defizite in Bädern und ÖPNV trägt weiter zuständige Kommune
Derzeit würden die rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Grundlagen erarbeitet. Künftig werden die beteiligten Kommunen entsprechend ihrer Größe an der neuen Gesellschaft beteiligt sein. Die Höhe der Anteile wird von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft festgelegt. Gesellschafter des neuen Fusions-Stadtwerks sind die Städte Bad Dürkheim, Deidesheim, Wachenheim und Niederkirchen.
Für den finanziellen Ausgleich defizitärer Sparten, wie die Bäder und der Busbetrieb in Bad Dürkheim oder das Schwimmbad in Wachenheim, bleiben die jeweiligen betroffenen Kommunen ebenso zuständig wie für die Investitionen. Die Defizite sollen jeweils auf den künftigen Gewinnanteil des zuständigen Gesellschafters angerechnet werden.
Stadtwerke arbeiten seit Jahren zusammen
"Die Grundlage für einen erfolgreichen Zusammenschluss ist gegenseitiges Vertrauen. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren eng zusammen – daraus ist die gemeinsame Strategie für diesen Schritt entstanden", sagt Peter Kistenmacher, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Dürkheim.
Die stärkere Spezialisierung soll viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar entlasten. "Ohne diesen Schritt würde das Ausfallrisiko langfristig steigen, da für zentrale Aufgaben immer weniger personelle Ressourcen zur Verfügung stehen", erklärt Dieter Panzer, Werkleiter der Stadtwerke Wachenheim.



