Die US-Regierung hatte Anfang des Monats angekündigt, ausstehende Genehmigungen für den Export von LNG auf Eis zu legen. Mit einem aktuellen Anteil von rund 50 Prozent an LNG-Importen in Europa gehören die USA zu den zentralen Lieferanten.
"Die Ankündigung des US-Präsidenten, diese Genehmigungen für Projekte vorerst auf Eis zu legen, hat viel mit dem aktuellen Wahlkampf zu tun und nicht mit dem Wunsch, die Exportmengen von US-LNG nach Europa zu reduzieren", sagte Kehler im Gespräch mit der ZfK.
Er geht davon aus, dass am Ende dieser Debatte "eine entsprechende Regulatorik zu Methanemissionen erlassen wird" und alle Projekte fristgerecht starten würden. Aus seiner Sicht hat diese Entscheidung also einen rein politischen Hintergrund. Die Meinung in der Branche, dass das Moratorium ein Instrument ist, um die LNG-Preise durch Verknappung wieder anzukurbeln, teilte Kehler indes nicht.
Kein Einfluss auf die aktuelle Versorgungslage
Die Erdgaspreise befinden sich weiterhin im freien Fall. Die Gashandelspreise hätten sich bei 30 und 40 Euro/MWh stabilisiert und geben sogar weiter nach. Für Kehler sei dies ein Ausdruck eines neuen Gleichgewichts für Angebot und Nachfrage. Während die Nachfrage vor allem aus der Industrie zurückgegangen ist, habe sich die Verfügbarkeit von Gas deutlich verbessert.
Auf die aktuellen LNG-Exportmengen aus der ersten Welle, die US-Präsident Barack Obama ausgelöst und Donald Trump dann beschleunigt hatte, hat das Moratorium der US-Regierung keinen Einfluss, so die Begründung von Kehler. Auch die zweite Welle mit weiteren LNG-Terminals, die die Exporte weiter erhöhen sollen, seien bereits im Bau und vom Moratorium nicht betroffen.
Das Moratorium Bidens betreffe vor allem neue LNG-Projekte, die noch nicht genehmigt sind und erst nach 2027 an Relevanz für den Markt gewinnen. "Ich denke, dass die Ankündigung, diese Projekte vorerst auf Eis zu legen, viel mit dem aktuellen Wahlkampf zu tun hat und nicht mit dem Wunsch, die LNG-Exportmengen nach Europa zu reduzieren", sagte Kehler zu ZfK.
Vermutlich laufe es darauf hinaus, "dass eine entsprechende Regulatorik zu Methanemissionen erlassen wird und dass dann die Projekte starten", so seine Prognose. "Schließlich weisen wir immer wieder darauf hin, dass Methanemissionen technisch vermieden werden können."
Kehler: "Diversifizierung vorantreiben"
Nichtsdestotrotz sei es wichtig, die Diversifizierung der Gaslieferquellen weiter voranzutreiben, betonte Kehler weiter. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine seien hier bereits erhebliche Schritte erfolgt. Für mehr Vielfalt im LNG-Versorgungssektor könnten weitere Verträge mit Akteuren wie Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten sorgen.
"Mit ihnen sollten wir auch durch längerfristige Beziehungen die Transformation hin zu Wasserstoffversorgung gestalten", fügt Kehler hinzu. Für den Übergang von LNG zu Wasserstoff-Lieferungen fehle aber weiterhin eine Strategie. (am)


