Auch ein 125-jähriges kommunales Unternehmen kann frischen Markenauftritt hinlegen. Das zeigen die Hertener Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet. Wie sich der Versorger einen neuen Anstrich verpasst hat, berichtet Mediengestalterin Marie Burghauve von der Stadtwerken.
Frau Burghauve, die Hertener Stadtwerke haben einen neuen Unternehmensclaim. Was steht hinter "Energie, die Heimat schafft"?
Das bringt zum Ausdruck, dass wir weit mehr als ein Energieversorger sind. Neben der sicheren Versorgung engagieren wir uns seit vielen Jahren für Bildungs-, Sport- und Kulturprojekte und leisten damit einen aktiven Beitrag zur Lebensqualität in Herten und der Region.

Das Rebranding verbindet Tradition und Zukunft.
Marie Burghauve
Mediengestalterin Hertener Stadtwerke
Was war der konkrete Anlass für Ihren neuen Markenauftritt? Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit dem Rebranding?
Im Zuge unseres 125-jährigen Jubiläums im Jahr 2025 haben wir unseren Markenauftritt, der zuvor rund 35 Jahre Bestand hatte, grundlegend überarbeitet. Ziel war es, die Marke zeitgemäßer, klarer und stärker auf die aktuellen Herausforderungen der Energiewirtschaft auszurichten.
Dabei stand im Mittelpunkt, die Hertener Stadtwerke als einen modernen, nachhaltigen und zukunftsorientierten Energiepartner zu positionieren. Gleichzeitig wollten wir aber auch unsere starke regionale Verwurzelung sichtbar machen und die Nähe zu den Menschen in Herten und der Region stärker in den Fokus rücken. Das Rebranding verbindet somit Tradition und Zukunft: unsere lange Geschichte als kommunaler Versorger mit unserem Anspruch, die Energiewende vor Ort aktiv mitzugestalten.

Was macht das neue Design aus?
Das neue Erscheinungsbild basiert auf einer klaren, modernen Gestaltung mit einer Farbwelt aus zwei Blautönen, dem Grün und Orange. Im Zentrum steht das "H"-Icon als prägendes Element des Logos.
Welche Botschaft transportiert das neue Design?
Das "H" steht für die Hertener Stadtwerke und für unsere Heimatstadt Herten – also für unsere lokalen Wurzeln und unsere Verantwortung vor Ort. Ein integriertes grünes Blatt symbolisiert unser kontinuierliches Engagement für nachhaltiges Handeln und den Weg hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Wir haben hier eine authentische Bildsprache, die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Claim "Energie, die Heimat schafft" fungiert dabei als verbindendes Element, das die inhaltliche Klammer der Marke bildet.

Was sollte von dem alten Auftritt auf keinen Fall verloren gehen – und was bewusst hinter sich gelassen werden? Haben Sie Ihre Markenarchitektur verändert?
Uns war es wichtig, dass die Marke Hertener Stadtwerke weiterhin klar erkennbar bleibt. Daher haben wir die grundsätzliche Struktur unseres Logos beibehalten. Die Anordnung von Markenname, Claim und Icon ist weiterhin ähnlich aufgebaut und sorgt für Kontinuität im Erscheinungsbild.
Bewusst verabschiedet haben wir uns hingegen von der Flamme, die Bestandteil unseres bisherigen Logos war. Sie stand historisch unter anderem für fossile Energie und passte damit nicht mehr zu unserem Anspruch, die Energiewende aktiv mitzugestalten und nachhaltige Lösungen in den Mittelpunkt zu stellen.
An unserer Markenarchitektur haben wir grundsätzlich festgehalten: Die Hertener Stadtwerke bleiben klar als starke Dachmarke sichtbar.
Wie definieren Sie heute Ihren Markenkern in einem Satz?
Die Hertener Stadtwerke stehen für eine verlässliche, nachhaltige Energieversorgung und engagieren sich als kommunales Unternehmen aktiv für die Entwicklung und Lebensqualität ihrer Heimatstadt.
Wie lange hat der Markenprozess gedauert – von der ersten Idee bis zum Go-live?
Der gesamte Markenprozess erstreckte sich über rund anderthalb Jahre – von den ersten Workshops und strategischen Überlegungen bis zum offiziellen Go-live im Januar 2025.
Mit welchen Partnern haben Sie zusammengearbeitet?
Zu Beginn haben wir mit einer Grafikagentur zusammengearbeitet, die uns dabei unterstützt hat, die grundlegenden Leitplanken und gestalterischen Ansätze für den neuen Markenauftritt zu entwickeln. Parallel dazu wurde ein internes Projektteam gebildet, das sich aus verschiedenen Fachbereichen unseres Hauses zusammensetzte – unter anderem aus Technik und kaufmännischem Bereich. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit war uns wichtig, um unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und eine breite Akzeptanz im Unternehmen zu schaffen.
Die finale gestalterische Ausarbeitung sowie die Entwicklung unseres heutigen Logos erfolgten anschließend durch unsere internen Grafikmitarbeiterinnen.
Wie haben Sie Mitarbeitende in den Prozess eingebunden?
Das interne Projektteam hat die Mitarbeitenden aktiv in den Entwicklungsprozess eingebunden. In mehreren Workshops haben sie Ideen, Anforderungen und Perspektiven aus verschiedenen Unternehmensbereichen zusammengeführt und in die Markenentwicklung integriert.

Wie erfolgte das Rollout?
Den neuen Markenauftritt haben wir am 20. Januar 2025 im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt, der gemeinsam von der Geschäftsführung der Hertener Stadtwerke und dem Bürgermeister der Stadt Herten begleitet wurde. Der Termin markierte zugleich den offiziellen Auftakt unseres Jubiläumsjahres. Der Rollout selbst erfolgte schrittweise. Zunächst wurden unsere digitalen Kanäle, insbesondere der Internetauftritt, angepasst. Parallel dazu haben wir die zentrale Geschäftsausstattung wie Briefbogen und weitere Kommunikationsmittel sowie die Neugestaltung der Außenpräsenz unserer Hauptverwaltung und unseres Kundenzentrums umgestellt. Im Anschluss haben wir weitere Anwendungen sukzessive angepasst, darunter den Fuhrpark, Werbeflächen im Stadtgebiet und weitere Kommunikationsmittel.
Welchen Rat geben Sie anderen Stadtwerken, die über ein Rebranding nachdenken?
Wir empfehlen, die Mitarbeitenden frühzeitig und aktiv in den Prozess einzubeziehen. Das Unternehmenslogo besitzt für viele Kolleginnen und Kollegen einen hohen emotionalen Wert. Transparente Kommunikation und Beteiligung schaffen Verständnis und Akzeptanz für Veränderungen.
Darüber hinaus hat sich für uns eine frühzeitige, ganzheitliche Auseinandersetzung mit der eigenen Marke als sehr wertvoll erwiesen. Sie hilft dabei, nicht nur ein neues Design zu entwickeln, sondern auch, die eigene Positionierung und den Markenkern klar zu definieren.



