Miriam Hänel ist Social-Media-Managerin in der Stabsstelle Kommunikation der Wiesbadener ESWE Versorgung.

Miriam Hänel ist Social-Media-Managerin in der Stabsstelle Kommunikation der Wiesbadener ESWE Versorgung.

Bild: © ESWE Versorgung

Vor sechs Jahren hatte der Wiesbadener Energiedienstleister die "Wiesbaden Crowd" ins Leben gerufen. Damit ermöglichte er finanzielle Hilfen für verschiedenste Projekte. Auf der Crowd-Plattform haben Vereine, Clubs, Organisationen und einzelne Personen die Möglichkeit, von vielen Menschen Geld für ihre wichtigen Vorhaben zu sammeln. Mittlerweile wurden so über eine halbe Million Euro für soziale Projekte generiert. Diese Marke haben beim kommunalen Crowdfunding mit der Leipziger, Potsdamer und Jenaer Crowd sowie Berlin Recycling, der Wemag und der Energieversorgung Oberhausen sechs weitere Kommunalversorger geknackt.

"Über die Wiesbaden-Crowd wurden zum Beispiel schon neue LED-Beleuchtungen für den Sportplatz finanziert, Schulhöfe grüner und Kindergärten kindgerechter gestaltet. Theaterstücke konnten aufgeführt und Konzerte gegeben werden. Und das ist noch längst nicht alles", berichten die ESWE-Vorstände Jörg Höhler und Oliver Malerius.

Die neue Plattform hat auch viele Effekte auf die weitere positive Markenaufladung der ESWE Versorgung vor Ort. Miriam Hänel, die Social-Media-Managerin innerhalb der Stabsstelle Kommunikation bei ESWE Versorgung, hat viel Zeit in die Aufklärungsarbeit über die Plattform bei Vereinen, Ämtern und Institutionen investiert. Warum sich auch Wiesbadens Oberbürgermeister schon für ein Projekt auf der Crowd persönlich engagiert hat und vieles mehr, erfahren Sie im folgenden Interview. ESWE Versorgung ist am 12./13. November der diesjährige Gastgeber der ZfK Media Days, dort wird es auch um das Thema kommunales Crowdfunding gehen. Mehr zur Veranstaltung finden Sie hier.

Frau Hänel, wie setzen Sie bei ESWE Versorgung die Wiesbaden-Crowd strategisch ein? Wie sehr hat sich dadurch Ihre Sponsoringstrategie verändert?

Unsere Crowdfunding-Plattform hat das ESWE-Sponsoring transparenter und offener gemacht. Unser Vorteil ist, dass die Verwendung der finanziellen Aufwendungen klar und nachvollziehbar dokumentiert wird.

Über die "Wiesbaden Crowd" laufen alle angestoßenen Projekte auf einer Seite zusammen. Für uns ist so leicht ersichtlich, wie Anfragen von Vereinen oder Institutionen durch die Bevölkerung eingeschätzt und bewertet werden, welche Projekte aus welchen Sparten als besonders förderungswürdig angesehen werden. So können auch wir unsere Strategie anpassen und entsprechend nachsteuern. Das kommt Vereinen zugute, die ansonsten nicht permanent im Fokus stehen.  

"Im besten Fall bringt ein erfolgreiches Crowd-Projekt neben finanzieller Unterstützung und Aufmerksamkeit sogar eine treue Anhängerschaft."

Was waren wichtige Lernkurven, die Sie in den vergangenen Jahren mit der Wiesbaden Crowd durchlaufen haben?

Wir haben die "Wiesbaden Crowd“ vor knapp sechs Jahren ins Leben gerufen. Besonders anfangs war das Konzept des Crowdfundings in der breiten Öffentlichkeit noch sehr erklärungsbedürftig. Daher haben wir in Aufklärungsarbeit investiert, Anzeigen geschaltet und Info-Flyer produzieren lassen. Vor allem aber haben wir – wo auch immer möglich – persönlich vor Ort, also bei den Vereinen oder bei der Stadt, den Hintergrund und die Abläufe der "Wiesbaden Crowd“ erklärt. Denn eigene Begeisterung überzeugt.

Besonders wichtig sind darüber hinaus erfolgreiche Projekte! Je mehr Vereine ihre Ideen auf der Crowd finanzieren konnten, desto mehr Projektstarter probieren diesen Weg auch für sich aus. Sicherlich liegt das daran, dass Interessierte sehr schnell erkennen, dass sie mit einem Projekt auf unserer Plattform weitaus mehr Gelder generieren als durch eine konventionelle Anfrage. Außerdem bringt ihnen ein Crowd-Projekt neben finanzieller Unterstützung auch Aufmerksamkeit und im besten Fall sogar eine treue Anhängerschaft ein. Das kann zu Mitgliederzuwachs oder mehr Besuchenden auf geplanten Veranstaltungen führen.

Besonders wichtige Unterstützung haben wir durch die Landeshauptstadt erhalten: Ich selber habe gegenüber Vertretern unterschiedlicher Ämter (Sport-, Kultur und Schulamt) über die Fördermöglichkeit der Wiesbaden Crowd berichtet und bat, unsere Information an ihre jeweiligen Verteiler zu senden. Seitdem werden aus diesem Kreis immer wieder neue Projekte angelegt. Wir können uns also voll und ganz auf die Bewerbungen konzentrieren und müssen die Plattform selbst kaum noch erklären.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

"Sogar die Landeshauptstadt Wiesbaden hat mittlerweile ein Projekt erfolgreich über die Wiesbaden Crowd abgeschlossen."

Wie sehr hilft Ihnen das Thema Crowdfunding, um die Sichtbarkeit des Engagements der ESWE Versorgung für die Region sichtbarer zu machen?

Wir kennen alle die klassische Sponsoring-Idee: Finanzielle Unterstützung gegen Logo auf dem Trikot, Geld für Bannerwerbung, Anzeigen im Vereinsheft.

Durch Projekt auf der "Wiesbaden Crowd“ wird ESWE aber viel tiefer in die Vereinsstrukturen hineingetragen, denn selbstverständlich unterstützen auch Vereinsmitglieder und deren Familien und Freunde ihre eigenen jeweiligen Projekte.

Zudem berichten Vereine häufig auf Social Media über ihr Vorhaben, manche schreiben sogar Pressemitteilungen. Die Öffentlichkeit nimmt damit bewusster wahr, dass ESWE die Ideen als Ermöglicher und Unterstützer zu Erfolg geführt hat und Teile der Fördergelder von ESWE gezahlt werden.
Sogar die Landeshauptstadt Wiesbaden hat mittlerweile ein Projekt erfolgreich auf der "Wiesbaden Crowd“ abgeschlossen. Hierbei hatte sich auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende persönlich engagiert. Die „Wiesbaden Crowd“ ist also auch bei Politik und Wirtschaft angekommen.

Die Plattform erschafft darüber hinaus regelmäßig selbst Kommunikationsanlässe – zuletzt mit der erreichten 500.000-Euro-Marke. So bleiben die „Wiesbaden Crowd“ und ESWE Versorgung kontinuierlich im Gespräch.

Wie sehr zahlt die Crowd auf das Thema positive Markenaufladung der ESWE Versorgung, wie sehr auf das Thema Image ein?
Bürgerinnen und Bürger nehmen ESWE Versorgung als Ermöglicher in der Region wahr. Sie erleben uns als verantwortungsvollen, verlässlichen, unkomplizierten und innovativen Partner vor Ort – alles Adjektive, die wir auch unserer Rolle als Energieversorger zuschreiben.
 

Der Zugang zur Crowd ist sehr niedrigschwellig. Inwiefern ist es Ihnen gelungen, hier auch mit Vereinen und Gruppen in Kontakt zu kommen, die bisher eher unter dem Radar laufen?

Durch die Hilfe städtischer Ämter sind wir mit Vereinen in Kontakt getreten, zu denen wir ansonsten wahrscheinlich keinen Zugang gefunden hätten. Bei der "Wiesbaden Crowd“ gilt: Gleiche Chance für alle. Das haben mittlerweile auch die Vereine und Projektstarter verinnerlicht.

Wie groß sind die Mehrwerte für die lokale Medienarbeit, die Öffentlichkeitsarbeit und für das Thema Storytelling beispielsweise auf Social Media?

Hier spielt die Strategie der Projektstarter eine große Rolle. Tatsache ist: Nahezu alle Projekte werden intensiv auf Social Media beworben und zwar sehr persönlich durch Menschen, die direkt involviert sind und ihre Geschichten erzählen möchten. Das wirkt authentisch und emotional. Unser Plattformpartner "fairplaid“ hat eigens hierfür einen Grafikgenerator entwickelt, mit dem Projektstarter schnell und selbsterklärend Instagram-Beiträge für ihre Vorhaben entwerfen können – das ESWE-Logo wird dabei automatisch eingeblendet. Beispiele finden sich auf der „Social Wall“ auf www.wiesbaden-crowd.de.

Und natürlich machen Vereine intensiv bei Mitgliedern, deren Familien und Freunden Werbung. Manchmal veröffentlichen sie sogar eigene Pressemitteilungen. ESWE bewirbt Projekte zusätzlich auf den eigenen Social-Media-Kanälen.

Wie viele Projekt konnten bisher über die Wiesbaden Crowd realisiert werden?

Aktuell 91. Dabei kamen nach jetzigem Stand 501.853 Euro mit der Hilfe von 7.202 Unterstützerinnen und Unterstützern zusammen.

In Ihrer Pressemitteilung werden Projektcoaches erwähnt für Crowdfunding-Anfänger. Wie läuft das genau ab und was hat es gebracht?
Unser Plattform-Partner "Fairplaid“ betreut deutschlandweit Crowdfunding-Plattformen etlicher Stadtwerke und Energiedienstleister. 

Fairplaid-Mitarbeitende hosten die jeweiligen Plattformen und entwickeln sie stetig weiter. Eine der neueren Ideen ist beispielsweise der bereits erwähnte Grafikgenerator. Außerdem übernimmt das Fairplaid-Team das Coaching der einzelnen Projekte. Jede und jeder Projektstartende bekommt einen erfahrenen Coach zur Seite gestellt. Sobald eine Projektseite angelegt wird, setzt sich dieser Coach mit dem Projektverantwortlichen in Verbindung und unterstützt dabei, eine realistische Zielsumme zu wählen und die Seite ansprechend zu gestalten.

Während der Projekt-Laufzeit geben die Coaches außerdem regelmäßig Tipps, wie weitere potenzielle Unterstützende angesprochen und begeistert werden können. Als ESWE Versorgung wissen wir also, dass alle Projekte bestens betreut werden und jeder Beteiligte engagiert ist, um möglichst viele Vorhaben erfolgreich abzuschließen. 

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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